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Orthopädie & Bewegungsapparat

Eitrige Arthritis (Bakterielle Gelenkentzündung)

Die eitrige Arthritis, auch als bakterielle Gelenkentzündung bezeichnet, ist eine akute, durch Bakterien verursachte Entzündung eines Gelenks, bei der sich Eiter innerhalb der Gelenkhöhle ansammelt. Da der Gelenkknorpel selbst nicht durchblutet ist und sich daher, einmal geschädigt, nur sehr eingeschränkt regenerieren kann, stellt eine eitrige Arthritis einen ernstzunehmenden orthopädischen Notfall dar: Die im Eiter enthaltenen bakteriellen und körpereigenen Abbauprodukte können den Gelenkknorpel innerhalb weniger Tage irreversibel schädigen, wenn die Erkrankung nicht rasch erkannt und behandelt wird. Am häufigsten betroffen sind große Gelenke wie Knie- und Hüftgelenk, grundsätzlich kann sich eine eitrige Arthritis jedoch in jedem Gelenk des Körpers entwickeln.

Ursachen

Die häufigste Ursache einer eitrigen Arthritis ist eine Ausbreitung von Bakterien über die Blutbahn aus einem anderen Infektionsherd im Körper, wobei Staphylokokken zu den am häufigsten nachgewiesenen Erregern zählen. Auch eine direkte Einbringung von Bakterien in das Gelenk, etwa nach einer offenen Verletzung, einer Gelenkpunktion oder einer Gelenkoperation, kann eine eitrige Arthritis verursachen. Von einem benachbarten Infektionsherd, etwa einer Knochenmarkentzündung in unmittelbarer Nähe des Gelenks, können Bakterien ebenfalls direkt auf das Gelenk übergreifen. Ein erhöhtes Risiko besteht bei Menschen mit einer bereits vorgeschädigten Gelenkoberfläche, etwa im Rahmen einer rheumatoiden Arthritis, sowie bei Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr, mit Diabetes mellitus oder mit einem liegenden Gelenkersatz.

Symptome

Eine eitrige Arthritis äußert sich typischerweise durch einen raschen, innerhalb weniger Stunden bis Tage einsetzenden, sehr starken Schmerz im betroffenen Gelenk, begleitet von einer deutlichen Schwellung, einer Überwärmung sowie einer Rötung der darüberliegenden Haut. Das betroffene Gelenk wird meist in einer Schonhaltung gehalten, und bereits geringste Bewegungen verursachen starke Schmerzen, weshalb Betroffene das Gelenk instinktiv möglichst ruhigstellen. Begleitend bestehen häufig allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber, Schüttelfrost und ein deutlich reduziertes Allgemeinbefinden, die auf die zugrunde liegende bakterielle Infektion hinweisen. Bei Säuglingen und älteren Menschen können die Beschwerden untypischer ausfallen, weshalb die Erkrankung in diesen Altersgruppen mitunter schwieriger zu erkennen ist.

Diagnostik

Die Diagnose wird durch eine Punktion des betroffenen Gelenks gestellt, bei der die entnommene Gelenkflüssigkeit sowohl auf ihre Zellzahl und Zusammensetzung als auch mikrobiologisch auf den ursächlichen Erreger untersucht wird, was für die gezielte antibiotische Behandlung von großer Bedeutung ist. Blutuntersuchungen zeigen typischerweise deutlich erhöhte Entzündungswerte, die den Verdacht auf eine bakterielle Infektion unterstützen. Eine Ultraschalluntersuchung des Gelenks kann eine vermehrte Gelenkflüssigkeit sichtbar machen und die gezielte Punktion erleichtern. Bei unklaren Befunden oder Verdacht auf eine begleitende Beteiligung des Knochens kann eine weiterführende Bildgebung mittels Magnetresonanztomographie sinnvoll sein. Aufgrund der Dringlichkeit der Erkrankung wird die Diagnostik in der Regel notfallmäßig und ohne Zeitverzug durchgeführt.

Behandlung

Die Behandlung einer eitrigen Arthritis muss umgehend eingeleitet werden und besteht aus einer hochdosierten, zunächst breit wirksamen und nach Erregernachweis gezielt angepassten antibiotischen Behandlung sowie einer operativen Spülung und Reinigung des betroffenen Gelenks, bei der der angesammelte Eiter sowie entzündlich verändertes Gewebe entfernt werden. Häufig sind mehrere solcher operativer Spülungen im Abstand weniger Tage notwendig, bis sich die Entzündung ausreichend zurückgebildet hat. Nach der akuten Behandlungsphase wird eine Ruhigstellung des Gelenks mit anschließender, schrittweise gesteigerter Physiotherapie empfohlen, um die Beweglichkeit des Gelenks wiederherzustellen und einer bleibenden Versteifung entgegenzuwirken. Die gesamte antibiotische Behandlung wird in der Regel über mehrere Wochen fortgesetzt, um die Infektion sicher auszuheilen.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf und die Prognose einer eitrigen Arthritis hängen entscheidend davon ab, wie rasch die Behandlung nach Auftreten der ersten Beschwerden eingeleitet wird, da bereits eine Verzögerung von wenigen Tagen das Risiko für eine bleibende Schädigung des Gelenkknorpels deutlich erhöhen kann. Bei rechtzeitiger, konsequenter Behandlung kann sich das Gelenk bei einem erheblichen Teil der Betroffenen gut erholen, wobei je nach Ausmaß der bereits eingetretenen Knorpelschädigung dennoch eine bleibende Bewegungseinschränkung oder eine spätere Arthrose des betroffenen Gelenks zurückbleiben kann. Bei verzögerter oder unzureichender Behandlung kann eine eitrige Arthritis zu einer dauerhaften Zerstörung des Gelenks führen, in seltenen, schweren Fällen kann sich die Infektion zudem über die Blutbahn im gesamten Körper ausbreiten, weshalb bei Verdacht auf eine eitrige Arthritis stets eine sofortige fachärztliche Vorstellung erforderlich ist.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum gilt eine eitrige Arthritis als Notfall?

Weil der Gelenkknorpel nicht durchblutet ist und sich, einmal geschädigt, nur sehr eingeschränkt regenerieren kann. Die im Eiter enthaltenen Abbauprodukte können den Knorpel innerhalb weniger Tage irreversibel schädigen, wenn nicht rasch behandelt wird.

Warum wird das Gelenk bei der Behandlung operativ gespült?

Um den angesammelten Eiter sowie entzündlich verändertes Gewebe zu entfernen, das den Gelenkknorpel schädigen kann. Oft sind mehrere solcher Spülungen im Abstand weniger Tage notwendig.

Welche Gelenke sind am häufigsten betroffen?

Am häufigsten große Gelenke wie das Knie- und das Hüftgelenk, grundsätzlich kann sich eine eitrige Arthritis jedoch in jedem Gelenk des Körpers entwickeln.

Bleiben nach einer eitrigen Arthritis immer Schäden zurück?

Nicht zwangsläufig, bei rechtzeitiger, konsequenter Behandlung kann sich das Gelenk oft gut erholen. Je nach Ausmaß der bereits eingetretenen Knorpelschädigung kann jedoch eine bleibende Bewegungseinschränkung oder eine spätere Arthrose zurückbleiben.

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