Infantile Hämangiome im Säuglings- und Kleinkindesalter
Infantile Hämangiome sind die häufigsten gutartigen Gefäßtumoren des Säuglings- und Kleinkindesalters und entstehen durch eine übermäßige, jedoch gutartige Vermehrung von Blutgefäßzellen der Haut oder, seltener, innerer Organe. Sie sind bei der Geburt meist noch nicht oder nur als blasse, kaum sichtbare Vorläuferläsion vorhanden, zeigen dann jedoch in den ersten Lebenswochen und -monaten ein charakteristisches, rasches Wachstum, bevor sie sich im weiteren Verlauf der Kindheit meist von selbst allmählich zurückbilden. Diese typische, in mehreren Phasen verlaufende Entwicklung unterscheidet infantile Hämangiome deutlich von anderen, angeborenen Gefäßfehlbildungen, die bereits bei der Geburt in voller Ausprägung vorhanden sind und sich im Wachstum proportional zum übrigen Körper des Kindes entwickeln, ohne die für Hämangiome typische Wachstums- und Rückbildungsphase.
Ursachen
Die genaue Ursache der Entstehung infantiler Hämangiome ist nicht abschließend geklärt, es wird jedoch eine fehlgeleitete Vermehrung unreifer Blutgefäßzellen während der frühen Entwicklung angenommen, die durch verschiedene begünstigende Faktoren beeinflusst wird. Frühgeburtlichkeit sowie ein niedriges Geburtsgewicht stellen bedeutsame Risikofaktoren dar, ebenso wie das weibliche Geschlecht, da Mädchen deutlich häufiger betroffen sind als Jungen. Mehrlingsschwangerschaften sowie ein höheres mütterliches Alter bei der Geburt werden ebenfalls mit einem erhöhten Auftreten infantiler Hämangiome in Verbindung gebracht. Eine erbliche Komponente wird diskutiert, da eine familiäre Häufung gelegentlich beobachtet wird, ein eindeutiger Erbgang ist jedoch nicht belegt.
Symptome
Infantile Hämangiome durchlaufen einen charakteristischen, in mehrere Phasen gegliederten Verlauf. In den ersten Lebenstagen bis Wochen zeigt sich häufig zunächst nur eine blasse oder leicht gerötete, unscheinbare Hautveränderung, die als Vorläuferläsion bezeichnet wird. Im Anschluss folgt eine rasche Wachstumsphase, die typischerweise bis etwa zum fünften Lebensmonat andauert und in der sich das Hämangiom zu einer deutlich erhabenen, leuchtend roten, bei tieferliegender Lage auch bläulich durchschimmernden Gewebeneubildung entwickelt. Nach Abschluss der Wachstumsphase beginnt eine allmähliche Rückbildungsphase, die sich über mehrere Jahre erstrecken kann, in der sich die Farbe zunehmend aufhellt und die Erhabenheit des Hämangioms abflacht. Je nach Lokalisation können Hämangiome, insbesondere im Bereich der Augen, der Atemwege oder des Genitalbereichs, funktionell bedeutsame Beeinträchtigungen verursachen.
Diagnostik
Die Diagnose eines infantilen Hämangioms wird in den allermeisten Fällen bereits durch die klinische Untersuchung anhand des charakteristischen Erscheinungsbildes sowie des typischen Verlaufsmusters mit Wachstums- und anschließender Rückbildungsphase gestellt, ohne dass eine weiterführende Diagnostik notwendig ist. Bei untypischem Erscheinungsbild, ungewöhnlich tiefer Lage oder Verdacht auf eine Beteiligung innerer Organe wird eine Ultraschalluntersuchung zur genaueren Beurteilung der Ausdehnung sowie der Durchblutung eingesetzt. Bei zahlreichen, über den gesamten Körper verteilten Hämangiomen wird zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung der Leber empfohlen, da in dieser Konstellation gehäuft auch innere Hämangiome auftreten können. Bei Hämangiomen im Bereich des Gesichts entlang bestimmter, charakteristischer Verteilungsmuster wird eine weiterführende Bildgebung des Gehirns sowie der großen Blutgefäße empfohlen, um seltene begleitende Fehlbildungen auszuschließen.
Behandlung
Die überwiegende Mehrheit der infantilen Hämangiome benötigt aufgrund ihrer guten Selbstheilungstendenz keine spezifische Behandlung, sondern lediglich eine regelmäßige Verlaufsbeobachtung, um das erwartungsgemäße Wachstums- und Rückbildungsmuster zu bestätigen. Bei Hämangiomen, die aufgrund ihrer Lage, Größe oder ihres besonders raschen Wachstums funktionell bedeutsame Strukturen wie die Augen, die Atemwege oder den Genitalbereich beeinträchtigen oder zu beeinträchtigen drohen, sowie bei ausgedehnten, kosmetisch belastenden Hämangiomen im Gesichtsbereich, kommt eine medikamentöse Behandlung mit einem Betablocker zum Einsatz, der das Wachstum der Gefäßneubildung wirksam bremst und die Rückbildung beschleunigt. Diese Behandlung wird über mehrere Monate fortgeführt und unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle angepasst. In selteneren Fällen mit unzureichendem Ansprechen kann eine ergänzende Lasertherapie oder, sehr selten, eine operative Entfernung notwendig werden.
Verlauf und Prognose
Die Prognose infantiler Hämangiome ist überwiegend sehr gut, da sich die weitaus meisten im Laufe der Kindheit vollständig oder nahezu vollständig von selbst zurückbilden, wobei ein Großteil der Rückbildung bereits bis zum vierten Lebensjahr erfolgt ist. Bei einem Teil der Kinder bleiben nach vollständiger Rückbildung geringfügige Veränderungen der Haut wie eine leichte Fältelung oder eine restliche Gefäßzeichnung zurück, die kosmetisch meist wenig belastend sind. Bei Hämangiomen mit funktionell bedeutsamer Lage, etwa im Augenbereich, ist eine frühzeitige Behandlung wichtig, um eine dauerhafte Beeinträchtigung der Entwicklung, etwa des Sehvermögens, zu verhindern. Eine regelmäßige kinderärztliche Verlaufsbeobachtung während der gesamten Wachstums- und Rückbildungsphase wird für alle betroffenen Kinder empfohlen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Infantile Hämangiome im Säuglings- und Kleinkindesalter: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Sind infantile Hämangiome bei der Geburt bereits sichtbar?
Meist nicht in voller Ausprägung, oft zeigt sich zunächst nur eine blasse, unscheinbare Vorläuferläsion, bevor das typische Wachstum in den ersten Lebenswochen einsetzt.
Bilden sich Hämangiome von selbst zurück?
Ja, die weitaus meisten bilden sich im Laufe der Kindheit vollständig oder nahezu vollständig von selbst zurück.
Wann ist eine medikamentöse Behandlung notwendig?
Bei Hämangiomen, die funktionell bedeutsame Strukturen wie Augen oder Atemwege beeinträchtigen oder zu beeinträchtigen drohen, sowie bei ausgedehnten, belastenden Befunden.
Welches Medikament wird zur Behandlung eingesetzt?
Ein Betablocker, der das Wachstum der Gefäßneubildung bremst und die Rückbildung beschleunigt.
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