Hereditäre Sphärozytose
Die hereditäre Sphärozytose ist eine erbliche Erkrankung der roten Blutkörperchen, bei der ein Defekt bestimmter Strukturproteine der Zellmembran dazu führt, dass die normalerweise scheibenförmigen Erythrozyten eine kugelige, sogenannte sphärozytäre Form annehmen. Diese veränderte Zellform macht die roten Blutkörperchen weniger verformbar und weniger widerstandsfähig, wodurch sie bei der Passage durch die feinen Blutgefäße der Milz vorzeitig erkannt und abgebaut werden. Die Erkrankung zählt zu den häufigsten erblichen Ursachen einer hämolytischen Anämie in Nord- und Mitteleuropa und weist ein sehr unterschiedliches Ausmaß auf, das von einer milden, kaum bemerkbaren Verlaufsform bis zu einer schweren, transfusionsbedürftigen Anämie reichen kann, abhängig davon, welches der beteiligten Membranproteine betroffen ist und wie stark dessen Funktion eingeschränkt wird.
Ursachen
Die hereditäre Sphärozytose entsteht durch Veränderungen in Genen, die für verschiedene Strukturproteine der Zellmembran roter Blutkörperchen kodieren, insbesondere für Ankyrin, Spektrin, Bande 3 oder Protein 4.2, die gemeinsam das Membranskelett bilden und der Zelle ihre normale, flexible Scheibenform verleihen. Ist eines dieser Proteine in seiner Menge vermindert oder in seiner Funktion eingeschränkt, verliert die Zellmembran zunehmend an Fläche, wodurch sich die roten Blutkörperchen zu einer kugeligen Form verformen. Die Erkrankung wird in der Mehrzahl der Fälle autosomal-dominant vererbt, sodass ein betroffener Elternteil das Risiko an etwa die Hälfte seiner Kinder weitergibt, wobei ein kleinerer Teil der Fälle auch autosomal-rezessiv vererbt wird oder durch eine spontan neu aufgetretene genetische Veränderung entsteht.
Symptome
Das klinische Erscheinungsbild der hereditären Sphärozytose reicht von einer milden, oft erst zufällig entdeckten Form bis zu einer ausgeprägten, bereits im Säuglingsalter auffälligen Erkrankung. Die charakteristische Symptomtrias umfasst eine blasse Hautfarbe durch die bestehende Blutarmut, eine Gelbfärbung von Haut und Augen durch den vermehrten Anfall des Abbauprodukts Bilirubin sowie eine tastbare Vergrößerung der Milz, die durch den dort stattfindenden vermehrten Abbau der veränderten roten Blutkörperchen entsteht. Betroffene neigen zudem zur Bildung von Gallensteinen aus Bilirubin bereits in jungem Alter, da die erhöhte Bilirubinausscheidung über die Galle die Steinbildung begünstigt. Im Rahmen bestimmter Virusinfektionen, insbesondere einer Infektion mit dem Parvovirus B19, kann es zu einer vorübergehenden, aber bedrohlichen Unterbrechung der Blutbildung im Knochenmark kommen, die zu einer plötzlichen, deutlichen Verschlechterung der Anämie führt.
Diagnostik
Die Diagnose der hereditären Sphärozytose stützt sich zunächst auf die mikroskopische Untersuchung eines Blutausstrichs, in dem sich die charakteristischen, kugelförmig verformten roten Blutkörperchen ohne die normale zentrale Aufhellung darstellen lassen. Eine familiäre Häufung ähnlicher Beschwerden liefert wichtige zusätzliche Hinweise, da die Mehrzahl der Fälle vererbt ist. Spezielle Laboruntersuchungen, etwa der sogenannte osmotische Resistenztest oder moderne durchflusszytometrische Verfahren, weisen die verminderte Widerstandsfähigkeit der roten Blutkörperchen gegenüber osmotischem Stress nach und sichern die Diagnose. Ergänzend werden laborchemische Zeichen der Blutzelldestruktion wie ein erhöhter Bilirubinwert sowie eine erniedrigte Konzentration des Bluteiweißes Haptoglobin bestimmt, das beim Abbau roter Blutkörperchen verbraucht wird.
Behandlung
Menschen mit milder hereditärer Sphärozytose benötigen häufig keine spezifische Behandlung, sondern lediglich regelmäßige Verlaufskontrollen sowie eine vorbeugende Einnahme von Folsäure, die für die gesteigerte Neubildung roter Blutkörperchen im Knochenmark zusätzlich benötigt wird. Bei ausgeprägterer Anämie mit deutlichen Beschwerden kann eine operative Entfernung der Milz erwogen werden, da diese den Hauptort des vorzeitigen Abbaus der veränderten roten Blutkörperchen darstellt und ihre Entfernung die Anämie bei den meisten Betroffenen deutlich bessert. Aufgrund des nach einer Milzentfernung erhöhten Risikos für bestimmte schwere bakterielle Infektionen werden vor dem Eingriff entsprechende Schutzimpfungen verabreicht, und der Eingriff wird bei Kindern nach Möglichkeit bis zu einem Mindestalter aufgeschoben. Bei einer vorübergehenden, durch eine Virusinfektion bedingten Unterbrechung der Blutbildung kann kurzfristig eine Bluttransfusion notwendig werden.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der hereditären Sphärozytose ist bei angemessener Behandlung sehr gut, wobei viele Betroffene mit milder Verlaufsform ein normales, kaum beeinträchtigtes Leben führen können. Nach einer operativen Milzentfernung normalisieren sich die Blutwerte bei den meisten Betroffenen mit ausgeprägterer Erkrankung deutlich, auch wenn die roten Blutkörperchen weiterhin ihre kugelige Form behalten. Die Neigung zur Bildung von Gallensteinen bleibt lebenslang bestehen und erfordert eine regelmäßige Beobachtung. Nach Entfernung der Milz besteht ein dauerhaft erhöhtes Risiko für bestimmte schwere bakterielle Infektionen, weshalb neben den vorbeugenden Impfungen bei Fieber nach der Operation stets eine rasche ärztliche Vorstellung empfohlen wird, um eine notwendige antibiotische Behandlung frühzeitig einzuleiten.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hereditäre Sphärozytose: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum werden die roten Blutkörperchen bei dieser Erkrankung vorzeitig abgebaut?
Weil ein Defekt bestimmter Membranproteine ihnen eine kugelige, weniger verformbare Form verleiht, wodurch sie bei der Passage durch die Milz vorzeitig erkannt und zerstört werden.
Muss die Milz immer entfernt werden?
Nein, bei milden Verlaufsformen ist häufig keine Operation notwendig. Eine Milzentfernung wird nur bei ausgeprägterer Anämie mit deutlichen Beschwerden erwogen.
Warum neigen Betroffene zu Gallensteinen?
Weil der vermehrte Abbau roter Blutkörperchen zu einer erhöhten Bilirubinausscheidung über die Galle führt, was die Steinbildung begünstigt.
Welche Vorsichtsmaßnahme ist nach einer Milzentfernung wichtig?
Aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos sind vorbeugende Impfungen sowie bei Fieber eine rasche ärztliche Vorstellung wichtig.
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