Gallenblasenfistel
Die Gallenblasenfistel bezeichnet eine abnorme, kanalartige Verbindung zwischen der Gallenblase und einem benachbarten Organ, die sich in der überwiegenden Mehrheit der Fälle als Komplikation einer langjährigen, wiederholt entzündeten Gallenblase mit Gallensteinen entwickelt. Durch die anhaltende Entzündung sowie den Druck eines in der Gallenblasenwand eingeklemmten Gallensteins kann sich die Gallenblasenwand allmählich durcharbeiten und einen direkten Durchbruch in ein benachbartes Organ bilden, wobei am häufigsten eine Verbindung zum Zwölffingerdarm entsteht, seltener zum Dickdarm, zum Magen oder zur Bauchdecke. Diese abnorme Verbindung kann zu verschiedenen, teils überraschenden Komplikationen führen, insbesondere wenn ein größerer Gallenstein über die neu entstandene Fistel in den Darm gelangt und dort zu einem Darmverschluss führt.
Ursachen
Die Gallenblasenfistel entsteht in der überwiegenden Mehrheit der Fälle als Folge einer langjährigen, wiederholt entzündeten Gallenblase mit vorhandenen Gallensteinen, bei der ein größerer Stein über lange Zeit dauerhaft gegen die Gallenblasenwand drückt und diese dadurch zunehmend schädigt und ausdünnt. Durch die chronische Entzündung sowie die anhaltende mechanische Belastung durch den Stein kann sich die geschwächte Gallenblasenwand schließlich mit dem angrenzenden Organ, das aufgrund der wiederholten Entzündungen häufig eng mit der Gallenblase verwachsen ist, verbinden und einen direkten Durchbruch bilden. Am häufigsten entsteht eine solche Verbindung zum unmittelbar benachbarten Zwölffingerdarm, seltener zum Dickdarm, zum Magen oder, insbesondere bei einer schweren, unbehandelten Gallenblasenentzündung, zur Bauchdecke. Auch eine bösartige Erkrankung der Gallenblase kann in selteneren Fällen zur Entstehung einer Fistel beitragen.
Symptome
Die Gallenblasenfistel selbst verursacht häufig keine spezifischen, eigenständigen Beschwerden, sondern macht sich meist erst durch ihre Folgekomplikationen bemerkbar. Gelangt ein großer Gallenstein über die neu entstandene Verbindung in den Darm, kann dieser dort, insbesondere an einer physiologisch engen Stelle des Dünndarms, steckenbleiben und einen Darmverschluss verursachen, der sich durch starke, krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen sowie ein Ausbleiben von Stuhlgang und Windabgang äußert. Bei einer Verbindung zur Bauchdecke kann sich eine schmerzhafte, entzündete Hautstelle mit Austritt von Galle oder Eiter entwickeln. Manche Betroffene bemerken zudem ungewöhnliche, teils übelriechende Aufstoßbeschwerden, wenn Luft über die abnorme Verbindung aus dem Darm in die Gallenblase und von dort weiter aufsteigt.
Diagnostik
Die Diagnose der Gallenblasenfistel wird häufig erst im Rahmen der Abklärung ihrer Folgekomplikationen, insbesondere eines durch einen eingewanderten Gallenstein verursachten Darmverschlusses, gestellt. Eine Computertomographie des Bauchraums zeigt in dieser Situation charakteristische Zeichen, insbesondere Luft innerhalb der Gallenblase oder der Gallenwege, was normalerweise nicht vorkommt und stark auf eine bestehende Verbindung zum lufthaltigen Darm hinweist, sowie den ursächlichen, im Darm eingeklemmten Gallenstein selbst. Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums kann ergänzend zur Beurteilung der Gallenblase sowie einer möglichen Luftansammlung eingesetzt werden. Bei einer Fistel zur Bauchdecke lässt sich die abnorme Verbindung mitunter bereits durch die körperliche Untersuchung sowie eine gezielte Darstellung des Fistelgangs mit Kontrastmittel nachweisen.
Behandlung
Die Behandlung der Gallenblasenfistel richtet sich nach dem Vorliegen sowie der Art der jeweiligen Komplikation. Bei einem durch einen eingewanderten Gallenstein verursachten Darmverschluss ist eine notfallmäßige operative Behandlung notwendig, bei der der im Darm eingeklemmte Stein entfernt wird, um die akute Darmverlegung zu beheben. Im Rahmen dieser oder einer nachfolgenden, geplanten Operation wird zudem die zugrunde liegende Gallenblase mitsamt der abnormen Fistelverbindung entfernt, um ein erneutes Auftreten eines Steinabgangs sowie weiterer Komplikationen zu verhindern, wobei diese Entfernung je nach Zustand des Betroffenen und Ausmaß der entzündlichen Verwachsungen auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann. Eine Fistel zur Bauchdecke wird nach Abklingen der akuten Entzündung ebenfalls durch eine operative Entfernung der Gallenblase mit vollständiger Sanierung des Fistelgangs behandelt.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Gallenblasenfistel hängt maßgeblich vom Vorliegen sowie der Schwere der jeweiligen Komplikation ab. Ein durch einen eingewanderten Gallenstein verursachter Darmverschluss stellt einen ernsten, jedoch bei rechtzeitiger operativer Behandlung in der Regel gut beherrschbaren Notfall dar, wobei die betroffenen Patientinnen und Patienten aufgrund ihres häufig fortgeschrittenen Alters sowie bestehender Begleiterkrankungen ein erhöhtes operatives Risiko aufweisen können. Nach erfolgreicher operativer Behandlung mit Entfernung sowohl des eingewanderten Steins als auch der zugrunde liegenden, fistelbildenden Gallenblase ist die langfristige Prognose gut, wobei ein erneutes Auftreten der Erkrankung durch die vollständige Entfernung der Gallenblase praktisch ausgeschlossen wird. Eine unbehandelte Gallenblasenfistel birgt ein anhaltendes Risiko für wiederholte Komplikationen, weshalb eine gezielte operative Behandlung nach Diagnosestellung empfohlen wird.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Gallenblasenfistel: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wodurch entsteht eine Gallenblasenfistel meist?
Als Komplikation einer langjährigen, wiederholt entzündeten Gallenblase mit Gallensteinen, bei der ein Stein die Gallenblasenwand durcharbeitet.
Zu welchem Organ entsteht die Verbindung am häufigsten?
Am häufigsten zum unmittelbar benachbarten Zwölffingerdarm.
Welche gefürchtete Komplikation kann durch die Fistel entstehen?
Ein Darmverschluss, wenn ein größerer Gallenstein über die Fistel in den Darm gelangt und dort steckenbleibt.
Wie wird die Gallenblasenfistel behandelt?
Durch eine operative Entfernung des eingeklemmten Steins sowie der zugrunde liegenden Gallenblase mitsamt der Fistelverbindung.
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