Dammriss unter der Geburt
Ein Dammriss ist ein Einriss des Gewebes zwischen der hinteren Scheidenwand und dem After, der während der Austreibungsphase der Geburt entstehen kann, wenn das Gewebe des Damms der Dehnung durch den kindlichen Kopf nicht ausreichend nachgeben kann. Dammrisse zählen zu den häufigsten geburtshilflichen Verletzungen und werden je nach Ausmaß der betroffenen Gewebeschichten in vier Schweregrade eingeteilt, von einem oberflächlichen Einriss der Haut bis hin zu einer Verletzung, die den Schließmuskel des Afters oder sogar die Darmschleimhaut mitbetrifft. Während leichtere Dammrisse häufig gar nicht genäht werden müssen und von selbst folgenlos abheilen, erfordern ausgeprägtere Formen eine sorgfältige chirurgische Versorgung, um die spätere Funktion des Beckenbodens und des Schließmuskels bestmöglich zu erhalten. Die meisten Frauen erholen sich nach einem Dammriss innerhalb weniger Wochen vollständig, auch wenn die Heilungsphase mit Beschwerden verbunden sein kann.
Ursachen
Ein Dammriss entsteht, wenn das Gewebe zwischen Scheide und After der raschen und starken Dehnung während der Austreibungsphase der Geburt nicht ausreichend nachgeben kann. Begünstigende Faktoren sind eine erstmalige vaginale Geburt, ein besonders rascher Geburtsverlauf, ein hohes Geburtsgewicht des Kindes, eine ungünstige Kindslage sowie der Einsatz von geburtshilflichen Instrumenten wie Zange oder Saugglocke. Auch eine wenig dehnbare Dammhaut, etwa bei bestimmten Bindegewebseigenschaften, sowie eine unzureichende Entspannung der Beckenbodenmuskulatur während der Geburt können das Risiko erhöhen. Ein bereits durchgeführter Dammschnitt (Episiotomie) in einer früheren Geburt kann das Narbengewebe weniger elastisch machen und dadurch das Risiko eines erneuten Risses an gleicher Stelle geringfügig erhöhen. Eine gute geburtshilfliche Betreuung mit kontrolliertem Austreiben des kindlichen Kopfes kann das Risiko eines ausgeprägten Dammrisses reduzieren.
Symptome
Ein Dammriss äußert sich unmittelbar durch eine sichtbare Gewebeverletzung im Dammbereich, die je nach Schweregrad unterschiedlich stark blutet. Bei leichteren Formen, die nur die Haut oder oberflächliche Muskelschichten betreffen, sind die Beschwerden meist gering und die Blutung überschaubar. Bei tieferen Rissen, die den analen Schließmuskel oder die Darmschleimhaut mitbetreffen, können stärkere Schmerzen sowie eine ausgeprägtere Blutung auftreten. In der Zeit nach der Geburt berichten viele Frauen unabhängig vom Schweregrad über Schmerzen und ein Wund- oder Druckgefühl im Dammbereich, die sich beim Sitzen, Gehen oder beim Stuhlgang verstärken können. Bei tiefergehenden Verletzungen mit Beteiligung des Schließmuskels können in der Heilungsphase zusätzlich Schwierigkeiten bei der Kontrolle von Stuhl oder Winden auftreten, die jedoch bei fachgerechter Versorgung meist folgenlos ausheilen.
Diagnostik
Unmittelbar nach der Geburt wird der Dammbereich durch die Hebamme oder den Geburtshelfer sorgfältig inspiziert, um Vorhandensein und Ausmaß eines Risses festzustellen. Dabei wird auch eine rektale Untersuchung durchgeführt, um eine mögliche Mitbeteiligung des Schließmuskels oder der Darmschleimhaut zuverlässig zu erkennen, da diese von außen nicht immer eindeutig sichtbar ist. Die Einteilung erfolgt nach international gebräuchlichen Schweregraden, die das Ausmaß der betroffenen Gewebeschichten beschreiben und die weitere Behandlung sowie die Prognose maßgeblich bestimmen. Eine genaue Einschätzung des Schweregrades ist wichtig, um die Naht sachgerecht und mit der passenden chirurgischen Technik durchzuführen, insbesondere bei einer Beteiligung des Schließmuskels, die eine spezialisierte Versorgung erfordert.
Behandlung
Kleinere, oberflächliche Dammrisse ersten Grades heilen häufig auch ohne Naht von selbst gut ab, während Risse zweiten Grades in der Regel unter örtlicher Betäubung genäht werden, um eine gute Wundheilung zu unterstützen und Schmerzen zu lindern. Bei Rissen dritten und vierten Grades, die den Schließmuskel oder die Darmschleimhaut betreffen, ist eine sorgfältige, schichtweise chirurgische Versorgung notwendig, die häufig durch eine erfahrene Fachärztin oder einen erfahrenen Facharzt erfolgt, um die Funktion des Schließmuskels bestmöglich wiederherzustellen. Nach der Naht wird in der Regel eine gute Wundhygiene empfohlen, ergänzt durch schmerzlindernde Maßnahmen wie Kühlung, entzündungshemmende Medikamente sowie stuhlweichmachende Mittel, um den Stuhlgang in der Heilungsphase zu erleichtern und die Naht zu schonen. Bei ausgeprägten Verletzungen kann eine begleitende Beckenbodenphysiotherapie sinnvoll sein.
Verlauf und Prognose
Die meisten Dammrisse heilen innerhalb weniger Wochen gut ab, wobei leichtere Formen in der Regel folgenlos ausheilen und die betroffenen Frauen rasch wieder beschwerdefrei sind. Bei Rissen mit Beteiligung des Schließmuskels ist die Prognose bei fachgerechter Versorgung ebenfalls überwiegend gut, wobei ein kleinerer Teil der betroffenen Frauen auch nach guter Naht über einen längeren Zeitraum leichte Beeinträchtigungen der Stuhlkontrolle berichten kann. Eine konsequente Nachsorge, gegebenenfalls mit Beckenbodentraining, unterstützt die vollständige funktionelle Erholung. Bei einer erneuten Schwangerschaft nach einem ausgeprägten Dammriss wird die Geburtsplanung individuell besprochen, wobei eine erneute vaginale Geburt bei den meisten Frauen grundsätzlich möglich ist. Insgesamt ist die langfristige Prognose nach einem Dammriss bei angemessener Behandlung sehr gut.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Dammriss unter der Geburt: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Muss jeder Dammriss genäht werden?
Nein, sehr oberflächliche Risse ersten Grades heilen häufig auch ohne Naht gut ab. Ab dem zweiten Schweregrad wird in der Regel genäht, um die Wundheilung zu unterstützen.
Wie lange dauert die Heilung nach einem Dammriss?
Die meisten Dammrisse heilen innerhalb weniger Wochen ab, wobei leichtere Formen schneller ausheilen als ausgeprägtere Risse mit Beteiligung des Schließmuskels, bei denen die vollständige Erholung länger dauern kann.
Kann ein Dammriss die spätere Stuhlkontrolle beeinträchtigen?
Bei Rissen mit Beteiligung des Schließmuskels besteht ein gewisses Risiko für vorübergehende oder, seltener, anhaltende Beeinträchtigungen der Stuhlkontrolle, das durch eine fachgerechte Naht und Beckenbodentraining deutlich reduziert werden kann.
Ist nach einem Dammriss dritten oder vierten Grades eine erneute vaginale Geburt möglich?
In den meisten Fällen ja, die Entscheidung wird jedoch individuell in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt unter Berücksichtigung des Heilungsverlaufs und der Funktion des Schließmuskels getroffen.
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