Pseudohypoparathyreoidismus
Der Pseudohypoparathyreoidismus bezeichnet eine seltene, erbliche Erkrankung, bei der die Körperzellen, insbesondere die Zellen der Nieren sowie der Knochen, nicht mehr ausreichend auf das Nebenschilddrüsenhormon reagieren, obwohl dieses Hormon von den Nebenschilddrüsen in normaler oder sogar erhöhter Menge produziert wird, wodurch die charakteristischen Stoffwechselveränderungen eines tatsächlichen Nebenschilddrüsenhormonmangels entstehen, ohne dass ein solcher Mangel tatsächlich vorliegt. Diese Unempfindlichkeit der Zielorgane gegenüber dem eigentlich in ausreichender Menge vorhandenen Hormon unterscheidet den Pseudohypoparathyreoidismus grundlegend von einem echten Hypoparathyreoidismus, bei dem tatsächlich zu wenig Hormon produziert wird, auch wenn beide Erkrankungen zu einem erniedrigten Kalziumspiegel sowie einem erhöhten Phosphatspiegel im Blut führen. Bei einem Teil der Betroffenen geht die Erkrankung zusätzlich mit einem charakteristischen äußeren Erscheinungsbild einher, das unter anderem einen kleinen Wuchs sowie auffällig verkürzte Mittelhandknochen umfasst.
Ursachen
Der Pseudohypoparathyreoidismus wird durch angeborene Veränderungen eines bestimmten Gens verursacht, das für ein Protein kodiert, welches im gesunden Zustand für die Weiterleitung des Signals des Nebenschilddrüsenhormons innerhalb der Zielzellen unerlässlich ist, sodass die betroffenen Zellen bei einem Defekt dieses Gens das ansonsten normal vorhandene Hormon nicht mehr ausreichend wahrnehmen sowie darauf reagieren können. Die genaue Vererbung sowie das Ausmaß der Erkrankung hängen dabei in komplexer Weise davon ab, ob die veränderte Genvariante von der Mutter oder vom Vater vererbt wurde, was für die Erkrankung eine ungewöhnliche, als genomische Prägung bezeichnete Vererbungsbesonderheit darstellt. Diese besondere Vererbungsform erklärt, warum sich die Erkrankung selbst innerhalb derselben Familie mit unterschiedlicher Ausprägung zeigen kann.
Symptome
Die Symptome des Pseudohypoparathyreoidismus entsprechen weitgehend denen eines echten Nebenschilddrüsenhormonmangels und umfassen insbesondere die Symptome eines erniedrigten Kalziumspiegels im Blut, etwa Muskelkrämpfe, ein charakteristisches Kribbeln sowie in ausgeprägten Fällen Krampfanfälle. Bei einem bestimmten Untertyp der Erkrankung besteht zusätzlich ein charakteristisches äußeres Erscheinungsbild, das einen eher kleinen Wuchs, ein rundliches Gesicht, eine Verkürzung insbesondere des vierten sowie fünften Mittelhandknochens sowie kleine, unter der Haut tastbare Verkalkungen umfasst. Bei einem Teil der Betroffenen bestehen zusätzlich eine verminderte Intelligenz sowie eine gleichzeitige Unempfindlichkeit gegenüber weiteren Hormonen, insbesondere dem Schilddrüsen-stimulierenden Hormon.
Diagnostik
Die Diagnose des Pseudohypoparathyreoidismus wird durch eine Blutuntersuchung gestellt, bei der ein erniedrigter Kalziumspiegel gemeinsam mit einem erhöhten Phosphatspiegel sowie einer gleichzeitig normalen oder sogar erhöhten Konzentration des Nebenschilddrüsenhormons nachgewiesen wird, was die entscheidende Unterscheidung zu einem echten Hypoparathyreoidismus ermöglicht, bei dem das Hormon selbst erniedrigt wäre. Ein spezieller Provokationstest, bei dem den Betroffenen künstliches Nebenschilddrüsenhormon verabreicht wird, kann die fehlende oder verminderte Reaktion der Zielorgane auf das Hormon direkt nachweisen und die Diagnose zusätzlich bestätigen. Eine gezielte genetische Untersuchung ermöglicht die endgültige Bestätigung der Diagnose sowie eine genaue genetische Beratung betroffener Familien.
Behandlung
Die Behandlung des Pseudohypoparathyreoidismus zielt, da die zugrunde liegende Unempfindlichkeit der Zielorgane selbst nicht behoben werden kann, auf einen Ausgleich des gestörten Kalzium- sowie Phosphatstoffwechsels ab, wobei eine dauerhafte Behandlung mit Vitamin D sowie zusätzlichen Kalziumpräparaten die wichtigste Behandlungssäule darstellt, um den Kalziumspiegel im Blut in einem sicheren, normalen Bereich zu halten. Diese Behandlung muss in aller Regel lebenslang fortgeführt sowie regelmäßig anhand von Kontrollblutuntersuchungen angepasst werden, um sowohl einen zu niedrigen als auch einen übermäßig hohen Kalziumspiegel zu vermeiden. Bei zusätzlich bestehender Unempfindlichkeit gegenüber weiteren Hormonen wird eine gezielte Substitution der jeweils betroffenen Hormonachse ergänzend durchgeführt.
Verlauf und Prognose
Die Prognose des Pseudohypoparathyreoidismus ist bei konsequenter, lebenslanger Behandlung mit Vitamin D sowie Kalziumpräparaten gut, wobei sich die Symptome des Kalziummangels durch eine gut eingestellte Behandlung zuverlässig kontrollieren lassen. Das charakteristische äußere Erscheinungsbild sowie eine gegebenenfalls bestehende verminderte Intelligenz bei bestimmten Untertypen der Erkrankung bleiben jedoch trotz optimaler Behandlung des Kalziumstoffwechsels bestehen, da diese Merkmale durch die zugrunde liegende genetische Veränderung selbst verursacht werden. Eine regelmäßige, lebenslange endokrinologische Verlaufskontrolle wird bei bestehendem Pseudohypoparathyreoidismus dringend empfohlen, um eine stabile Kalziumeinstellung sowie eine frühzeitige Erkennung möglicher weiterer hormoneller Störungen zu gewährleisten.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Pseudohypoparathyreoidismus: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wodurch unterscheidet sich der Pseudohypoparathyreoidismus vom echten Hypoparathyreoidismus?
Beim Pseudohypoparathyreoidismus wird das Hormon normal oder sogar vermehrt produziert, die Zielorgane reagieren jedoch nicht ausreichend darauf.
Was ist die genomische Prägung bei dieser Erkrankung?
Eine Vererbungsbesonderheit, bei der das Ausmaß der Erkrankung davon abhängt, ob die veränderte Genvariante von der Mutter oder vom Vater vererbt wurde.
Welches charakteristische äußere Erscheinungsbild kann auftreten?
Ein eher kleiner Wuchs, ein rundliches Gesicht sowie eine Verkürzung insbesondere des vierten und fünften Mittelhandknochens.
Was ist die wichtigste Behandlungssäule?
Eine dauerhafte Behandlung mit Vitamin D sowie zusätzlichen Kalziumpräparaten.
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