Akute oder fulminante Melioidose
Die akute oder fulminante Melioidose ist die schwere, rasch fortschreitende Verlaufsform einer Infektion mit dem Bakterium Burkholderia pseudomallei, das natürlicherweise im Boden und im Oberflächenwasser tropischer und subtropischer Regionen, insbesondere in Südostasien und Nordaustralien, vorkommt. Die Erkrankung wird daher überwiegend bei Menschen diagnostiziert, die sich in diesen Endemiegebieten aufhalten oder von dort zurückgekehrt sind, wobei die Übertragung meist durch den direkten Kontakt kontaminierten Bodens oder Wassers mit kleinen Hautverletzungen oder durch das Einatmen erregerhaltiger Aerosole erfolgt. Die akute Form ist durch einen raschen, oft innerhalb weniger Tage fortschreitenden Krankheitsverlauf gekennzeichnet und stellt eine der gefährlichsten Verlaufsformen der Melioidose dar, die unbehandelt eine hohe Sterblichkeit aufweist.
Ursachen
Die akute Melioidose entsteht durch eine Infektion mit dem im Boden und Oberflächenwasser lebenden Bakterium Burkholderia pseudomallei, wobei die Übertragung typischerweise durch direkten Hautkontakt mit kontaminiertem Erdreich oder Wasser über kleine Verletzungen, durch das Verschlucken kontaminierten Wassers oder durch das Einatmen erregerhaltiger Aerosole, insbesondere während starker Regenfälle oder Überschwemmungen, erfolgt. Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen, insbesondere einer Diabeteserkrankung, einer chronischen Nierenerkrankung oder einem geschwächten Immunsystem, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, nach Kontakt mit dem Erreger tatsächlich zu erkranken und dabei einen schweren, fulminanten Verlauf zu entwickeln. Landwirtschaftlich Tätige in den Endemiegebieten, die regelmäßigen Kontakt mit Reisfeldern und feuchtem Erdreich haben, sind besonders exponiert.
Symptome
Die akute, fulminante Melioidose äußert sich durch hohes Fieber, ausgeprägtes Krankheitsgefühl sowie rasch fortschreitende Symptome, die je nach betroffenem Organ variieren können. Am häufigsten entwickelt sich eine schwere Lungenentzündung mit Husten, Brustschmerzen und Atemnot, die sich innerhalb weniger Tage dramatisch verschlechtern kann. Zusätzlich können sich Abszesse in verschiedenen Organen wie der Leber, der Milz oder der Prostata bilden, die zu entsprechenden lokalen Beschwerden führen. Bei einer Streuung der Bakterien über die Blutbahn entwickelt sich eine lebensbedrohliche Blutvergiftung mit Kreislaufversagen, die als besonders gefürchtete Komplikation der fulminanten Form gilt. Hautinfektionen mit lokalen Abszessen an der ursprünglichen Eintrittsstelle können ebenfalls auftreten.
Diagnostik
Die Diagnose der akuten Melioidose wird durch den kulturellen Nachweis des Bakteriums Burkholderia pseudomallei aus Blut, Sputum, Wundsekret oder anderem infiziertem Material gestellt, wobei aufgrund der hohen Ansteckungsfähigkeit im Labor besondere Sicherheitsvorkehrungen erforderlich sind. Eine sorgfältige Reiseanamnese mit Frage nach einem Aufenthalt in Südostasien oder Nordaustralien sowie nach möglichem Kontakt mit Erdreich oder Oberflächenwasser ist von entscheidender Bedeutung für die rechtzeitige Diagnosestellung. Bildgebende Untersuchungen wie eine Computertomographie des Brustkorbs oder des Bauchraums helfen dabei, das Ausmaß der Lungenbeteiligung sowie mögliche Abszesse in inneren Organen zu erkennen. Bei entsprechendem klinischem Verdacht sollte die Diagnostik aufgrund des raschen Krankheitsverlaufs mit hoher Dringlichkeit erfolgen.
Behandlung
Die Behandlung der akuten Melioidose erfolgt in zwei Phasen: einer intensiven, meist mehrwöchigen intravenösen Anfangsbehandlung mit hochdosierten, gezielt gegen den Erreger wirksamen Antibiotika, gefolgt von einer mehrmonatigen oralen Erhaltungstherapie, die notwendig ist, um Rückfälle zu verhindern, da das Bakterium zu einem Verbleiben in ruhender Form im Körper neigt. Bei septischem Verlauf mit Kreislaufversagen ist eine intensivmedizinische Behandlung mit entsprechender Kreislaufunterstützung notwendig. Vorhandene Abszesse in inneren Organen müssen häufig zusätzlich durch eine gezielte Punktion oder operative Entlastung behandelt werden, da eine antibiotische Behandlung allein bei größeren Abszessen häufig nicht ausreicht. Die konsequente Einhaltung der vollständigen, mehrmonatigen Erhaltungstherapie ist entscheidend für den Behandlungserfolg.
Verlauf und Prognose
Die akute, fulminante Melioidose weist auch unter moderner intensivmedizinischer Behandlung eine erhebliche Sterblichkeit auf, insbesondere bei Betroffenen mit begleitender Blutvergiftung sowie bei vorbestehenden Grunderkrankungen wie Diabetes. Bei rechtzeitiger Diagnosestellung und konsequenter, ausreichend lange fortgeführter antibiotischer Behandlung kann jedoch ein erheblicher Teil der Betroffenen erfolgreich behandelt werden. Aufgrund der Neigung des Erregers, in ruhender Form im Körper zu verbleiben, besteht bei unzureichend langer Behandlung ein deutlich erhöhtes Risiko für einen Rückfall der Erkrankung, teils erst Monate bis Jahre nach der vermeintlichen Ausheilung. Eine langfristige Nachsorge nach überstandener Erkrankung wird daher empfohlen, um einen möglichen Rückfall frühzeitig zu erkennen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Akute oder fulminante Melioidose: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wo kommt der Erreger der Melioidose vor?
Im Boden und Oberflächenwasser tropischer und subtropischer Regionen, insbesondere in Südostasien und Nordaustralien.
Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf?
Menschen mit Grunderkrankungen wie Diabetes, chronischer Nierenerkrankung oder geschwächtem Immunsystem.
Warum ist die Behandlungsdauer bei Melioidose so lang?
Weil das Bakterium zu einem Verbleiben in ruhender Form im Körper neigt und eine zu kurze Behandlung das Risiko eines späteren Rückfalls deutlich erhöht.
Kann die Melioidose Jahre nach der Infektion erneut auftreten?
Ja, bei unzureichend langer Behandlung kann es teils erst Monate bis Jahre später zu einem Rückfall der Erkrankung kommen.
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