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Psyche & Nervensystem

Störungen der Impulskontrolle

Störungen der Impulskontrolle sind eine Gruppe psychischer Erkrankungen, bei denen Betroffene wiederholt dem Drang nachgeben, eine bestimmte Handlung auszuführen, obwohl diese für sie selbst oder andere schädlich oder nachteilig ist, und sie diesem Impuls trotz zunehmender innerer Anspannung nicht ausreichend widerstehen können. Typisch für diese Störungsgruppe ist ein charakteristischer Ablauf: Vor der Handlung baut sich ein zunehmendes Gefühl innerer Spannung auf, das während oder unmittelbar nach der Ausführung der Handlung von einem Gefühl der Erleichterung oder sogar Befriedigung abgelöst wird, dem jedoch häufig Schuldgefühle oder Reue folgen. Zu den bekanntesten Formen zählen die Kleptomanie, bei der Betroffene wiederholt Gegenstände stehlen, ohne dass dies durch persönlichen Bedarf oder finanziellen Gewinn motiviert ist, die Pyromanie mit einem wiederholten Drang, Feuer zu legen, sowie pathologisches Spielen, bei dem Betroffene trotz negativer Konsequenzen nicht von ihrem Glücksspielverhalten lassen können.

Ursachen

Die genauen Ursachen von Störungen der Impulskontrolle sind nicht vollständig geklärt, es wird jedoch von einem Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren ausgegangen. Auf neurobiologischer Ebene werden Veränderungen im Belohnungssystem des Gehirns diskutiert, die dazu führen, dass die Ausführung der jeweiligen Handlung als besonders befriedigend erlebt wird, ähnlich wie bei Suchterkrankungen. Psychologische Faktoren wie ein geringes Selbstwertgefühl, Schwierigkeiten in der Emotionsregulation sowie eine erlernte Nutzung der Handlung zur Bewältigung von innerer Anspannung oder unangenehmen Gefühlen spielen häufig eine begünstigende Rolle. Belastende Lebensumstände, traumatische Erfahrungen sowie eine familiäre Häufung bestimmter psychischer Erkrankungen können das Risiko zusätzlich erhöhen. Bei einem Teil der Betroffenen bestehen begleitend andere psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen, die mit der Störung der Impulskontrolle in Wechselwirkung stehen können.

Symptome

Charakteristisch ist ein wiederkehrendes Muster aus zunehmender innerer Anspannung vor der jeweiligen Handlung, gefolgt von einem Gefühl der Erleichterung oder Befriedigung während oder unmittelbar nach deren Ausführung. Bei der Kleptomanie äußert sich dies durch wiederholtes Stehlen von Gegenständen, die häufig weder benötigt noch finanziell wertvoll sind und mitunter später weggeworfen, verschenkt oder heimlich zurückgegeben werden. Bei pathologischem Spielen zeigt sich ein anhaltendes, wiederkehrendes Glücksspielverhalten, das trotz zunehmender finanzieller, beruflicher und familiärer Probleme fortgesetzt wird. Nach der Handlung berichten viele Betroffene über Scham- und Schuldgefühle sowie Reue, was jedoch häufig nicht ausreicht, um ein erneutes Auftreten zu verhindern. Die Erkrankung wird von Betroffenen oft aus Scham verheimlicht, weshalb sie in vielen Fällen erst spät oder erst durch äußere Konsequenzen, etwa rechtliche oder finanzielle Probleme, offenkundig wird.

Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf eine ausführliche, einfühlsame Anamnese, die das charakteristische Muster aus Anspannung, Handlung und anschließender Erleichterung sowie die Häufigkeit, Dauer und die daraus entstehenden Konsequenzen erfasst. Da Betroffene die Beschwerden häufig aus Scham verschweigen, ist eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung für eine offene Schilderung der Symptomatik wichtig. Wichtiger Bestandteil der Diagnostik ist zudem der Ausschluss anderer möglicher Ursachen für das beobachtete Verhalten, etwa eines eigentlichen Diebstahls aus finanzieller Not bei der Kleptomanie oder eines im Rahmen einer anderen psychischen Erkrankung, etwa einer manischen Episode, auftretenden impulsiven Verhaltens. Begleitende psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen werden im Rahmen der Diagnostik ebenfalls erfasst, da sie die Behandlung beeinflussen können.

Behandlung

Die Behandlung von Störungen der Impulskontrolle erfolgt in erster Linie psychotherapeutisch, wobei sich insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen hat. Diese hilft Betroffenen, die auslösenden Situationen und Gedankenmuster zu erkennen, alternative Strategien zur Bewältigung der inneren Anspannung zu entwickeln und die Kontrolle über die problematischen Impulse schrittweise zurückzugewinnen. Bei bestimmten Formen, etwa pathologischem Spielen, können ergänzend Selbsthilfegruppen sowie strukturierte Maßnahmen zur Begrenzung des Zugangs zur problematischen Handlung, etwa eine Spielsperre, sinnvoll sein. Bei ausgeprägten Begleiterkrankungen wie Depressionen kann eine medikamentöse Behandlung dieser Begleiterkrankung die Gesamtbehandlung unterstützen. Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig, um die häufig erheblichen sozialen, finanziellen und rechtlichen Folgen der Erkrankung zu begrenzen.

Verlauf und Prognose

Unbehandelt verlaufen Störungen der Impulskontrolle häufig chronisch und können mit fortschreitender Dauer zu erheblichen sozialen, beruflichen, finanziellen oder rechtlichen Problemen führen. Mit einer konsequenten psychotherapeutischen Behandlung lässt sich bei vielen Betroffenen eine deutliche Besserung erzielen, wobei der Erfolg wesentlich von der Motivation zur Veränderung sowie einer frühzeitigen Behandlung abhängt. Rückfälle sind, ähnlich wie bei Suchterkrankungen, keine Seltenheit und sollten nicht als vollständiges Scheitern der Behandlung, sondern als Teil eines längeren Genesungsprozesses verstanden werden. Eine gute Einbindung in ein unterstützendes soziales Umfeld sowie die Behandlung begleitender psychischer Erkrankungen tragen wesentlich zu einem günstigeren langfristigen Verlauf bei.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Ist Kleptomanie dasselbe wie gewöhnlicher Diebstahl?

Nein, bei der Kleptomanie handelt es sich um eine psychische Störung, bei der die gestohlenen Gegenstände weder benötigt noch finanziell motiviert sind, sondern das wiederholte Nachgeben einem inneren, schwer kontrollierbaren Impuls entspringt.

Warum schämen sich Betroffene oft für ihre Erkrankung?

Weil das Verhalten von außen leicht missverstanden und moralisch bewertet wird, obwohl es einer psychischen Störung mit einem charakteristischen Anspannungs-Erleichterungs-Muster entspricht. Diese Scham verzögert häufig die Suche nach Hilfe.

Welche Behandlung hilft bei Störungen der Impulskontrolle am besten?

Psychotherapeutische Verfahren, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, gelten als wirksamste Behandlungsform und helfen, die Kontrolle über die problematischen Impulse schrittweise zurückzugewinnen.

Sind Rückfälle während der Behandlung ein Zeichen des Scheiterns?

Nein, Rückfälle kommen bei dieser Erkrankungsgruppe häufig vor und sollten als Teil eines längeren Genesungsprozesses verstanden werden, nicht als vollständiges Scheitern der Behandlung.

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