Akute Parametritis und Entzündung des Beckenbindegewebes
Die akute Parametritis bezeichnet eine akute Entzündung des Bindegewebes seitlich der Gebärmutter, des sogenannten Parametriums, das sich zwischen den beiden Blättern des breiten Mutterbandes im kleinen Becken erstreckt. Sie entsteht meist als Fortleitung einer aufsteigenden Infektion aus der Gebärmutter oder den Eileitern, kann jedoch auch als Folge eines vorausgegangenen gynäkologischen Eingriffs oder einer Entbindung auftreten. Da das Beckenbindegewebe eng mit den umliegenden Organen des kleinen Beckens sowie mit größeren Blutgefäßen in Verbindung steht, kann sich eine akute Parametritis bei unzureichender Behandlung auf benachbarte Strukturen ausbreiten und zu ernsteren Komplikationen führen. Betroffen sind vor allem Frauen im gebärfähigen Alter, wobei die Erkrankung heute aufgrund verbesserter Hygiene- und Behandlungsstandards seltener geworden ist als in früheren Jahrzehnten.
Ursachen
Die akute Parametritis entsteht in den meisten Fällen durch eine aufsteigende bakterielle Infektion, die von einer bestehenden Entzündung der Gebärmutter oder der Eileiter auf das umliegende Bindegewebe übergreift. Eine besonders häufige Ursache ist eine Infektion im Zusammenhang mit einer Entbindung, insbesondere nach einem Kaiserschnitt oder bei verlängertem Geburtsverlauf mit vorzeitigem Blasensprung, da hierbei Krankheitserreger leichter aufsteigen können. Auch nach gynäkologischen Eingriffen wie einer Ausschabung, dem Einsetzen einer Spirale oder einer Operation im Bereich der Gebärmutter kann sich eine Parametritis entwickeln, wenn Krankheitserreger während des Eingriffs in das Bindegewebe gelangen. Seltener breitet sich eine Entzündung von benachbarten Organen, etwa dem Blinddarm oder dem Enddarm, auf das Beckenbindegewebe aus.
Symptome
Die akute Parametritis äußert sich typischerweise durch starke, meist einseitige Unterbauchschmerzen, die häufig in den Rücken oder die Oberschenkel ausstrahlen können, begleitet von hohem Fieber und einem ausgeprägten allgemeinen Krankheitsgefühl. Betroffene Frauen berichten häufig über eine deutliche Verschlechterung der Beschwerden bei Bewegung sowie über eine schmerzhafte Abwehrspannung im Unterbauch. Zusätzlich können ein übelriechender, veränderter Ausfluss aus der Scheide sowie Beschwerden beim Wasserlassen auftreten, wenn die Entzündung auf die benachbarte Harnblase übergreift. Bei fortgeschrittener Entzündung mit Ausbreitung auf umliegende Strukturen kann sich das allgemeine Krankheitsgefühl rasch verschlechtern, was auf eine drohende Komplikation hinweisen kann.
Diagnostik
Die Diagnose der akuten Parametritis stützt sich auf die gynäkologische Untersuchung, bei der sich seitlich der Gebärmutter eine schmerzhafte, teigig-derbe Verhärtung des Bindegewebes tasten lässt, sowie auf laborchemische Entzündungszeichen im Blut. Eine Ultraschalluntersuchung des Beckens durch die Scheide hilft dabei, das Ausmaß der Entzündung zu beurteilen und eine Abszessbildung, also eine abgekapselte Eiteransammlung, frühzeitig zu erkennen. Zur gezielten antibiotischen Behandlung werden Abstriche aus der Scheide und dem Gebärmutterhals zur Erregerbestimmung entnommen. Bei unklarem Befund oder Verdacht auf eine Beteiligung weiterer Organe des Beckens kann ergänzend eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie des Beckens durchgeführt werden.
Behandlung
Die Behandlung der akuten Parametritis erfolgt in der Regel stationär mit einer intravenösen antibiotischen Therapie, die zunächst breit gegen die häufigsten in Frage kommenden Bakterien wirkt und nach Vorliegen des Erregernachweises gezielt angepasst wird. Begleitend werden Bettruhe, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente empfohlen, um den Behandlungsverlauf zu unterstützen. Bildet sich im Rahmen der Entzündung ein Abszess, also eine abgekapselte Eiteransammlung, wird dieser in der Regel durch eine gezielte Punktion oder eine kleine operative Entlastung behandelt, da ein Abszess durch Antibiotika allein häufig nicht ausreichend erreicht wird. Nach Abklingen der akuten Symptome ist eine engmaschige Verlaufskontrolle wichtig, um eine vollständige Ausheilung sicherzustellen.
Verlauf und Prognose
Bei rechtzeitiger und konsequenter antibiotischer Behandlung heilt die akute Parametritis bei den meisten Frauen innerhalb weniger Wochen folgenlos aus. Wird die Behandlung verzögert oder ist sie unzureichend, besteht das Risiko einer Ausbreitung der Entzündung auf umliegende Organe oder Blutgefäße sowie das Risiko der Bildung eines größeren Abszesses, der eine operative Behandlung erforderlich machen kann. In seltenen, schweren Fällen kann sich die Entzündung auf angrenzende Venen ausbreiten und zu einer gefährlichen Blutgerinnselbildung führen. Nach ausgeheilter Parametritis kann narbiges Bindegewebe im kleinen Becken zurückbleiben, das in Einzelfällen zu chronischen Unterbauchbeschwerden führen kann, weshalb eine gründliche Nachsorge empfohlen wird.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Akute Parametritis und Entzündung des Beckenbindegewebes: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist das Parametrium?
Das Bindegewebe seitlich der Gebärmutter zwischen den beiden Blättern des breiten Mutterbandes, das bei der Parametritis entzündet ist.
Was sind häufige Auslöser einer akuten Parametritis?
Eine aufsteigende Infektion nach einer Entbindung, insbesondere nach Kaiserschnitt, sowie nach gynäkologischen Eingriffen wie einer Ausschabung oder dem Einsetzen einer Spirale.
Muss eine Parametritis immer operiert werden?
Nicht zwingend. Meist genügt eine intravenöse antibiotische Behandlung, nur bei Abszessbildung wird eine gezielte Punktion oder kleine Operation notwendig.
Kann eine Parametritis Folgen hinterlassen?
Nach Ausheilung kann narbiges Bindegewebe im Becken zurückbleiben, das in Einzelfällen chronische Unterbauchbeschwerden verursachen kann.
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