Wirbelosteomyelitis
Die Wirbelosteomyelitis bezeichnet eine ernstzunehmende bakterielle Infektion eines oder mehrerer Wirbelkörper, die entweder über die Blutbahn von einem anderweitigen Infektionsherd im Körper eingeschleppt wird oder, seltener, unmittelbar im Rahmen einer vorausgegangenen Operation an der Wirbelsäule entsteht. Die Erkrankung betrifft am häufigsten die Lendenwirbelsäule und kann unbehandelt zu einer fortschreitenden Zerstörung der betroffenen Wirbelkörper mit nachfolgender Instabilität der Wirbelsäule sowie, bei einer Ausbreitung der Infektion in Richtung des Wirbelkanals, zu schwerwiegenden neurologischen Komplikationen bis hin zu einer Querschnittlähmung führen. Angesichts dieser potenziell schwerwiegenden Komplikationen stellt die Wirbelosteomyelitis einen ernstzunehmenden medizinischen Notfall dar, der eine rasche Diagnosestellung sowie konsequente, langwierige Behandlung erfordert.
Ursachen
Die Wirbelosteomyelitis entsteht am häufigsten durch eine über die Blutbahn eingeschleppte bakterielle Infektion, die von einem anderweitigen Infektionsherd im Körper, etwa einer Harnwegsinfektion, einer Hautinfektion oder einer infizierten Gefäßzugangsstelle, ausgeht und sich über den Blutkreislauf in einem oder mehreren Wirbelkörpern ansiedelt. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, insbesondere bei einem bestehenden Diabetes mellitus, einer chronischen Nierenerkrankung mit Dialysebehandlung sowie einem intravenösen Drogenkonsum, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entstehung dieser Infektion. Seltener entsteht die Wirbelosteomyelitis unmittelbar im Rahmen einer vorausgegangenen Operation an der Wirbelsäule, bei der Bakterien direkt in den betroffenen Wirbelkörper gelangen.
Symptome
Die Wirbelosteomyelitis äußert sich durch einen anhaltenden, zunehmend heftigen Rückenschmerz, der sich im Unterschied zu vielen anderen Ursachen für Rückenschmerzen auch in Ruhe sowie nachts nicht bessert und sich bei Bewegung sowie Belastung der betroffenen Wirbelsäulenregion deutlich verstärkt. Begleitend bestehen bei vielen Betroffenen Fieber sowie ein deutlich reduziertes Allgemeinbefinden als Ausdruck der zugrunde liegenden bakteriellen Infektion, wobei diese Allgemeinsymptome bei einem Teil der Betroffenen jedoch auch fehlen können, was die frühzeitige Diagnosestellung erschweren kann. Bei fortgeschrittener Infektion mit Ausbreitung in Richtung des Wirbelkanals können zusätzlich neurologische Beschwerden auftreten, insbesondere Taubheitsgefühle, Muskelschwäche oder in schweren Fällen eine Lähmung der Beine sowie eine Störung der Blasen- oder Darmfunktion.
Diagnostik
Die Diagnose der Wirbelosteomyelitis wird durch eine Bildgebung der Wirbelsäule mittels Magnetresonanztomografie gestellt, die eine sehr genaue Beurteilung des Ausmaßes der Infektion sowie einer möglichen Ausbreitung in Richtung des Wirbelkanals ermöglicht. Eine Blutuntersuchung zeigt bei den meisten Betroffenen deutlich erhöhte Entzündungswerte, während Blutkulturen sowie, bei unklarem Erregernachweis, eine gezielte Gewebeprobe aus dem betroffenen Wirbelkörper zur Identifikation des verursachenden Bakteriums beitragen, was für die Auswahl der gezielten antibiotischen Behandlung von entscheidender Bedeutung ist. Eine sorgfältige neurologische Untersuchung ist zur Erfassung einer möglichen Beteiligung des Wirbelkanals unerlässlich.
Behandlung
Die Behandlung der Wirbelosteomyelitis erfordert eine langwierige, hochdosierte antibiotische Behandlung, die sich gezielt gegen das identifizierte, verursachende Bakterium richtet und über mehrere Wochen bis Monate fortgeführt werden muss, um die tief in den Knochen eingedrungene Infektion zuverlässig zu beherrschen. Eine vorübergehende Ruhigstellung der betroffenen Wirbelsäulenregion, etwa mittels eines stützenden Rumpforthesen, unterstützt die Behandlung zusätzlich. Bei bereits eingetretener, bedeutsamer Zerstörung der betroffenen Wirbelkörper mit drohender Instabilität der Wirbelsäule oder bei einer Ausbreitung der Infektion mit neurologischen Ausfallerscheinungen wird eine unverzügliche operative Entlastung sowie Stabilisierung der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte notwendig.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Wirbelosteomyelitis ist bei rechtzeitiger Diagnosestellung sowie konsequent durchgeführter, ausreichend langer antibiotischer Behandlung bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen gut, wobei die Infektion in aller Regel innerhalb mehrerer Wochen bis Monate erfolgreich beherrscht werden kann. Bei verzögerter Diagnosestellung oder bereits eingetretener neurologischer Beteiligung ist die Prognose deutlich ernster, wobei eine bereits eingetretene, schwere neurologische Schädigung sich trotz erfolgreicher Behandlung der zugrunde liegenden Infektion nicht immer vollständig zurückbildet. Eine engmaschige Verlaufskontrolle über den gesamten Behandlungszeitraum sowie darüber hinaus wird dringend empfohlen, um den Behandlungserfolg zuverlässig zu dokumentieren sowie ein mögliches Wiederaufflammen der Infektion frühzeitig zu erkennen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Wirbelosteomyelitis: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie gelangt die Infektion meist in die Wirbelsäule?
Am häufigsten über die Blutbahn, ausgehend von einem anderweitigen Infektionsherd im Körper.
Was unterscheidet den Schmerz von vielen anderen Rückenschmerzursachen?
Er bessert sich im Unterschied zu vielen anderen Ursachen auch in Ruhe sowie nachts nicht.
Welche neurologischen Komplikationen können auftreten?
Taubheitsgefühle, Muskelschwäche oder in schweren Fällen eine Lähmung der Beine sowie eine Blasen- oder Darmfunktionsstörung.
Wie lange dauert die notwendige antibiotische Behandlung?
Mehrere Wochen bis Monate.
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