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Innere Medizin

Akutes Atemnotsyndrom (ARDS)

Das akute Atemnotsyndrom, im englischen Sprachraum als Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) bezeichnet, ist eine schwere, plötzlich einsetzende Form des Lungenversagens, bei der sich infolge einer ausgeprägten Entzündungsreaktion Flüssigkeit in den Lungenbläschen ansammelt und der Gasaustausch zwischen Luft und Blut erheblich beeinträchtigt wird. Diese Erkrankung tritt nicht als eigenständige Lungenerkrankung auf, sondern stets als schwere Komplikation einer anderen, oft lebensbedrohlichen Grunderkrankung oder Verletzung, die eine massive Entzündungsreaktion im gesamten Körper und insbesondere in der Lunge auslöst. Charakteristisch ist eine rasch fortschreitende Atemnot mit einem ausgeprägten Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut, die trotz hochdosierter Sauerstoffgabe oft nicht ausreichend gebessert werden kann und in der Regel eine intensivmedizinische Behandlung mit maschineller Beatmung erforderlich macht.

Ursachen

Ein akutes Atemnotsyndrom kann durch eine Vielzahl unterschiedlicher schwerer Erkrankungen und Verletzungen ausgelöst werden, die eine ausgeprägte Entzündungsreaktion im Körper hervorrufen. Zu den häufigsten Auslösern zählen schwere Lungenentzündungen, insbesondere durch Viren oder Bakterien, eine schwere Blutvergiftung (Sepsis) unabhängig vom Ursprungsort der Infektion sowie das Einatmen von Mageninhalt (Aspiration). Auch schwere Verletzungen mit ausgedehntem Gewebeschaden, eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, Verbrennungen sowie, seltener, eine Überdosierung bestimmter Substanzen können ein akutes Atemnotsyndrom auslösen. Der gemeinsame Mechanismus aller Auslöser besteht darin, dass die zugrunde liegende Erkrankung eine ausgeprägte Entzündungsreaktion in Gang setzt, die die feinen Blutgefäße der Lungenbläschen durchlässiger macht, wodurch Flüssigkeit und Entzündungszellen in die Lungenbläschen übertreten und den Gasaustausch behindern.

Symptome

Das Leitsymptom ist eine rasch, meist innerhalb weniger Stunden bis Tage nach dem auslösenden Ereignis einsetzende, zunehmende Atemnot, die von einer beschleunigten, angestrengten Atmung begleitet wird. Betroffene zeigen häufig eine bläuliche Verfärbung der Haut und Schleimhäute als Zeichen des Sauerstoffmangels, der sich trotz zunehmender Sauerstoffgabe oft nur unzureichend bessert. Die Atemnot verschlechtert sich typischerweise rasch und kann innerhalb kurzer Zeit zu einem lebensbedrohlichen Ausmaß fortschreiten, das eine maschinelle Beatmung erforderlich macht. Da die Erkrankung stets als Komplikation einer Grunderkrankung auftritt, bestehen zusätzlich häufig Symptome dieser ursächlichen Erkrankung, etwa Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl bei zugrunde liegender Infektion, oder Zeichen des ursprünglichen Traumas bei einer schweren Verletzung.

Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf eine Kombination aus dem charakteristischen klinischen Bild einer rasch fortschreitenden Atemnot mit ausgeprägtem Sauerstoffmangel sowie auf eine Bildgebung der Lunge, meist mittels Röntgenaufnahme oder Computertomographie, die beidseitige, diffuse Verschattungen als Zeichen der Flüssigkeitsansammlung in den Lungenbläschen zeigt. Eine Blutgasanalyse quantifiziert das Ausmaß des Sauerstoffmangels im Verhältnis zur verabreichten Sauerstoffkonzentration, was für die Einordnung des Schweregrades von zentraler Bedeutung ist. Wichtig für die Diagnosestellung ist zudem der Ausschluss einer Herzschwäche als alternative Ursache der Flüssigkeitsansammlung in der Lunge, wofür unter anderem eine Herzultraschalluntersuchung eingesetzt werden kann. Parallel zur Diagnose des Atemnotsyndroms selbst wird intensiv nach der auslösenden Grunderkrankung gesucht, deren Behandlung für den weiteren Verlauf entscheidend ist.

Behandlung

Die Behandlung des akuten Atemnotsyndroms erfolgt praktisch immer auf einer Intensivstation und umfasst neben der gezielten Behandlung der auslösenden Grunderkrankung eine unterstützende Beatmungstherapie, die den Gasaustausch verbessern und die Lunge gleichzeitig vor weiterem Schaden durch die Beatmung selbst schützen soll. Hierzu werden spezielle, schonende Beatmungsstrategien mit begrenztem Atemzugvolumen eingesetzt, die das Risiko einer zusätzlichen Lungenschädigung durch die maschinelle Beatmung reduzieren. Bei besonders schweren Verläufen kann in ausgewählten Zentren eine sogenannte extrakorporale Membranoxygenierung eingesetzt werden, bei der das Blut außerhalb des Körpers künstlich mit Sauerstoff angereichert wird, um die stark beeinträchtigte Lunge zu entlasten. Eine sorgfältige Flüssigkeits- und Kreislaufsteuerung sowie die Behandlung möglicher weiterer Organkomplikationen sind wichtige Bestandteile der intensivmedizinischen Gesamtbehandlung.

Verlauf und Prognose

Das akute Atemnotsyndrom ist eine ernste, potenziell lebensbedrohliche Erkrankung mit einer auch bei optimaler Behandlung relevanten Sterblichkeit, die stark vom Schweregrad, der auslösenden Grunderkrankung sowie dem Alter und Allgemeinzustand der betroffenen Person abhängt. Überlebende der akuten Erkrankungsphase erholen sich in vielen Fällen über Wochen bis Monate hinweg, wobei ein Teil der Betroffenen über längere Zeit unter einer verminderten körperlichen Belastbarkeit sowie einer eingeschränkten Lungenfunktion leidet. Eine strukturierte, oft langwierige Rehabilitation kann die Erholung der körperlichen Leistungsfähigkeit unterstützen. Eine frühzeitige, konsequente Behandlung der auslösenden Grunderkrankung sowie eine schonende, lungenprotektive Beatmungsstrategie sind entscheidend, um die Prognose des akuten Atemnotsyndroms bestmöglich zu verbessern.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Kann ein akutes Atemnotsyndrom eigenständig entstehen, ohne eine andere Grunderkrankung?

Nein, es tritt immer als schwere Komplikation einer anderen Erkrankung oder Verletzung auf, die eine ausgeprägte Entzündungsreaktion im Körper auslöst, etwa eine schwere Lungenentzündung, eine Blutvergiftung oder ein schweres Trauma.

Warum reicht bei ARDS oft eine einfache Sauerstoffgabe nicht aus?

Weil die Flüssigkeitsansammlung in den Lungenbläschen den Gasaustausch so stark behindert, dass selbst hochdosierter Sauerstoff nicht ausreichend ins Blut gelangen kann, weshalb meist eine maschinelle Beatmung notwendig wird.

Was ist eine lungenprotektive Beatmungsstrategie?

Eine schonende Beatmungsform mit begrenztem Atemzugvolumen, die den Gasaustausch unterstützt und gleichzeitig das Risiko einer zusätzlichen Schädigung der bereits geschwächten Lunge durch die Beatmung selbst verringert.

Erholt sich die Lungenfunktion nach überstandenem ARDS vollständig?

Bei vielen Betroffenen bessert sich die Lungenfunktion über Wochen bis Monate deutlich, ein Teil leidet jedoch über längere Zeit unter einer verminderten körperlichen Belastbarkeit und eingeschränkten Lungenfunktion.

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