Di-George-Syndrom
Das Di-George-Syndrom ist ein angeborenes Fehlbildungssyndrom, das durch eine gestörte Entwicklung mehrerer Organe während der frühen Embryonalphase entsteht und typischerweise mit einer unzureichenden Ausbildung der Thymusdrüse, angeborenen Herzfehlern sowie einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen einhergeht. Die unzureichend entwickelte Thymusdrüse, in der normalerweise ein wichtiger Teil der Immunzellen, die sogenannten T-Zellen, heranreifen, führt bei den betroffenen Kindern zu einem unterschiedlich stark ausgeprägten Immundefekt mit erhöhter Infektanfälligkeit. Das Syndrom wird durch das Fehlen eines kleinen Abschnitts auf dem Chromosom 22 verursacht und gehört damit zu den häufigeren Mikrodeletionssyndromen des Menschen. Das klinische Erscheinungsbild ist sehr variabel und reicht von schwer betroffenen Kindern mit fast vollständig fehlender Thymusfunktion bis zu Betroffenen mit nur milden, teils erst im Erwachsenenalter auffälligen Beschwerden.
Ursachen
Das Di-George-Syndrom entsteht durch das Fehlen eines kleinen Abschnitts auf dem langen Arm des Chromosoms 22, eine sogenannte Mikrodeletion, die zu einer gestörten Entwicklung mehrerer Organe während der frühen Embryonalphase führt, insbesondere der aus denselben embryonalen Strukturen entstehenden Thymusdrüse, Nebenschilddrüsen sowie bestimmter Herzabschnitte. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle tritt diese genetische Veränderung neu bei dem betroffenen Kind auf, ohne dass die Eltern die Veränderung selbst tragen, in einem kleineren Teil der Fälle wird sie jedoch von einem betroffenen Elternteil autosomal-dominant vererbt. Das Ausmaß der fehlenden chromosomalen Region sowie individuelle Unterschiede in der Entwicklung der betroffenen Organe bestimmen maßgeblich die sehr unterschiedliche Ausprägung der Erkrankung bei verschiedenen betroffenen Kindern.
Symptome
Die Symptome des Di-George-Syndroms sind sehr vielfältig und hängen vom Ausmaß der Entwicklungsstörung der betroffenen Organe ab. Eine unzureichend entwickelte Thymusdrüse führt zu einer unterschiedlich stark ausgeprägten Immunschwäche mit erhöhter Anfälligkeit für wiederkehrende, teils schwere Infektionen, insbesondere durch Viren und Pilze. Eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen verursacht einen verminderten Kalziumspiegel im Blut, der sich bereits im Neugeborenenalter durch Muskelzuckungen oder Krampfanfälle äußern kann. Angeborene Herzfehler, häufig komplexe Fehlbildungen der großen herznahen Gefäße, gehören ebenfalls zum charakteristischen Erscheinungsbild und können bereits kurz nach der Geburt zu einer bedrohlichen Kreislaufsituation führen. Zusätzlich zeigen viele betroffene Kinder charakteristische Gesichtsmerkmale, Sprachentwicklungsverzögerungen sowie ein erhöhtes Risiko für psychiatrische Erkrankungen im späteren Leben.
Diagnostik
Die Diagnose des Di-George-Syndroms wird durch eine molekulargenetische Untersuchung gestellt, bei der die charakteristische Mikrodeletion auf Chromosom 22 nachgewiesen wird, häufig veranlasst durch das Vorliegen eines angeborenen Herzfehlers in Kombination mit einer neonatalen Unterfunktion der Nebenschilddrüsen oder auffälligen Infektionen. Eine Untersuchung der Immunfunktion, insbesondere die Bestimmung der Anzahl bestimmter Immunzellen im Blut, gibt Aufschluss über das Ausmaß der Thymusfunktionsstörung. Eine Bestimmung des Kalziumspiegels im Blut sowie eine echokardiographische Untersuchung des Herzens gehören zur Basisdiagnostik bei bestätigter oder vermuteter Diagnose. Bei bereits bekannter familiärer Belastung kann die Diagnose auch bereits vorgeburtlich mittels entsprechender genetischer Untersuchung gestellt werden.
Behandlung
Die Behandlung des Di-George-Syndroms erfolgt interdisziplinär und richtet sich nach der individuellen Ausprägung der betroffenen Organe. Ein angeborener Herzfehler erfordert häufig eine operative Korrektur, die je nach Schwere der Fehlbildung bereits im frühen Säuglingsalter notwendig werden kann. Eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen wird durch eine gezielte Kalzium- und Vitamin-D-Substitution behandelt, um den Kalziumspiegel im Normbereich zu halten. Bei schwerer Immunschwäche mit nahezu fehlender Thymusfunktion kann in ausgewählten spezialisierten Zentren eine Thymustransplantation erwogen werden, während bei milderer Immunschwäche eine vorbeugende antibiotische Behandlung sowie eine sorgfältige Impfplanung im Vordergrund stehen. Eine begleitende logopädische sowie entwicklungsfördernde Therapie unterstützt die kindliche Entwicklung.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf und die Prognose des Di-George-Syndroms hängen wesentlich vom Ausmaß der betroffenen Organsysteme ab, insbesondere von der Schwere des angeborenen Herzfehlers sowie des Immundefekts. Bei erfolgreicher operativer Korrektur eines vorliegenden Herzfehlers sowie angemessener Behandlung der Immunschwäche können viele betroffene Kinder ein weitgehend normales Leben führen, wenngleich Entwicklungsverzögerungen sowie ein erhöhtes Risiko für psychiatrische Erkrankungen wie Angststörungen oder Schizophrenie im weiteren Leben bestehen bleiben können. Bei besonders schwer betroffenen Kindern mit nahezu vollständig fehlender Thymusfunktion ist die Prognose ohne spezialisierte Behandlung, etwa eine Thymustransplantation, deutlich eingeschränkter. Eine lebenslange, interdisziplinäre Nachsorge unter Einbeziehung verschiedener Fachrichtungen wird für alle Betroffenen empfohlen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Di-George-Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Welche genetische Ursache hat das Di-George-Syndrom?
Das Fehlen eines kleinen Abschnitts auf dem Chromosom 22, eine sogenannte Mikrodeletion, die die Entwicklung mehrerer Organe während der frühen Embryonalphase stört.
Welche drei Organsysteme sind typischerweise betroffen?
Die Thymusdrüse, die Nebenschilddrüsen sowie das Herz, insbesondere die großen herznahen Gefäße.
Warum führt eine gestörte Thymusentwicklung zu einer Immunschwäche?
Weil in der Thymusdrüse normalerweise ein wichtiger Teil der Immunzellen, die T-Zellen, heranreifen, was bei unzureichender Entwicklung des Organs beeinträchtigt ist.
Kann eine schwere Immunschwäche beim Di-George-Syndrom behandelt werden?
Bei nahezu fehlender Thymusfunktion kann in spezialisierten Zentren eine Thymustransplantation erwogen werden.
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