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Hals, Nase & Ohren

Petrositis

Die Petrositis bezeichnet eine seltene, jedoch ernstzunehmende Entzündung der Felsenbeinspitze, jenes knöchernen, luftgefüllten Abschnitts des Schläfenbeins, der sich in unmittelbarer Nähe wichtiger Nerven- sowie Gefäßstrukturen an der Schädelbasis befindet, und entsteht überwiegend als Komplikation einer nicht ausreichend behandelten oder besonders aggressiv verlaufenden Mittelohrentzündung. Da sich die entzündliche Infektion bei der Petrositis ausgehend vom Mittelohr über die luftgefüllten Zellsysteme des Schläfenbeins bis in die Felsenbeinspitze fortsetzt, besteht ein erhebliches Risiko für eine Beteiligung der dort verlaufenden Hirnnerven sowie für eine weitere Ausbreitung der Infektion in Richtung der Hirnhäute, weshalb eine rechtzeitige Diagnosestellung sowie konsequente Behandlung von großer Bedeutung sind. Die Erkrankung ist seit der breiten Verfügbarkeit wirksamer Antibiotika deutlich seltener geworden, tritt jedoch weiterhin gelegentlich als schwerwiegende Komplikation einer unzureichend behandelten Mittelohrentzündung auf.

Ursachen

Die Petrositis entsteht durch die Ausbreitung einer bakteriellen Infektion vom Mittelohr über die miteinander verbundenen, luftgefüllten Zellsysteme des Schläfenbeins bis in die Felsenbeinspitze, wobei diese Ausbreitung überwiegend bei einer nicht ausreichend behandelten, besonders aggressiv verlaufenden oder chronisch bestehenden Mittelohrentzündung auftritt. Eine anatomisch besonders ausgeprägte Belüftung der Felsenbeinspitze mit zahlreichen luftgefüllten Zellsystemen begünstigt bei entsprechend veranlagten Menschen die Ausbreitung der Infektion von den Mittelohrstrukturen in diesen tiefer gelegenen Bereich des Schläfenbeins. Eine unzureichende oder verzögerte antibiotische Behandlung einer zugrunde liegenden Mittelohrentzündung stellt den wichtigsten vermeidbaren Risikofaktor für die Entstehung dieser seltenen, jedoch ernstzunehmenden Komplikation dar.

Symptome

Die Petrositis äußert sich klassischerweise durch die charakteristische Kombination aus anhaltendem Ausfluss aus dem betroffenen Ohr, tief sitzenden, oft als bohrend beschriebenen Kopf- sowie Gesichtsschmerzen im Bereich hinter dem Auge sowie einer Lähmung des für die seitliche Augenbewegung zuständigen Hirnnervs, die sich durch eine eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Auges nach außen sowie Doppelbilder äußert. Diese charakteristische Beschwerdekombination wird in der medizinischen Fachliteratur als eigenständiges Syndrom beschrieben und weist bei entsprechender Vorgeschichte einer Mittelohrentzündung deutlich auf die zugrunde liegende Petrositis hin. Begleitend bestehen bei den meisten Betroffenen zusätzlich Fieber sowie ein deutlich reduziertes Allgemeinbefinden als Ausdruck der fortgeschrittenen bakteriellen Infektion.

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Diagnostik

Die Diagnose der Petrositis wird anhand der charakteristischen Beschwerdekombination aus Ohrausfluss, tiefen Kopfschmerzen sowie einer Lähmung des für die Augenbewegung zuständigen Hirnnervs bei entsprechender Vorgeschichte einer Mittelohrentzündung nahegelegt und durch eine gezielte Bildgebung mittels Computertomografie oder Magnetresonanztomografie bestätigt, die das genaue Ausmaß der entzündlichen Veränderungen der Felsenbeinspitze sowie eine mögliche Beteiligung benachbarter Strukturen sichtbar macht. Eine Erregerbestimmung aus einem Abstrich des betroffenen Ohres unterstützt die gezielte Auswahl der antibiotischen Behandlung zusätzlich. Eine sorgfältige neurologische Untersuchung zur Erfassung des genauen Ausmaßes einer möglichen Hirnnervenbeteiligung ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik.

Behandlung

Die Behandlung der Petrositis erfordert eine unverzügliche, hochdosierte intravenöse antibiotische Behandlung, die sich gegen die häufigsten bei Mittelohrentzündungen zu erwartenden Bakterien richtet und über einen ausreichend langen Zeitraum fortgeführt wird, um die tief sitzende Infektion der Felsenbeinspitze zuverlässig zu beherrschen. Bei unzureichendem Ansprechen auf die antibiotische Behandlung oder bei bereits fortgeschrittener Erkrankung mit deutlicher Ansammlung von Eiter kann eine operative Entlastung der betroffenen, luftgefüllten Zellsysteme des Schläfenbeins notwendig werden, um den Krankheitserreger sowie das angesammelte Sekret gezielt zu entfernen. Eine begleitende Behandlung der zugrunde liegenden Mittelohrentzündung, gegebenenfalls durch eine operative Entlastung des Mittelohrs, wird als wesentlicher Bestandteil der Gesamtbehandlung durchgeführt.

Verlauf und Prognose

Die Prognose der Petrositis ist bei rechtzeitiger Diagnosestellung sowie konsequent durchgeführter antibiotischer, bei Bedarf auch operativer Behandlung bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen gut, wobei sich eine bestehende Hirnnervenlähmung nach erfolgreicher Behandlung der zugrunde liegenden Infektion bei vielen Betroffenen im Verlauf mehrerer Wochen bis Monate zurückbildet. Eine verzögerte oder unzureichende Behandlung birgt jedoch das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Infektion in Richtung der Hirnhäute oder des Gehirns, was mit einer erheblich ernsteren Prognose verbunden ist. Eine engmaschige Verlaufskontrolle während sowie nach Abschluss der Behandlung wird empfohlen, um den Behandlungserfolg zu sichern sowie eine mögliche bleibende neurologische Beeinträchtigung frühzeitig zu erfassen.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Wodurch entsteht die Petrositis meist?

Als Komplikation einer nicht ausreichend behandelten oder besonders aggressiv verlaufenden Mittelohrentzündung.

Welche charakteristische Beschwerdekombination kennzeichnet die Erkrankung?

Ohrausfluss, tief sitzende Kopfschmerzen sowie eine Lähmung des für die seitliche Augenbewegung zuständigen Hirnnervs.

Wie wird die Erkrankung in erster Linie behandelt?

Mit einer unverzüglichen, hochdosierten intravenösen antibiotischen Behandlung über einen ausreichend langen Zeitraum.

Bildet sich eine bestehende Hirnnervenlähmung zurück?

Bei vielen Betroffenen ja, nach erfolgreicher Behandlung im Verlauf mehrerer Wochen bis Monate.

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