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Innere Medizin

Harnröhrenstriktur

Eine Harnröhrenstriktur ist eine narbige Verengung der Harnröhre, jenes Kanals, durch den der Urin von der Harnblase nach außen abgeleitet wird. Solche Verengungen entstehen meist durch eine Vernarbung des Gewebes infolge einer Entzündung oder Verletzung und können den Harnfluss unterschiedlich stark behindern, von einer geringfügigen Einschränkung bis hin zu einem fast vollständigen Verschluss der Harnröhre. Da die Harnröhre bei Männern deutlich länger ist als bei Frauen, sind Harnröhrenstrikturen bei Männern erheblich häufiger. Betroffene bemerken die Verengung meist durch einen zunehmend schwächeren und dünneren Harnstrahl sowie durch Schwierigkeiten beim Wasserlassen, die sich langsam über Monate bis Jahre entwickeln können. Unbehandelt kann eine ausgeprägte Harnröhrenstriktur zu wiederkehrenden Harnwegsinfekten und, in schweren Fällen, zu einem vollständigen Harnverhalt führen.

Ursachen

Zu den häufigsten Ursachen einer Harnröhrenstriktur zählen frühere Entzündungen der Harnröhre, insbesondere im Rahmen einer sexuell übertragbaren Infektion wie der Gonorrhoe, die unbehandelt oder verzögert behandelt zu einer narbigen Vernarbung führen kann. Auch Verletzungen der Harnröhre, etwa durch einen Unfall mit Beckenbruch, eine vorangegangene Katheterisierung oder eine urologische Operation, können eine Vernarbung und daraus resultierende Verengung verursachen. Bei manchen Männern entsteht eine Striktur nach wiederholten oder länger liegenden Blasenkathetern, die die empfindliche Schleimhaut der Harnröhre mechanisch reizen können. Angeborene Harnröhrenverengungen sind seltener und werden meist bereits im Kindesalter auffällig. Bei einem Teil der Betroffenen lässt sich trotz gründlicher Abklärung keine eindeutige Ursache feststellen, was als idiopathische Harnröhrenstriktur bezeichnet wird.

Symptome

Das Leitsymptom ist ein zunehmend schwächerer, dünnerer Harnstrahl, der sich meist schleichend über Monate bis Jahre entwickelt und von Betroffenen anfangs häufig kaum bemerkt wird. Viele Menschen berichten zusätzlich über ein verlängertes Wasserlassen, das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung, ein Nachträufeln von Urin sowie einen erschwerten Beginn des Wasserlassens mit anfänglichem Pressen. Mit fortschreitender Verengung können sich wiederkehrende Harnwegsinfekte entwickeln, da der Urin nicht mehr vollständig abfließen kann und in der Blase verbleibende Restmengen ein günstiges Milieu für Bakterien bieten. Bei einer sehr ausgeprägten, hochgradigen Verengung kann es zu einem akuten, schmerzhaften Harnverhalt kommen, bei dem trotz starken Harndrangs kein Wasserlassen mehr möglich ist, was einen dringlichen medizinischen Notfall darstellt.

Diagnostik

Die Diagnose stützt sich zunächst auf die typischen Beschwerden sowie auf eine Messung des Harnstrahls (Uroflowmetrie), die eine verminderte und verlängerte Harnflussrate objektivieren kann. Eine Ultraschalluntersuchung der Blase kann eine mögliche Restharnmenge nach dem Wasserlassen sowie mögliche Folgeveränderungen an Blase und Nieren aufzeigen. Zur genauen Lokalisation und Ausdehnung der Verengung wird häufig eine Röntgenkontrastdarstellung der Harnröhre oder eine direkte Spiegelung der Harnröhre (Urethroskopie) durchgeführt, bei der die verengte Stelle unmittelbar visuell beurteilt werden kann. Diese Untersuchungen sind für die Planung der geeigneten Behandlung von großer Bedeutung, da sich Lage, Länge und Ausmaß der Verengung erheblich unterscheiden können und die Wahl des Behandlungsverfahrens maßgeblich beeinflussen.

Behandlung

Bei kurzstreckigen, leichteren Strikturen kann zunächst eine schonende Aufdehnung der Harnröhre mittels spezieller Instrumente (Bougierung) versucht werden, wobei diese Behandlung häufig in gewissen Abständen wiederholt werden muss, da die Verengung erneut auftreten kann. Eine endoskopische Schlitzung der vernarbten Stelle (Urethrotomie), bei der das Narbengewebe von innen mit einem feinen Instrument eingeschnitten wird, stellt eine weitere, häufig angewandte Behandlungsoption dar, birgt jedoch ebenfalls ein gewisses Risiko für ein erneutes Auftreten der Striktur. Bei längerstreckigen, wiederkehrenden oder komplexeren Verengungen kann eine offene, rekonstruktive Operation der Harnröhre notwendig werden, bei der das vernarbte Gewebe entfernt und die Harnröhre mit körpereigenem Gewebe, etwa aus der Mundschleimhaut, wiederhergestellt wird. Bei akutem Harnverhalt ist zunächst eine sofortige Harnableitung, meist über einen Katheter, notwendig.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf hängt wesentlich von Länge und Lage der Verengung sowie von der gewählten Behandlungsmethode ab. Kurzstreckige Strikturen lassen sich mit einer Aufdehnung oder Schlitzung oft erfolgreich behandeln, wobei das Risiko eines erneuten Auftretens jedoch nicht unerheblich ist und wiederholte Behandlungen notwendig werden können. Rekonstruktive Operationen der Harnröhre zeigen bei längerstreckigen oder wiederkehrenden Strikturen langfristig die besten Erfolgsraten und führen bei der Mehrheit der Behandelten zu einer dauerhaften Beschwerdefreiheit. Unbehandelt kann eine fortschreitende Harnröhrenstriktur zu wiederkehrenden Infekten, einer Schädigung der Blasenfunktion sowie im ungünstigsten Fall zu einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion durch chronischen Harnstau führen, weshalb eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung wichtig ist.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum sind Männer häufiger von einer Harnröhrenstriktur betroffen als Frauen?

Weil die männliche Harnröhre deutlich länger ist als die weibliche und dadurch anfälliger für Vernarbungen infolge von Entzündungen, Verletzungen oder Katheterisierungen ist.

Was ist ein typisches erstes Anzeichen einer Harnröhrenstriktur?

Ein sich allmählich verschlechternder, schwächerer und dünnerer Harnstrahl sowie ein erschwertes, verlängertes Wasserlassen zählen zu den frühesten und häufigsten Anzeichen.

Kann eine Harnröhrenstriktur nach der Behandlung erneut auftreten?

Ja, insbesondere nach Aufdehnung oder endoskopischer Schlitzung besteht ein gewisses Risiko für ein erneutes Auftreten. Bei wiederholten Strikturen bietet eine rekonstruktive Operation häufig die dauerhaftere Lösung.

Was sollte man bei plötzlicher Unfähigkeit, Wasser zu lassen, tun?

Ein akuter Harnverhalt mit starkem Harndrang, aber fehlender Möglichkeit zum Wasserlassen, ist ein medizinischer Notfall und erfordert eine sofortige ärztliche Behandlung, meist mit einer vorübergehenden Harnableitung über einen Katheter.

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