Gallengangsstein mit Cholangitis
Ein Gallengangsstein entsteht, wenn ein in der Gallenblase gebildeter Gallenstein in den Hauptgallengang wandert und dort den Abfluss der von der Leber produzierten Galle behindert. Staut sich die Galle vor dem verlegten Gallengang, können sich dort Bakterien vermehren und eine Entzündung der Gallenwege verursachen, die als Cholangitis bezeichnet wird. Ein Gallengangsstein mit begleitender Cholangitis stellt eine ernstzunehmende, potenziell lebensbedrohliche Komplikation dar, da sich die Infektion über die Gallenwege rasch auf den gesamten Körper ausbreiten und zu einer schweren Blutvergiftung führen kann, weshalb diese Kombination stets rasches ärztliches Handeln erfordert.
Ursachen
Ein Gallengangsstein entsteht meist durch die Wanderung eines bereits in der Gallenblase gebildeten Gallensteins über den Gallenblasengang in den Hauptgallengang, wo er den Abfluss der Galle teilweise oder vollständig behindern kann. Begünstigende Faktoren für die Entstehung von Gallensteinen sind Übergewicht, eine fettreiche Ernährung, weibliches Geschlecht, eine familiäre Veranlagung sowie ein höheres Lebensalter. Staut sich die Galle vor dem verlegten Gallengang, entsteht ein idealer Nährboden für eine bakterielle Vermehrung, die sich meist über den Zwölffingerdarm in die Gallenwege ausbreitet und dort die Entzündung der Gallenwege, die Cholangitis, verursacht. Je länger der Galleabfluss behindert bleibt, desto höher ist das Risiko für eine sich entwickelnde, schwere Infektion der Gallenwege.
Symptome
Die klassische Symptomkombination eines Gallengangssteins mit Cholangitis, die sogenannte Charcot-Trias, umfasst starke Schmerzen im rechten Oberbauch, hohes Fieber mit Schüttelfrost sowie eine Gelbfärbung von Haut und Augen, die durch den gestauten Gallenfarbstoff verursacht wird. Nicht immer sind alle drei Symptome gleichzeitig vorhanden, weshalb auch bei nur teilweisem Vorliegen dieser Kombination an eine Cholangitis gedacht werden sollte. Der Urin kann sich aufgrund der erhöhten Ausscheidung von Gallenfarbstoff dunkel verfärben, während der Stuhl heller als üblich erscheinen kann. Bei einem besonders schweren Verlauf können zusätzlich Verwirrtheit und ein niedriger Blutdruck als Zeichen eines beginnenden Kreislaufschocks im Rahmen einer schweren Blutvergiftung hinzukommen, was auf eine lebensbedrohliche Situation hinweist.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch eine Kombination aus Blutuntersuchungen, die erhöhte Leber- und Gallenwerte sowie deutlich erhöhte Entzündungswerte zeigen, und einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraums gestellt, die eine Erweiterung der Gallenwege sowie mitunter den ursächlichen Stein sichtbar machen kann. Zur genaueren Darstellung der Gallenwege und zum sicheren Nachweis des Gallengangssteins wird häufig eine spezielle Magnetresonanztomographie der Gallenwege oder eine endoskopische Untersuchung eingesetzt, die gleichzeitig eine Behandlung ermöglicht. Bei Verdacht auf eine bereits eingetretene Blutvergiftung werden zusätzliche Untersuchungen zur Beurteilung der Kreislaufsituation sowie eine Blutkultur zur Erregerbestimmung durchgeführt, um die antibiotische Behandlung gezielt anzupassen.
Behandlung
Ein Gallengangsstein mit Cholangitis erfordert eine umgehende Behandlung, die aus einer hochdosierten antibiotischen Therapie sowie einer möglichst raschen Entlastung des gestauten Gallengangs besteht. Diese Entlastung erfolgt in der Regel durch eine endoskopische Untersuchung der Gallenwege, bei der der ursächliche Stein aufgesucht und entfernt werden kann, wodurch der Galleabfluss wiederhergestellt wird. Bei sehr schwerem Krankheitsbild mit instabilem Kreislauf kann zunächst eine weniger belastende, vorläufige Ableitung der gestauten Galle erfolgen, bevor die endgültige Steinentfernung nachgeholt wird. Nach erfolgreicher Behandlung der akuten Situation wird häufig im weiteren Verlauf eine operative Entfernung der Gallenblase empfohlen, um ein erneutes Auftreten von Gallensteinen mit entsprechenden Komplikationen zu vermeiden.
Verlauf und Prognose
Bei rechtzeitiger Diagnose und umgehender Behandlung, insbesondere einer raschen Entlastung des gestauten Gallengangs, ist die Prognose eines Gallengangssteins mit Cholangitis überwiegend gut, und die Mehrzahl der Betroffenen erholt sich innerhalb weniger Tage bis Wochen vollständig. Wird die Behandlung verzögert, steigt das Risiko für eine schwere, den gesamten Körper betreffende Blutvergiftung erheblich, die trotz intensivmedizinischer Behandlung lebensbedrohlich verlaufen kann. Nach erfolgreicher Entfernung des Steins sowie der Gallenblase ist das Risiko für ein erneutes Auftreten deutlich reduziert, wobei bei manchen Betroffenen auch nach Entfernung der Gallenblase erneut Steine in den Gallenwegen entstehen können, weshalb bei entsprechenden Beschwerden eine erneute Abklärung wichtig ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Gallengangsstein mit Cholangitis: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist die Charcot-Trias?
Die klassische Symptomkombination eines Gallengangssteins mit Cholangitis, bestehend aus starken Schmerzen im rechten Oberbauch, hohem Fieber mit Schüttelfrost sowie einer Gelbfärbung von Haut und Augen, die jedoch nicht immer vollständig vorliegen muss.
Warum ist bei dieser Erkrankung rasches Handeln so wichtig?
Weil sich die Infektion der Gallenwege bei fortbestehender Behinderung des Galleabflusses rasch über den Körper ausbreiten und zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung führen kann.
Wie wird der Gallengangsstein entfernt?
In der Regel durch eine endoskopische Untersuchung der Gallenwege, bei der der ursächliche Stein aufgesucht und entfernt werden kann, wodurch der Galleabfluss wiederhergestellt wird.
Warum wird nach der akuten Behandlung oft die Gallenblase entfernt?
Um ein erneutes Auftreten von Gallensteinen mit entsprechenden Komplikationen wie einer erneuten Gallengangsverlegung oder Cholangitis zu vermeiden.
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