Dakryoadenitis
Die Dakryoadenitis bezeichnet eine akute oder chronische Entzündung der Tränendrüse, jener im äußeren oberen Bereich der Augenhöhle gelegenen Drüse, die für die Produktion des flüssigen Anteils des Tränenfilms verantwortlich ist, und äußert sich durch eine charakteristische, schmerzhafte Schwellung des äußeren oberen Augenlids. Die Erkrankung wird je nach ihrem zeitlichen Verlauf in eine akute Verlaufsform, die meist durch eine Infektion mit Viren oder Bakterien verursacht wird, sowie eine chronische Verlaufsform unterschieden, die häufiger im Zusammenhang mit bestimmten Autoimmunerkrankungen oder systemischen Entzündungserkrankungen auftritt. Während die akute Dakryoadenitis in aller Regel einen begrenzten, gut behandelbaren Verlauf nimmt, kann die chronische Verlaufsform auf eine ernstzunehmende, weiterführend abzuklärende Grunderkrankung hinweisen.
Ursachen
Die akute Dakryoadenitis wird überwiegend durch eine Infektion mit bestimmten Viren, insbesondere im Rahmen einer Mumps- oder Epstein-Barr-Virus-Infektion, oder durch eine bakterielle Infektion verursacht, die zu einer plötzlichen, schmerzhaften Entzündung der Tränendrüse führt. Die chronische Dakryoadenitis steht dagegen häufiger im Zusammenhang mit bestimmten Autoimmunerkrankungen sowie systemischen Entzündungserkrankungen, bei denen die Tränendrüse als Teil einer breiter angelegten körpereigenen Entzündungsreaktion mit betroffen ist. Seltener wird eine Dakryoadenitis durch eine Verletzung der Tränendrüse oder, insbesondere bei der chronischen Verlaufsform, durch einen gutartigen oder bösartigen Tumor der Tränendrüse selbst verursacht.
Symptome
Die akute Dakryoadenitis äußert sich durch eine plötzlich auftretende, deutlich schmerzhafte Schwellung sowie Rötung des äußeren oberen Bereichs des betroffenen Augenlids, die dem Augenlid eine charakteristische, paragraphenzeichenförmige Kontur verleihen kann, sowie durch eine begleitende Rötung der darüberliegenden Augenoberfläche. Bei der chronischen Dakryoadenitis entwickelt sich die Schwellung des äußeren oberen Augenlids dagegen langsam über Wochen bis Monate und ist in aller Regel deutlich weniger schmerzhaft oder sogar vollständig schmerzlos, was die Diagnosestellung mitunter erschwert. Begleitende Allgemeinsymptome, insbesondere Fieber bei der akuten sowie Symptome der jeweiligen zugrunde liegenden Grunderkrankung bei der chronischen Verlaufsform, können die Augenbeschwerden zusätzlich begleiten.
Diagnostik
Die Diagnose der Dakryoadenitis wird zunächst anhand des charakteristischen klinischen Erscheinungsbildes der schmerzhaften oder schmerzlosen Schwellung des äußeren oberen Augenlids gestellt, wobei die genaue Unterscheidung zwischen der akuten sowie chronischen Verlaufsform bereits wichtige Hinweise auf die wahrscheinliche zugrunde liegende Ursache liefert. Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende virale oder bakterielle Infektion können gezielte Blutuntersuchungen sowie Erregerbestimmungen zur Identifikation des verursachenden Erregers beitragen. Bei der chronischen Verlaufsform wird eine umfassende weiterführende Abklärung möglicher zugrunde liegender Autoimmun- oder systemischer Entzündungserkrankungen empfohlen, wobei bei unklarem oder anhaltendem Befund eine Gewebeprobe der betroffenen Tränendrüse zur endgültigen Diagnosesicherung sowie zum Ausschluss eines zugrunde liegenden Tumors entnommen werden kann.
Behandlung
Die Behandlung der akuten, viral bedingten Dakryoadenitis erfolgt überwiegend symptomatisch mit kühlenden sowie schmerzlindernden Maßnahmen, da die zugrunde liegende Virusinfektion in aller Regel innerhalb weniger Wochen von selbst ausheilt, während bei einer bakteriell bedingten Ursache eine gezielte antibiotische Behandlung eingesetzt wird. Die Behandlung der chronischen Dakryoadenitis richtet sich nach der jeweils zugrunde liegenden Autoimmun- oder systemischen Entzündungserkrankung, wobei eine gezielte, das Immunsystem regulierende oder entzündungshemmende Behandlung dieser Grunderkrankung im Vordergrund steht. Bei einem zugrunde liegenden Tumor der Tränendrüse wird die Behandlung individuell nach Art sowie Ausdehnung des Tumors geplant, wobei eine operative Entfernung häufig die wichtigste Behandlungsoption darstellt.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der akuten Dakryoadenitis ist sehr gut, da die Erkrankung bei den meisten Betroffenen innerhalb weniger Wochen folgenlos ausheilt, unabhängig davon, ob eine virale oder bakterielle Ursache zugrunde liegt. Die Prognose der chronischen Dakryoadenitis hängt maßgeblich von der zugrunde liegenden Autoimmun- oder systemischen Entzündungserkrankung ab, wobei eine konsequente Behandlung dieser Grunderkrankung bei vielen Betroffenen zu einer deutlichen Besserung der Augenbeschwerden beitragen kann. Eine regelmäßige augenärztliche sowie bei Bedarf zusätzliche fachärztliche Verlaufskontrolle wird bei der chronischen Verlaufsform empfohlen, um sowohl den Verlauf der Grunderkrankung als auch die Augenbeschwerden zuverlässig zu überwachen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Dakryoadenitis: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wodurch unterscheiden sich die akute und chronische Dakryoadenitis?
Die akute Form ist meist viral oder bakteriell bedingt und schmerzhaft, die chronische Form steht häufiger im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen und verläuft eher schmerzlos.
Wie sieht die charakteristische Schwellung aus?
Eine Schwellung des äußeren oberen Bereichs des betroffenen Augenlids mit einer charakteristischen, paragraphenzeichenförmigen Kontur.
Heilt die akute Dakryoadenitis von selbst aus?
Bei viraler Ursache ja, in aller Regel innerhalb weniger Wochen folgenlos.
Wie wird die chronische Form behandelt?
Durch eine gezielte Behandlung der jeweils zugrunde liegenden Autoimmun- oder systemischen Entzündungserkrankung.
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