Urethrastein
Ein Urethrastein ist ein Harnstein, der sich innerhalb der Harnröhre, also des Abflusswegs des Urins von der Blase nach außen, befindet und dort den Urinfluss teilweise oder vollständig behindert. In den meisten Fällen handelt es sich um einen ursprünglich in der Niere oder der Blase entstandenen Stein, der beim Versuch, mit dem Urinstrahl ausgeschieden zu werden, in der Harnröhre steckenbleibt, wobei dies aufgrund der anatomisch längeren und teils engeren Harnröhre bei Männern deutlich häufiger vorkommt als bei Frauen. Ein Urethrastein stellt einen akuten urologischen Notfall dar, wenn er die Harnröhre vollständig verlegt und dadurch eine akute Harnverhaltung mit unmöglicher Blasenentleerung verursacht, was zu erheblichen Schmerzen sowie bei anhaltendem Harnstau zu einer Gefährdung der Nierenfunktion führen kann.
Ursachen
Ein Urethrastein entsteht in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle durch das Wandern eines ursprünglich in der Niere oder der Blase gebildeten Steins in die Harnröhre, wo er insbesondere an anatomisch bedingten Engstellen, etwa im Bereich der Prostata oder kurz vor der Harnröhrenmündung, steckenbleiben kann. Begünstigende Faktoren für die vorausgegangene Steinbildung sind, wie bei anderen Harnsteinen auch, eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr, eine erhöhte Konzentration steinbildender Substanzen im Urin sowie eine familiäre Veranlagung zur Steinbildung. Bei Männern mit einer verengten oder anderweitig veränderten Harnröhre, etwa durch eine vorausgegangene Entzündung oder Verletzung, ist das Risiko für ein Steckenbleiben eines wandernden Steins zusätzlich erhöht. Sehr selten entsteht ein Stein auch eigenständig innerhalb der Harnröhre, etwa im Bereich einer angeborenen Aussackung der Harnröhrenwand.
Symptome
Ein Urethrastein macht sich durch einen plötzlich einsetzenden, stechenden Schmerz entlang der Harnröhre bemerkbar, der sich beim Versuch des Wasserlassens deutlich verstärkt und häufig von einem abgeschwächten oder vollständig unterbrochenen Harnstrahl begleitet wird. Bei vollständiger Verlegung der Harnröhre kommt es zu einer akuten Harnverhaltung mit zunehmend schmerzhafter Füllung der Harnblase, die zu einem starken, ziehenden Unterbauchschmerz führt. Manche Betroffene bemerken zusätzlich Blut am Ende des Urinstrahls oder auf der Unterwäsche, das durch die Reizung der Harnröhrenschleimhaut durch den Stein verursacht wird. Bei Männern kann der Stein je nach Lage in der Harnröhre mitunter als schmerzhafte, tastbare Verhärtung entlang der Harnröhre wahrgenommen werden.
Diagnostik
Die Diagnose eines Urethrasteins wird häufig bereits durch die charakteristischen Beschwerden sowie eine körperliche Untersuchung nahegelegt, bei der ein oberflächlich gelegener Stein mitunter direkt tastbar ist. Eine Ultraschalluntersuchung sowie eine Röntgenaufnahme des Beckens helfen dabei, die genaue Lage und Größe des Steins zu bestimmen. Bei akuter, vollständiger Harnverhaltung steht zunächst die rasche klinische Einschätzung der Dringlichkeit im Vordergrund, da hier umgehend gehandelt werden muss, um eine Schädigung der Blase und der Nieren durch den anhaltenden Harnstau zu verhindern. Eine Harnröhrenspiegelung erlaubt die direkte Darstellung des Steins und dient häufig gleichzeitig der Behandlung.
Behandlung
Die Behandlung eines Urethrasteins richtet sich nach seiner Lage, Größe und dem Ausmaß der Beschwerden. Bei einem Stein im vorderen Abschnitt der Harnröhre kann in manchen Fällen ein vorsichtiges Zurückspülen in die Blase mit anschließender endoskopischer Zertrümmerung erfolgen, während ein weiter außen gelegener Stein mitunter direkt endoskopisch entfernt werden kann. Bei akuter, vollständiger Harnverhaltung ist zunächst eine umgehende Entlastung der Harnblase notwendig, gegebenenfalls durch einen über die Bauchdecke direkt in die Blase eingelegten Katheter, wenn ein Katheter über die Harnröhre aufgrund des Steins nicht vorgeschoben werden kann. Nach Sicherung der akuten Situation erfolgt die gezielte, meist endoskopische Entfernung des Steins in einem weiteren Schritt.
Verlauf und Prognose
Die Prognose eines Urethrasteins ist bei rechtzeitiger Behandlung sehr gut, wobei die Beschwerden nach erfolgreicher Entfernung des Steins in der Regel rasch vollständig abklingen. Bleibt eine akute Harnverhaltung durch einen Urethrastein unerkannt oder unbehandelt, besteht die Gefahr einer zunehmenden Schädigung der Blasenmuskulatur sowie, bei anhaltendem Rückstau, der Nierenfunktion, weshalb eine rasche ärztliche Vorstellung bei entsprechenden Beschwerden unerlässlich ist. Da ein Urethrastein meist Ausdruck einer bereits bestehenden allgemeinen Neigung zur Harnsteinbildung ist, wird nach erfolgreicher Behandlung eine weiterführende Abklärung sowie gegebenenfalls eine vorbeugende Anpassung von Trink- und Ernährungsgewohnheiten empfohlen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Urethrastein: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum sind Männer häufiger von einem Urethrastein betroffen als Frauen?
Weil die männliche Harnröhre deutlich länger ist und mehrere anatomische Engstellen aufweist, an denen ein wandernder Stein leichter steckenbleiben kann.
Was ist bei vollständiger Harnverhaltung durch einen Urethrastein zu tun?
Es muss umgehend eine Entlastung der Harnblase erfolgen, notfalls über einen direkt in die Blase eingelegten Katheter durch die Bauchdecke.
Kann ein Urethrastein von selbst abgehen?
Ein Stein im vorderen Harnröhrenabschnitt kann gelegentlich spontan oder nach vorsichtigem Zurückspülen abgehen, häufiger ist jedoch eine gezielte endoskopische Entfernung notwendig.
Warum ist nach der Behandlung eine weiterführende Abklärung sinnvoll?
Weil ein Urethrastein meist Ausdruck einer allgemeinen Neigung zur Harnsteinbildung ist, sodass vorbeugende Maßnahmen weiteren Steinen entgegenwirken können.
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