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Allergie & Stoffwechsel

Kwashiorkor

Kwashiorkor ist eine schwere Form der Mangelernährung, die durch einen ausgeprägten Mangel an Eiweiß bei gleichzeitig meist noch ausreichender Kalorienzufuhr entsteht und vor allem Kleinkinder in Regionen mit unzureichender Ernährungssituation betrifft. Der Name stammt aus einer westafrikanischen Sprache und bedeutet sinngemäß die Krankheit des verdrängten Kindes, da sie klassischerweise auftritt, wenn ein Kind nach der Geburt eines jüngeren Geschwisterkindes abgestillt und auf eine eiweißarme, meist stärkelastige Ernährung umgestellt wird. Charakteristisch für Kwashiorkor sind, im Unterschied zu anderen Formen schwerer Mangelernährung, ausgeprägte Wassereinlagerungen im Gewebe, die dem betroffenen Kind trotz erheblicher Unterernährung ein aufgedunsenes Erscheinungsbild verleihen können, insbesondere im Bauchbereich. Ohne rechtzeitige Behandlung verläuft Kwashiorkor häufig lebensbedrohlich, während sich mit gezielter ernährungsmedizinischer Betreuung bei vielen Kindern eine gute Erholung erzielen lässt.

Ursachen

Grundlage der Erkrankung ist eine über einen längeren Zeitraum unzureichende Zufuhr von Eiweiß, häufig in Kombination mit einer relativ eiweißarmen, aber energiereichen, stärkelastigen Ernährung, wie sie in manchen Regionen mit unzureichender Nahrungsmittelvielfalt üblich ist. Klassischerweise entwickelt sich Kwashiorkor bei Kleinkindern, die nach der Geburt eines Geschwisterkindes abgestillt werden und danach überwiegend stärkehaltige, aber eiweißarme Beikost erhalten, ohne dass diese durch eiweißreiche Nahrungsmittel wie Milch, Fleisch, Fisch oder Hülsenfrüchte ausreichend ergänzt wird. Begünstigende Faktoren sind zudem häufige Infektionskrankheiten, insbesondere Durchfallerkrankungen, die den Nährstoffbedarf zusätzlich erhöhen und gleichzeitig die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen können, sowie eine allgemein unzureichende Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln in Krisen- oder Armutsregionen. Auch chronische Erkrankungen, die den Eiweißbedarf erhöhen oder die Eiweißaufnahme beeinträchtigen, können zur Entstehung beitragen.

Symptome

Das auffälligste Merkmal von Kwashiorkor sind ausgeprägte Wassereinlagerungen (Ödeme), die häufig zuerst an den Beinen und im Gesicht auftreten und sich im Verlauf über den ganzen Körper ausbreiten können, was betroffenen Kindern trotz erheblicher Unterernährung ein aufgedunsenes Erscheinungsbild verleiht. Der Bauch ist oft deutlich vorgewölbt, teils bedingt durch Wassereinlagerungen im Bauchraum, teils durch eine vergrößerte, fettig veränderte Leber. Die Haut zeigt häufig charakteristische Veränderungen mit schuppenden, teils entzündeten Stellen sowie einer veränderten Pigmentierung, während die Haare dünner, brüchig und in ihrer Farbe aufgehellt sein können. Betroffene Kinder wirken oft apathisch, verlieren das Interesse an ihrer Umgebung und zeigen eine ausgeprägte Muskelschwäche. Aufgrund des stark geschwächten Immunsystems sind Infektionen häufig und können schwerer verlaufen als bei ausreichend ernährten Kindern.

Diagnostik

Die Diagnose wird in erster Linie klinisch anhand des charakteristischen Erscheinungsbildes mit Wassereinlagerungen, Hautveränderungen und Haarveränderungen bei gleichzeitiger Mangelernährung gestellt. Eine sorgfältige Ernährungsanamnese, die die Zusammensetzung der bisherigen Nahrung sowie den Zeitpunkt und die Umstände des Abstillens erfasst, liefert wichtige Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache. Blutuntersuchungen zeigen typischerweise erniedrigte Eiweißwerte, insbesondere ein erniedrigtes Albumin, sowie häufig Veränderungen des Elektrolythaushaltes und eine Blutarmut. Zur vollständigen Beurteilung des Ernährungszustandes werden zudem Körpergewicht und -größe im Verhältnis zum Alter erfasst, wobei bei Kwashiorkor das Körpergewicht aufgrund der Wassereinlagerungen den tatsächlichen Grad der Mangelernährung mitunter unterschätzen kann. Eine Abklärung auf begleitende Infektionen, insbesondere Durchfallerkrankungen und Parasitosen, ist wichtiger Bestandteil der Diagnostik.

Behandlung

Die Behandlung erfolgt idealerweise stationär unter engmaschiger medizinischer Überwachung und erfolgt in mehreren, sorgfältig gesteuerten Phasen: Zunächst werden akute, lebensbedrohliche Begleitprobleme wie Infektionen, ein gestörter Elektrolythaushalt oder eine Unterzuckerung behandelt, während der eigentliche Ernährungsaufbau bewusst langsam und behutsam erfolgt, da eine zu rasche Zufuhr von Nährstoffen bei stark mangelernährten Kindern gefährliche Stoffwechselentgleisungen auslösen kann, ein Phänomen, das als Refeeding-Syndrom bekannt ist. Im weiteren Verlauf wird die Nahrung schrittweise gesteigert, wobei zunehmend eiweißreiche, gut verträgliche Nahrungsmittel eingesetzt werden, ergänzt durch die Zufuhr fehlender Vitamine und Spurenelemente. Begleitende Infektionen werden gezielt behandelt, da diese den Behandlungserfolg erheblich beeinträchtigen können. Eine langfristige ernährungsmedizinische Begleitung sowie die Aufklärung der Familie über eine ausgewogene Ernährung sind wichtige Bestandteile der Nachsorge.

Verlauf und Prognose

Mit rechtzeitiger und fachgerechter Behandlung erholen sich viele Kinder von Kwashiorkor gut, wobei die körperliche Erholung meist rascher erfolgt als eine mögliche Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung, die insbesondere bei länger andauernder oder besonders schwerer Mangelernährung auftreten kann. Unbehandelt verläuft Kwashiorkor häufig lebensbedrohlich, insbesondere in Kombination mit Infektionen, die bei geschwächtem Immunsystem schwerer verlaufen und zu den häufigsten Todesursachen bei betroffenen Kindern zählen. Je jünger das betroffene Kind und je länger die Mangelernährung unbehandelt bestand, desto höher ist das Risiko für bleibende Entwicklungsverzögerungen. Eine gute, langfristige ernährungsmedizinische Nachsorge sowie Maßnahmen zur Verbesserung der allgemeinen Ernährungssituation der Familie sind entscheidend, um ein erneutes Auftreten zu verhindern und die bestmögliche langfristige Entwicklung des Kindes zu ermöglichen.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Was unterscheidet Kwashiorkor von anderen Formen der Mangelernährung?

Charakteristisch für Kwashiorkor sind ausgeprägte Wassereinlagerungen im Gewebe, die betroffenen Kindern trotz erheblicher Unterernährung ein aufgedunsenes Erscheinungsbild verleihen, während andere Formen wie der Marasmus vor allem durch starkes Abmagern gekennzeichnet sind.

Warum wird die Ernährung bei der Behandlung so langsam gesteigert?

Weil eine zu rasche Zufuhr von Nährstoffen bei stark mangelernährten Kindern gefährliche Stoffwechselentgleisungen auslösen kann, das sogenannte Refeeding-Syndrom. Der Ernährungsaufbau erfolgt daher bewusst schrittweise unter medizinischer Überwachung.

Kann sich ein Kind von Kwashiorkor vollständig erholen?

Bei rechtzeitiger Behandlung erholt sich die körperliche Entwicklung meist gut, während bei länger andauernder oder besonders schwerer Mangelernährung ein Risiko für bleibende Beeinträchtigungen der geistigen Entwicklung bestehen kann.

Warum sind von Kwashiorkor betroffene Kinder besonders infektanfällig?

Weil der ausgeprägte Eiweißmangel das Immunsystem erheblich schwächt, wodurch Infektionen häufiger auftreten und schwerer verlaufen können, was zu den häufigsten Todesursachen bei unbehandelter Erkrankung zählt.

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