Hepatorenales Syndrom
Das hepatorenale Syndrom ist ein akutes oder langsam fortschreitendes Nierenversagen, das bei Menschen mit fortgeschrittener Leberzirrhose oder schwerem Leberversagen auftritt, ohne dass die Nieren selbst strukturell erkrankt sind. Die Nierenfunktionsstörung entsteht durch komplexe, mit dem Fortschreiten der Leberkrankheit verbundene Kreislaufveränderungen, die die Durchblutung der Nieren erheblich einschränken.
Ursachen
Grundlage ist die durch die fortgeschrittene Leberzirrhose verursachte portale Hypertension, die zu einer ausgeprägten Erweiterung der Blutgefäße im Bauchraum und in der Folge zu einem relativen Mangel an effektiv zirkulierendem Blutvolumen führt. Der Körper reagiert darauf mit einer starken Verengung der Nierengefäße, um den Blutdruck aufrechtzuerhalten, was die Durchblutung der Nieren jedoch erheblich einschränkt. Auslöser einer akuten Verschlechterung können eine bakterielle Infektion des Bauchwassers, eine akute Blutung oder eine übermäßige Entwässerungstherapie sein.
Symptome
Die Beschwerden entsprechen zunächst denen der zugrunde liegenden fortgeschrittenen Leberzirrhose, wie Gelbsucht, Bauchwasseransammlung und allgemeine Erschöpfung. Charakteristisch für das hepatorenale Syndrom selbst ist eine zunehmend verminderte Urinausscheidung ohne andere erkennbare Ursache für ein Nierenversagen. Bei rasch fortschreitendem Verlauf können sich zusätzlich Zeichen einer Urämie wie Übelkeit, Verwirrtheit und ein allgemeiner Kräfteverfall entwickeln.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch den Ausschluss anderer, eigenständiger Ursachen eines Nierenversagens bei einem Menschen mit fortgeschrittener Leberzirrhose gestellt, etwa durch Urinuntersuchungen, die im Gegensatz zu vielen anderen Nierenerkrankungen meist unauffällig ausfallen. Eine sorgfältige Suche nach auslösenden Faktoren wie einer bakteriellen Infektion des Bauchwassers ist wichtig, da deren Behandlung die Nierenfunktion mitunter verbessern kann. Standardisierte diagnostische Kriterien unterstützen die Einordnung.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, das effektiv zirkulierende Blutvolumen zu erhöhen und die Nierendurchblutung zu verbessern, meist durch eine Kombination aus gefäßverengenden Medikamenten und der Gabe von Albumin über die Vene. Eine mögliche auslösende Infektion wird gezielt behandelt. Bei fehlendem Ansprechen und fortschreitendem Nierenversagen kann eine vorübergehende Dialysebehandlung notwendig werden. Die einzige ursächliche, dauerhafte Lösung ist eine Lebertransplantation, die sowohl die Lebererkrankung als auch das hepatorenale Syndrom beheben kann.
Verlauf und Prognose
Ohne Behandlung verläuft das hepatorenale Syndrom, besonders in seiner akuten Form, häufig sehr ernst mit hoher Sterblichkeit. Mit der Kombination aus gefäßverengenden Medikamenten und Albumingabe lässt sich die Nierenfunktion bei einem Teil der Betroffenen zumindest vorübergehend verbessern. Die langfristige Prognose hängt entscheidend davon ab, ob eine Lebertransplantation möglich ist, da diese die zugrunde liegende Ursache dauerhaft beheben kann.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hepatorenales Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Sind die Nieren beim hepatorenalen Syndrom selbst erkrankt?
Nein, die Nieren sind strukturell gesund, ihre Funktionsstörung entsteht durch die veränderte Durchblutung infolge der fortgeschrittenen Lebererkrankung.
Kann eine Infektion das Syndrom auslösen?
Ja, eine bakterielle Infektion des Bauchwassers ist einer der häufigsten Auslöser einer akuten Verschlechterung, weshalb eine gezielte Suche danach wichtig ist.
Ist eine Lebertransplantation die einzige dauerhafte Lösung?
Ja, sie behebt sowohl die zugrunde liegende Lebererkrankung als auch das hepatorenale Syndrom und bietet damit die beste langfristige Prognose.
Warum wird Albumin über die Vene gegeben?
Es erhöht das effektiv zirkulierende Blutvolumen und unterstützt dadurch die Durchblutung der Nieren, was in Kombination mit gefäßverengenden Medikamenten die Nierenfunktion verbessern kann.
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