Lepra (Aussatz)
Die Lepra, im deutschen Sprachraum traditionell auch als Aussatz bezeichnet, ist eine chronische Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Mycobacterium leprae verursacht wird und vor allem die Haut, die peripheren Nerven sowie die Schleimhäute der oberen Atemwege befällt. Die Erkrankung entwickelt sich außerordentlich langsam, mit einer Zeitspanne zwischen Ansteckung und ersten Symptomen von häufig mehreren Jahren, und war über Jahrhunderte mit einer erheblichen gesellschaftlichen Stigmatisierung verbunden, obwohl sie tatsächlich nur schwach ansteckend ist und bei einer intakten Immunabwehr der überwiegenden Mehrheit der Menschen gar nicht erst zum Ausbruch kommt. Dank einer wirksamen, mehrmonatigen antibiotischen Kombinationsbehandlung ist die Lepra heute in den meisten Fällen gut heilbar, sofern sie rechtzeitig erkannt wird.
Ursachen
Die Lepra wird durch das Bakterium Mycobacterium leprae verursacht, das hauptsächlich über einen engen, längeren Kontakt zu einer unbehandelten, ansteckenden erkrankten Person, vermutlich über Tröpfcheninfektion der Atemwege, übertragen wird. Trotz dieses Übertragungsweges ist die Lepra insgesamt nur schwach ansteckend, da die überwiegende Mehrheit der Menschen über eine natürliche Widerstandsfähigkeit gegen den Erreger verfügt, sodass selbst nach Kontakt mit einer erkrankten Person meist keine Infektion entsteht. Ob und in welcher Form eine Erkrankung nach einer Ansteckung ausbricht, hängt wesentlich von der individuellen Immunabwehr der betroffenen Person ab, wobei sich zwei Hauptformen der Erkrankung mit unterschiedlichem Ausmaß der Immunreaktion unterscheiden lassen.
Symptome
Die Lepra äußert sich vor allem durch charakteristische Hautveränderungen, die sich als helle oder gerötete, oft gefühllose Flecken auf der Haut zeigen, sowie durch eine Schädigung der peripheren Nerven, die zu einer verminderten Empfindung, insbesondere gegenüber Temperatur und Schmerz, in den betroffenen Hautbereichen führt. Diese verminderte Schmerzwahrnehmung ist bedeutsam, da sie dazu führen kann, dass Verletzungen an Händen und Füßen unbemerkt bleiben und sich dadurch unbehandelt verschlimmern können. Bei einer ausgeprägteren Form der Erkrankung kann es zu einer fortschreitenden Schädigung mehrerer Nerven mit zunehmender Muskelschwäche sowie zu Verformungen von Händen und Füßen kommen. Eine Beteiligung der Nasenschleimhaut kann zu einer chronischen verstopften Nase führen.
Diagnostik
Die Diagnose der Lepra wird durch eine sorgfältige klinische Untersuchung gestellt, bei der die charakteristischen Hautveränderungen sowie eine begleitende Gefühlsstörung in den betroffenen Hautarealen sowie eine mögliche Verdickung der oberflächlich tastbaren Nerven erfasst werden. Eine Hautbiopsie mit feingeweblicher Untersuchung sowie einem direkten Nachweis der Erreger kann die Diagnose bestätigen. Eine elektrophysiologische Untersuchung der Nerven kann das Ausmaß einer bereits eingetretenen Nervenschädigung objektivieren. Da die Erkrankung sich außerordentlich langsam entwickelt und die ersten Symptome unspezifisch sein können, wird die Diagnose insbesondere in Regionen ohne verbreitetes Vorkommen der Erkrankung mitunter erst mit einer gewissen Verzögerung gestellt.
Behandlung
Die Behandlung der Lepra erfolgt mit einer Kombination mehrerer Antibiotika, die über einen Zeitraum von mehreren Monaten bis zu einem Jahr eingenommen werden müssen, um den Erreger zuverlässig zu eliminieren und ein Wiederaufflammen der Erkrankung zu verhindern. Diese Kombinationsbehandlung ist sehr wirksam und wird von der Weltgesundheitsorganisation kostenfrei zur Verfügung gestellt, um die weltweite Bekämpfung der Erkrankung zu unterstützen. Bereits nach den ersten Tagen der Behandlung ist die betroffene Person nicht mehr ansteckend. Begleitend ist eine sorgfältige Pflege betroffener, gefühlloser Hautareale wichtig, um unbemerkte Verletzungen frühzeitig zu erkennen und deren Folgeschäden zu vermeiden. Bei bereits eingetretenen Nervenschäden oder Verformungen kann eine physiotherapeutische sowie in bestimmten Fällen eine operative Behandlung sinnvoll sein.
Verlauf und Prognose
Bei rechtzeitiger Diagnose und konsequenter, vollständiger Durchführung der antibiotischen Kombinationsbehandlung ist die Lepra heute in den meisten Fällen gut heilbar, wobei die Erreger zuverlässig eliminiert werden können. Bereits eingetretene Nervenschäden, insbesondere eine bereits bestehende Gefühlsstörung, bilden sich jedoch häufig nicht vollständig zurück, weshalb eine möglichst frühzeitige Diagnose und Behandlung von großer Bedeutung ist, um bleibende Schäden zu vermeiden. Bei sehr später Diagnose können dauerhafte Verformungen von Händen und Füßen sowie chronische Verletzungsfolgen bestehen bleiben, die eine langfristige Betreuung und Rehabilitation erfordern. Dank verbesserter Behandlungsmöglichkeiten sowie internationaler Bekämpfungsprogramme ist die Häufigkeit der Erkrankung weltweit in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Lepra (Aussatz): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist Lepra hoch ansteckend?
Nein, die Erkrankung ist insgesamt nur schwach ansteckend, da die überwiegende Mehrheit der Menschen über eine natürliche Widerstandsfähigkeit gegen den Erreger verfügt und selbst nach Kontakt mit einer erkrankten Person meist keine Infektion entsteht.
Warum ist die verminderte Schmerzwahrnehmung bei Lepra gefährlich?
Weil sie dazu führen kann, dass Verletzungen an Händen und Füßen unbemerkt bleiben und sich dadurch unbehandelt verschlimmern können, was zu zusätzlichen Schäden führen kann.
Wie lange dauert die Behandlung der Lepra?
Die antibiotische Kombinationsbehandlung wird über einen Zeitraum von mehreren Monaten bis zu einem Jahr durchgeführt, um den Erreger zuverlässig zu eliminieren und ein Wiederaufflammen der Erkrankung zu verhindern.
Wann ist eine an Lepra erkrankte Person nicht mehr ansteckend?
Bereits nach den ersten Tagen der antibiotischen Behandlung ist die betroffene Person nicht mehr ansteckend, auch wenn die vollständige Behandlung noch über einen deutlich längeren Zeitraum fortgeführt werden muss.
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