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Nervensystem & Gehirn

Hirnabszess

Ein Hirnabszess ist eine umschriebene, von einer Kapsel umgebene Eiteransammlung im Gehirngewebe, verursacht durch eine bakterielle oder, seltener, pilzbedingte Infektion. Er ist eine seltene, aber ernste Erkrankung, die durch die Raumforderung im geschlossenen Schädel und die zugrunde liegende Infektion rasch lebensbedrohlich werden kann. Eine zügige Diagnose und Behandlung sind entscheidend für den Ausgang.

Ursachen

Erreger können auf drei Wegen ins Gehirn gelangen: durch direkte Ausbreitung von einer benachbarten Infektion, etwa einer Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündung, durch Verschleppung über die Blutbahn von einem entfernten Infektionsherd, beispielsweise bei einer Herzklappenentzündung, oder durch direkten Eintritt nach einer Kopfverletzung oder neurochirurgischen Operation. Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind zusätzlich durch seltenere Erreger wie bestimmte Pilze gefährdet.

Symptome

Die Beschwerden entwickeln sich meist über Tage bis wenige Wochen und hängen stark von Größe und Lage des Abszesses ab. Häufig sind Kopfschmerzen, die sich zunehmend verschlimmern, sowie neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen, je nachdem welche Hirnregion betroffen ist. Fieber fehlt bei einem erheblichen Teil der Betroffenen. Ein epileptischer Anfall kann das erste auffällige Zeichen sein. Bei zunehmendem Druck im Schädel können Übelkeit, Erbrechen und eine Bewusstseinstrübung hinzukommen.

Diagnostik

Eine Magnetresonanztomografie oder Computertomografie des Gehirns zeigt den Abszess mit seiner typischen kapselartigen Struktur und ermöglicht die Beurteilung von Größe und Lage. Zur Identifikation des auslösenden Erregers wird häufig eine gezielte, bildgesteuerte Punktion des Abszesses durchgeführt, deren Inhalt mikrobiologisch untersucht wird. Eine Lumbalpunktion zur Gewinnung von Nervenwasser wird bei Verdacht auf einen Hirnabszess wegen des Risikos einer gefährlichen Drucksteigerung meist vermieden.

Behandlung

Die Behandlung kombiniert eine mehrwöchige, hochdosierte intravenöse Antibiotikatherapie mit einer möglichst gezielten operativen Entlastung, meist durch eine bildgesteuerte Punktion und Absaugung des Eiters. Bei sehr kleinen Abszessen kann in ausgewählten Fällen eine alleinige Antibiotikabehandlung ausreichend sein. Begleitend werden erhöhter Hirndruck und, bei Auftreten, epileptische Anfälle gezielt mitbehandelt. Die zugrunde liegende Infektionsquelle, etwa eine Nasennebenhöhlenentzündung, muss ebenfalls behandelt werden, um einen Rückfall zu verhindern.

Verlauf und Prognose

Mit rechtzeitiger, konsequenter Behandlung überleben die meisten Betroffenen, wobei ein Teil bleibende neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder eine Epilepsie zurückbehält. Verzögerte Diagnose oder Behandlung erhöht das Risiko für schwere Komplikationen wie einen lebensbedrohlichen Druckanstieg im Schädel oder einen Durchbruch des Abszesses in die Hirnhäute deutlich. Regelmäßige bildgebende Verlaufskontrollen während der Behandlung stellen sicher, dass der Abszess sich zurückbildet.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum fehlt bei einem Hirnabszess oft das Fieber?

Die abkapselnde Struktur des Abszesses kann die Ausbreitung der Entzündungsreaktion begrenzen, weshalb systemische Zeichen wie Fieber nicht immer deutlich ausgeprägt sind.

Ist eine Operation immer notwendig?

Nicht immer, bei sehr kleinen Abszessen kann in ausgewählten Fällen eine alleinige, ausreichend lange Antibiotikatherapie genügen, meist wird jedoch eine Kombination aus beidem gewählt.

Kann ein Hirnabszess von einer Zahn- oder Nasennebenhöhlenentzündung ausgehen?

Ja, eine benachbarte Infektion wie eine chronische Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündung zählt zu den häufigsten Ausgangspunkten.

Bleiben nach der Behandlung Schäden zurück?

Bei einem Teil der Betroffenen ja, insbesondere wenn die Behandlung verzögert begonnen wurde oder der Abszess in einer funktionell wichtigen Hirnregion lag.

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