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Hals, Nase & Ohren

Otorrhoe (Ohrausfluss)

Otorrhoe bezeichnet den Austritt von Flüssigkeit aus dem äußeren Gehörgang und ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom, das im Rahmen ganz unterschiedlicher Erkrankungen des Ohres auftreten kann. Die Beschaffenheit des Ausflusses gibt oft bereits wichtige Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache: Ein wässriges, klares Sekret kann etwa auf eine Gehörgangsekzem oder, in seltenen, aber ernsten Fällen nach einem Schädeltrauma, auf einen Austritt von Hirnwasser hindeuten, während ein eitriges, übelriechendes Sekret typischerweise für eine bakterielle Infektion des Mittel- oder äußeren Ohres spricht. Am häufigsten liegt einer Otorrhoe eine Entzündung des äußeren Gehörgangs oder eine durchgebrochene Mittelohrentzündung mit Trommelfellperforation zugrunde. Da ein anhaltender oder blutiger Ohrausfluss auch Zeichen einer ernsteren Erkrankung sein kann, sollte er bei fehlender rascher Besserung stets ärztlich abgeklärt werden.

Ursachen

Die häufigste Ursache eines eitrigen Ohrausflusses ist eine akute Mittelohrentzündung, bei der sich Eiter im Mittelohr ansammelt und über eine spontan entstandene kleine Öffnung im Trommelfell nach außen abfließt, was in der Regel mit einer raschen Schmerzlinderung einhergeht. Eine weitere häufige Ursache ist die Entzündung des äußeren Gehörgangs, etwa durch Bakterien oder Pilze, die häufig nach häufigem Baden, dem Tragen von Hörgeräten oder Kopfhörern oder durch Verletzungen der Gehörgangshaut, beispielsweise durch Wattestäbchen, begünstigt wird. Bei chronischer Mittelohrentzündung mit dauerhafter Trommelfellperforation oder einem Cholesteatom kann ein wiederkehrender, häufig übelriechender Ausfluss bestehen. Seltener, aber ernst zu nehmen, ist ein klarer, wässriger Ausfluss nach einem Kopftrauma, der auf eine Verletzung der Schädelbasis mit Austritt von Hirnwasser hindeuten kann. Auch ein im Gehörgang eingeklemmter Fremdkörper kann bei Kindern zu Ohrausfluss führen.

Symptome

Die begleitenden Beschwerden hängen stark von der zugrunde liegenden Ursache ab. Bei einer durchgebrochenen akuten Mittelohrentzündung geht der eitrige Ausfluss häufig mit einer deutlichen Schmerzlinderung einher, da sich der zuvor aufgebaute Druck im Mittelohr entlädt, wobei zuvor meist starke, pochende Ohrenschmerzen und Fieber bestanden. Bei einer Gehörgangsentzündung stehen häufig Juckreiz, ein Druckschmerz beim Ziehen an der Ohrmuschel sowie eine Schwellung des Gehörgangs im Vordergrund, begleitet von einem eher dünnflüssigen bis eitrigen Sekret. Chronische Formen mit Trommelfellperforation zeigen oft einen wiederkehrenden, teils übelriechenden Ausfluss ohne wesentliche Schmerzen. Ein klarer, wässriger Ausfluss nach einem Kopftrauma, besonders wenn er sich verstärkt, wenn der Kopf nach vorne geneigt wird, ist ein Alarmzeichen und erfordert eine sofortige ärztliche Abklärung, da dahinter eine Schädelbasisverletzung stecken kann.

Diagnostik

Die Abklärung beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, die unter anderem Beginn, Dauer und Beschaffenheit des Ausflusses, begleitende Schmerzen sowie mögliche vorangegangene Verletzungen oder Infekte erfasst. Die otoskopische Untersuchung des Gehörgangs und des Trommelfells erlaubt in vielen Fällen bereits eine Einordnung der Ursache, etwa den Nachweis einer Trommelfellperforation, einer Gehörgangsentzündung oder eines Fremdkörpers. Bei Verdacht auf eine bakterielle Ursache kann ein Abstrich des Sekrets zur gezielten Erregerbestimmung sinnvoll sein, insbesondere wenn eine übliche Behandlung nicht anschlägt. Bei Verdacht auf eine chronische Mittelohrentzündung mit Cholesteatom oder bei Hinweisen auf eine Schädelbasisverletzung wird ergänzend eine bildgebende Untersuchung, meist eine Computertomographie des Felsenbeins, veranlasst. Bei Verdacht auf Hirnwasseraustritt kann eine spezielle laborchemische Untersuchung des Sekrets zur Bestätigung durchgeführt werden.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einer akuten Mittelohrentzündung mit spontaner Trommelfellperforation heilt die kleine Öffnung in aller Regel innerhalb weniger Wochen von selbst, während eine begleitende antibiotische Behandlung je nach Schweregrad erwogen wird. Bei einer Gehörgangsentzündung kommen meist antibiotische oder antimykotische Ohrentropfen zum Einsatz, kombiniert mit einer sorgfältigen Reinigung des Gehörgangs durch eine Fachperson und der Vermeidung von Wasser im Ohr während der Heilungsphase. Chronische Formen mit dauerhafter Trommelfellperforation oder Cholesteatom erfordern häufig eine operative Sanierung, um wiederkehrende Infekte und eine fortschreitende Schädigung des Mittel- und Innenohres zu verhindern. Bei Verdacht auf einen Austritt von Hirnwasser nach einem Trauma ist eine sofortige neurochirurgische beziehungsweise HNO-ärztliche Notfallabklärung und -behandlung erforderlich.

Verlauf und Prognose

Die meisten Formen der Otorrhoe, insbesondere im Rahmen einer akuten Mittelohr- oder Gehörgangsentzündung, heilen mit angemessener Behandlung innerhalb weniger Tage bis Wochen folgenlos aus. Chronische Verlaufsformen mit dauerhafter Trommelfellperforation oder Cholesteatom neigen ohne operative Behandlung zu wiederkehrenden Episoden und können auf Dauer zu einer fortschreitenden Hörminderung führen. Ein klarer Ausfluss nach einem Kopftrauma erfordert eine rasche fachärztliche Einschätzung, da eine zugrunde liegende Schädelbasisverletzung unbehandelt ein erhöhtes Risiko für eine Hirnhautentzündung birgt. Insgesamt ist die Prognose der weitaus meisten Ursachen einer Otorrhoe bei rechtzeitiger und angemessener Behandlung gut, wobei bei anhaltendem oder wiederkehrendem Ausfluss stets eine gründliche Ursachenabklärung angeraten ist.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Ist eitriger Ohrausfluss immer ein Zeichen einer schweren Erkrankung?

Nicht zwingend. Häufig zeigt eitriger Ausfluss, dass sich bei einer akuten Mittelohrentzündung der Druck im Mittelohr über eine kleine Trommelfellöffnung entladen hat, was oft sogar mit einer Schmerzlinderung einhergeht. Dennoch sollte der Ausfluss ärztlich abgeklärt werden.

Wann ist wässriger Ohrausfluss besonders alarmierend?

Insbesondere nach einem Kopftrauma, da ein klarer, wässriger Ausfluss auf eine Verletzung der Schädelbasis mit Austritt von Hirnwasser hindeuten kann. In diesem Fall ist eine sofortige ärztliche Notfallabklärung notwendig.

Warum sollte man kein Wasser ins Ohr lassen, wenn Ausfluss besteht?

Weil Feuchtigkeit im Gehörgang eine bestehende Entzündung verschlimmern und die Heilung einer Trommelfellperforation verzögern kann. Ärztlich wird daher häufig empfohlen, das Ohr während der Behandlung trocken zu halten.

Muss chronischer Ohrausfluss operativ behandelt werden?

Häufig ja, insbesondere wenn eine dauerhafte Trommelfellperforation oder ein Cholesteatom zugrunde liegt, da diese ohne operative Sanierung zu wiederkehrenden Infekten und einer fortschreitenden Hörminderung führen können.

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