Erbrechen bei anderen psychischen Störungen
Erbrechen bei anderen psychischen Störungen bezeichnet wiederkehrendes Erbrechen, das nicht im Rahmen einer klassischen Essstörung wie Anorexia oder Bulimia nervosa auftritt, sondern als eigenständiges Symptom im Zusammenhang mit anderen psychischen Belastungen und Störungen. Es kann etwa als Ausdruck erheblicher emotionaler Anspannung, im Rahmen dissoziativer Zustände oder in Verbindung mit somatoformen Störungen auftreten, bei denen psychisches Leiden sich in körperlichen Symptomen äußert. Anders als bei Essstörungen steht bei dieser diagnostischen Kategorie nicht die bewusste Steuerung des Körpergewichts im Vordergrund, sondern das Erbrechen entwickelt sich als unwillkürliche körperliche Reaktion auf psychische Belastung, die von den Betroffenen häufig selbst nicht direkt mit ihrem seelischen Erleben in Verbindung gebracht wird.
Ursachen
Psychisch bedingtes Erbrechen entsteht häufig im Kontext erheblicher emotionaler Belastung, etwa bei ausgeprägtem Stress, ungelösten inneren Konflikten oder belastenden Lebensereignissen, die der Körper über das vegetative Nervensystem in Form körperlicher Symptome zum Ausdruck bringt. Bei manchen Betroffenen steht ein erlerntes Reaktionsmuster im Vordergrund, bei dem Erbrechen in der Vergangenheit unbewusst mit einer Entlastung von belastenden Situationen verknüpft wurde. Auch im Rahmen dissoziativer Störungen, bei denen die normale Integration von Gedanken, Gefühlen und Körperwahrnehmung gestört ist, kann Erbrechen als körperlicher Ausdruck innerer Anspannung auftreten. Kinder und Jugendliche zeigen psychisch bedingtes Erbrechen mitunter im Zusammenhang mit Trennungsängsten, Schulangst oder familiären Belastungssituationen, wobei das Symptom häufig situationsgebunden auftritt.
Symptome
Das Erbrechen tritt wiederholt auf und lässt sich nicht ausreichend durch eine organische Erkrankung des Magen-Darm-Trakts oder eine klassische Essstörung erklären. Häufig zeigt sich ein Zusammenhang mit bestimmten belastenden Situationen oder emotionalen Zuständen, etwa vor herausfordernden Ereignissen, in Konfliktsituationen oder bei starker innerer Anspannung. Begleitend können weitere körperliche Beschwerden wie Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit oder allgemeines Unwohlsein auftreten, ohne dass sich hierfür eine ausreichende organische Ursache finden lässt. Viele Betroffene erleben zusätzlich Angst, depressive Verstimmungen oder ein Gefühl der Überforderung, wobei der Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und dem körperlichen Symptom Erbrechen den Betroffenen selbst oft nicht bewusst ist.
Diagnostik
Die Diagnostik erfordert zunächst den sorgfältigen Ausschluss organischer Ursachen für das wiederkehrende Erbrechen durch eine körperliche und gegebenenfalls apparative Untersuchung, um ernsthafte körperliche Erkrankungen nicht zu übersehen. Erst wenn eine ausreichende organische Erklärung fehlt und ein zeitlicher oder inhaltlicher Zusammenhang mit psychischer Belastung erkennbar ist, wird die Diagnose eines psychisch bedingten Erbrechens gestellt. Ein ausführliches Gespräch zur Erfassung belastender Lebensumstände, emotionaler Zustände sowie möglicher situativer Auslöser ist zentraler Bestandteil der Abklärung. Bei Kindern und Jugendlichen ist zudem die Einbeziehung des familiären und schulischen Umfelds wichtig, um mögliche psychosoziale Belastungsfaktoren zu identifizieren, die im Zusammenhang mit dem Symptom stehen könnten.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden psychischen Belastung und umfasst in der Regel eine psychotherapeutische Begleitung, die darauf abzielt, die auslösenden emotionalen Faktoren zu erkennen und alternative, gesündere Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Je nach Ursache können unterstützende Gesprächstherapie, verhaltenstherapeutische Ansätze oder, bei ausgeprägteren dissoziativen Symptomen, spezialisierte traumafokussierte Verfahren zum Einsatz kommen. Bei Kindern und Jugendlichen ist häufig die Einbindung der Familie sinnvoll, um belastende Situationen im häuslichen oder schulischen Umfeld gemeinsam zu bearbeiten. Ergänzend können Entspannungsverfahren helfen, die allgemeine Anspannung zu reduzieren und den Zusammenhang zwischen emotionalem Erleben und körperlicher Reaktion besser zu verstehen und zu regulieren.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf hängt maßgeblich davon ab, wie gut die zugrunde liegende psychische Belastung erkannt und behandelt werden kann. Bei vielen Betroffenen, insbesondere Kindern, bildet sich das Symptom zurück, sobald die auslösenden Belastungsfaktoren, etwa schulische Überforderung oder familiäre Konflikte, erkannt und bearbeitet werden. Bleibt die zugrunde liegende psychische Belastung unerkannt oder unbehandelt, kann das Erbrechen über längere Zeit bestehen bleiben und zu wiederholten, belastenden medizinischen Abklärungen führen. Mit gezielter psychotherapeutischer Unterstützung sowie der Einbindung des sozialen Umfelds ist die Prognose insgesamt günstig, wobei eine frühzeitige Erkennung des psychischen Zusammenhangs entscheidend für einen positiven Verlauf ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Psychosomatische Beschwerden: Wenn die Seele über den Körper spricht
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich diese Störung von einer Essstörung?
Anders als bei Essstörungen steht bei dieser Diagnose nicht die bewusste Steuerung von Gewicht oder Figur im Vordergrund, sondern das Erbrechen tritt als unwillkürliche körperliche Reaktion auf psychische Belastung auf.
Muss immer eine organische Ursache ausgeschlossen werden?
Ja, der sorgfältige Ausschluss körperlicher Erkrankungen ist ein notwendiger erster Schritt, bevor die Diagnose eines psychisch bedingten Erbrechens gestellt werden kann.
Betrifft dieses Symptom vor allem Kinder?
Es kann in jedem Alter auftreten, bei Kindern und Jugendlichen zeigt es sich jedoch häufig im Zusammenhang mit Trennungsängsten, Schulangst oder familiären Belastungssituationen.
Wie wird psychisch bedingtes Erbrechen behandelt?
Im Vordergrund steht eine psychotherapeutische Begleitung, die die auslösenden emotionalen Faktoren bearbeitet, ergänzt durch Entspannungsverfahren und, bei Kindern, die Einbindung der Familie.
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