Erworbene Stenose des äußeren Gehörganges
Eine erworbene Stenose des äußeren Gehörganges bezeichnet eine im Laufe des Lebens entstandene, nicht angeborene Verengung des Gehörgangs zwischen Ohrmuschel und Trommelfell, die den normalen Schalltransport zum Trommelfell sowie die natürliche Selbstreinigung des Ohres beeinträchtigen kann. Anders als eine angeborene Gehörgangsverengung entsteht diese Form meist als Folge wiederkehrender Entzündungen, chronischer Reizungen oder Verletzungen des Gehörgangs, die im Laufe der Zeit zu einer narbigen Verengung oder knöchernen Verdickung der Gehörgangswand führen können. Betroffene bemerken die Verengung häufig durch ein zunehmendes Völlegefühl im Ohr, eine schleichende Hörminderung oder eine erschwerte Reinigung des Gehörgangs, die zu einer vermehrten Ansammlung von Ohrenschmalz und wiederkehrenden Entzündungen führen kann. Da die Verengung meist langsam fortschreitet, wird sie von Betroffenen mitunter erst spät bemerkt.
Ursachen
Häufigste Ursache ist eine chronisch wiederkehrende oder unzureichend ausgeheilte Entzündung des äußeren Gehörgangs, bei der die wiederholte Reizung und Vernarbung der Gehörgangshaut im Laufe der Zeit zu einer zunehmenden Verengung des Gehörgangs führt. Auch chronisch-entzündliche Hauterkrankungen, die den Gehörgang mitbetreffen, etwa ein ausgeprägtes Ekzem, können durch anhaltende Reizung und Vernarbung eine Stenose begünstigen. Verletzungen des Gehörgangs, etwa durch wiederholte mechanische Reizung mit Wattestäbchen oder anderen Gegenständen, sowie Zustände nach bestimmten Ohroperationen können ebenfalls zu einer narbigen Verengung führen. Seltener entsteht eine Gehörgangsstenose durch eine knöcherne Neubildung der Gehörgangswand, die sich über Jahre hinweg entwickeln kann, insbesondere bei Menschen, die häufig kaltem Wasser ausgesetzt sind, etwa bei regelmäßigem Schwimmen in kaltem Wasser.
Symptome
Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend über einen längeren Zeitraum. Viele Betroffene bemerken zunächst ein zunehmendes Völlegefühl oder ein Druckgefühl im betroffenen Ohr sowie eine allmählich fortschreitende, meist leichte bis mäßige Hörminderung, die durch die eingeschränkte Schallleitung durch den verengten Gehörgang entsteht. Da die natürliche Selbstreinigung des Ohres durch die Verengung erschwert ist, kommt es häufiger zu einer Ansammlung von Ohrenschmalz, die das Hörvermögen zusätzlich beeinträchtigen kann, sowie zu wiederkehrenden Entzündungen des Gehörgangs mit Juckreiz, Ausfluss oder Schmerzen. Bei ausgeprägter Verengung kann es zudem schwieriger werden, das Trommelfell bei einer ärztlichen Untersuchung vollständig einzusehen, was die Diagnostik anderer Ohrerkrankungen erschweren kann.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch eine otoskopische Untersuchung des Gehörgangs gestellt, bei der sich die Verengung sowie mögliche begleitende Veränderungen wie Vernarbungen, knöcherne Verdickungen oder eine Entzündung direkt beurteilen lassen. Eine Hörprüfung dokumentiert das Ausmaß einer möglichen Hörminderung und hilft, den Behandlungsbedarf einzuschätzen. Bei ausgeprägter oder unklarer Verengung, insbesondere wenn eine knöcherne Beteiligung vermutet wird, kann eine bildgebende Untersuchung mittels Computertomographie des Felsenbeins zusätzliche Informationen über Ausmaß und Ursache der Verengung liefern. Eine ausführliche Anamnese, die frühere Ohrentzündungen, Hauterkrankungen, Verletzungen oder Operationen des Ohres erfasst, liefert wichtige zusätzliche Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache.
Behandlung
Bei leichter Verengung ohne wesentliche Beschwerden ist häufig keine spezifische Behandlung notwendig, wobei eine regelmäßige fachärztliche Kontrolle sowie eine schonende, professionelle Reinigung des Gehörgangs bei Bedarf ausreichend sein können. Bei häufig wiederkehrenden Entzündungen wird zunächst eine konsequente Behandlung dieser Entzündungen sowie die Vermeidung begünstigender Faktoren, etwa übermäßiger mechanischer Reizung des Gehörgangs, angestrebt. Bei ausgeprägter, funktionell relevanter Verengung mit deutlicher Hörminderung oder wiederkehrenden, schwer behandelbaren Entzündungen kann eine operative Erweiterung des Gehörgangs erwogen werden, bei der vernarbtes oder knöchern verdicktes Gewebe entfernt und der Gehörgang mit Haut ausgekleidet wird, um seine natürliche Weite und Selbstreinigungsfunktion möglichst wiederherzustellen.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf hängt wesentlich von der zugrunde liegenden Ursache sowie dem Ausmaß der Verengung ab. Bei konsequenter Behandlung zugrunde liegender Entzündungen und regelmäßiger fachärztlicher Kontrolle lässt sich ein weiteres Fortschreiten der Verengung bei vielen Betroffenen verlangsamen oder aufhalten. Unbehandelt kann sich eine narbige oder knöcherne Verengung im Laufe der Zeit weiter verstärken und zu einer zunehmenden Beeinträchtigung von Hörvermögen und Ohrhygiene führen, verbunden mit einem erhöhten Risiko für wiederkehrende Entzündungen. Nach einer operativen Erweiterung des Gehörgangs berichten die meisten Betroffenen über eine deutliche Verbesserung von Hörvermögen und Reinigungsfähigkeit des Ohres, wobei eine langfristige Nachsorge sinnvoll ist, um ein erneutes Vernarben des operierten Bereichs frühzeitig zu erkennen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Erworbene Stenose des äußeren Gehörganges: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Muss eine Gehörgangsverengung immer operiert werden?
Nein, bei leichter Ausprägung ohne wesentliche Beschwerden reicht häufig eine regelmäßige Kontrolle und schonende Reinigung. Eine Operation wird vor allem bei deutlicher Hörminderung oder häufig wiederkehrenden Entzündungen erwogen.
Warum begünstigt eine Gehörgangsverengung Ohrentzündungen?
Weil die natürliche Selbstreinigung des Ohres durch die Verengung erschwert wird, wodurch sich Ohrenschmalz und Feuchtigkeit leichter ansammeln können, was das Risiko für wiederkehrende Entzündungen erhöht.
Kann häufiges Verwenden von Wattestäbchen zu einer Gehörgangsverengung beitragen?
Ja, wiederholte mechanische Reizung des Gehörgangs, etwa durch Wattestäbchen, kann Vernarbungen begünstigen, die im Laufe der Zeit zu einer Verengung führen können. Von der Verwendung von Wattestäbchen im Gehörgang wird daher generell abgeraten.
Wie wird eine erworbene Gehörgangsstenose festgestellt?
In erster Linie durch eine otoskopische Untersuchung des Gehörgangs, ergänzt durch eine Hörprüfung und, bei ausgeprägten oder unklaren Befunden, eine bildgebende Untersuchung mittels Computertomographie.
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