Ein Angebot von Personal Paramedic e.K. · DGUV-anerkannte Ausbildungsstätte (8.2018)
Augen & Sehkraft

Diplopie (Doppeltsehen)

Diplopie, umgangssprachlich Doppeltsehen genannt, beschreibt die Wahrnehmung eines einzelnen Objekts als zwei getrennte Bilder. Normalerweise verschmelzen die von beiden Augen aufgenommenen, leicht unterschiedlichen Bilder im Gehirn zu einem einzigen, dreidimensionalen Seheindruck; ist diese Zusammenarbeit gestört, entsteht Doppeltsehen. Man unterscheidet die binokulare Diplopie, die nur bei geöffneten beiden Augen auftritt und verschwindet, sobald ein Auge geschlossen wird, von der deutlich selteneren monokularen Diplopie, die auch bei geschlossenem Partnerauge bestehen bleibt und ihre Ursache meist direkt im betroffenen Auge selbst hat, etwa in Form einer Linsentrübung. Binokulare Doppelbilder entstehen meist durch eine Störung der Augenmuskeln oder der sie steuernden Nerven und können harmlose, vorübergehende Ursachen haben, aber auch erste Anzeichen einer ernsten neurologischen Erkrankung wie eines Schlaganfalls oder eines erhöhten Hirndrucks sein, weshalb neu aufgetretenes Doppeltsehen stets ärztlich abgeklärt werden sollte.

Ursachen

Binokulare Diplopie entsteht meist durch eine Fehlfunktion eines oder mehrerer der sechs äußeren Augenmuskeln oder der Hirnnerven, die diese Muskeln steuern. Häufige Ursachen sind eine Lähmung eines Augenmuskelnervs, etwa infolge eines Diabetes mellitus, einer Durchblutungsstörung oder, seltener, eines Tumors, der auf den Nerv drückt. Auch Erkrankungen der Augenmuskeln selbst, etwa im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion mit endokriner Orbitopathie oder bei der Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis, bei der die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel gestört ist, können Doppeltsehen verursachen. Verletzungen im Bereich der Augenhöhle mit Einklemmung eines Augenmuskels sowie neurologische Erkrankungen wie ein Schlaganfall, eine Multiple Sklerose oder ein erhöhter Hirndruck zählen zu den ernsteren möglichen Ursachen. Monokulare Diplopie hat hingegen meist eine Ursache direkt im Auge, etwa eine Linsentrübung (grauer Star), eine unregelmäßige Hornhautoberfläche oder eine Netzhauterkrankung.

Symptome

Betroffene nehmen ein Objekt doppelt wahr, wobei die beiden Bilder je nach zugrunde liegender Ursache nebeneinander, übereinander oder schräg versetzt zueinander erscheinen können. Die Doppelbilder können sich verstärken oder abschwächen, je nachdem, in welche Richtung geblickt wird, was einen Hinweis auf den betroffenen Augenmuskel geben kann. Häufig versuchen Betroffene unbewusst, die Doppelbilder durch eine kompensatorische Kopfhaltung, etwa ein leichtes Neigen oder Drehen des Kopfes, zu vermindern. Begleitend können, je nach Ursache, weitere Beschwerden auftreten, etwa ein hängendes Augenlid bei Myasthenia gravis, Kopfschmerzen bei erhöhtem Hirndruck oder weitere neurologische Ausfälle wie eine Sprach- oder Gangstörung bei einem Schlaganfall. Plötzlich auftretendes Doppeltsehen in Kombination mit anderen neurologischen Symptomen ist als Notfallzeichen zu werten und erfordert eine sofortige ärztliche Abklärung.

Diagnostik

Zunächst wird durch einfache Tests, etwa das abwechselnde Zuhalten jeweils eines Auges, geklärt, ob es sich um eine binokulare oder monokulare Diplopie handelt, da sich daraus bereits eine wichtige Weichenstellung für die weitere Diagnostik ergibt. Bei binokularer Diplopie erfolgt eine augenärztliche und häufig auch neurologische Untersuchung, bei der die Beweglichkeit der Augen in alle Blickrichtungen sowie die Pupillenreaktion geprüft werden, um den betroffenen Muskel oder Nerv einzugrenzen. Je nach Verdacht können ergänzend eine Bildgebung des Gehirns und der Augenhöhlen mittels Magnetresonanztomographie oder Computertomographie, Blutuntersuchungen, etwa zur Abklärung einer Schilddrüsenfunktionsstörung oder von Antikörpern bei Verdacht auf Myasthenia gravis, sowie spezielle neurophysiologische Tests durchgeführt werden. Bei monokularer Diplopie steht eine gründliche augenärztliche Untersuchung der brechenden Medien des Auges, insbesondere von Linse und Hornhaut, im Vordergrund.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich vollständig nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einer akuten Nervenlähmung infolge einer Durchblutungsstörung, etwa im Rahmen eines Diabetes, bildet sich das Doppeltsehen häufig innerhalb von Wochen bis Monaten von selbst zurück, wobei in der Übergangszeit ein Augenpflaster oder eine Prismenbrille die Beschwerden lindern kann. Liegt eine Autoimmunerkrankung wie Myasthenia gravis oder eine endokrine Orbitopathie zugrunde, richtet sich die Behandlung nach den spezifischen Therapieprinzipien dieser Erkrankungen. Bei anhaltendem, stabilem Doppeltsehen ohne weitere Rückbildungstendenz kann eine schielchirurgische Korrektur der betroffenen Augenmuskeln erwogen werden, um die Bildfusion wiederherzustellen. Bei ernsten zugrunde liegenden Ursachen wie einem Schlaganfall, einem Tumor oder einem erhöhten Hirndruck steht die notfallmäßige Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund, wovon auch der Verlauf des Doppeltsehens abhängt.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf hängt stark von der Ursache ab: Vorübergehende Formen, etwa nach einer leichten Nervenreizung durch eine Virusinfektion oder eine Durchblutungsstörung, bilden sich häufig innerhalb einiger Wochen bis Monate vollständig zurück. Bei chronischen Grunderkrankungen wie Myasthenia gravis oder endokriner Orbitopathie kann das Doppeltsehen wiederkehrend auftreten oder bei guter Behandlung der Grunderkrankung deutlich gebessert werden. Nach einer schielchirurgischen Korrektur berichten viele Betroffene über eine deutliche Verbesserung der Beschwerden, wobei eine vollständige Beschwerdefreiheit nicht in jedem Fall erreicht wird. Bei durch einen Schlaganfall oder Tumor verursachtem Doppeltsehen richtet sich die Prognose maßgeblich nach dem Verlauf der zugrunde liegenden Erkrankung, weshalb eine rasche und gezielte Ursachenabklärung für den weiteren Verlauf entscheidend ist.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen binokularer und monokularer Diplopie?

Binokulare Diplopie tritt nur bei geöffneten beiden Augen auf und verschwindet, wenn ein Auge geschlossen wird; sie beruht meist auf einer Störung der Augenmuskeln oder Nerven. Monokulare Diplopie bleibt auch bei geschlossenem Partnerauge bestehen und hat ihre Ursache meist im betroffenen Auge selbst.

Wann ist plötzliches Doppeltsehen ein Notfall?

Wenn es plötzlich auftritt und von weiteren Symptomen wie Kopfschmerzen, einer Sprachstörung, einer Gangunsicherheit oder einem hängenden Augenlid begleitet wird, da dies auf ernste neurologische Ursachen wie einen Schlaganfall hindeuten kann und sofortige ärztliche Abklärung erfordert.

Kann Doppeltsehen von selbst wieder verschwinden?

Ja, insbesondere wenn es durch eine vorübergehende Nervenreizung, etwa infolge einer Durchblutungsstörung, verursacht wird, bildet es sich häufig innerhalb einiger Wochen bis Monate von selbst zurück.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei anhaltendem Doppeltsehen?

Je nach Ursache kommen eine Prismenbrille zur Bildkorrektur, die Behandlung einer zugrunde liegenden Erkrankung oder, bei stabilem Verlauf ohne weitere Besserung, eine schielchirurgische Korrektur der betroffenen Augenmuskeln infrage.

Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen

Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.

Kurs finden Inhouse anfragen