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Psyche & Nervensystem

Umschriebene Entwicklungsstörung der Grobmotorik

Die umschriebene Entwicklungsstörung der Grobmotorik ist eine kindliche Entwicklungsstörung, bei der der Erwerb grobmotorischer Fähigkeiten, also Bewegungen, die den ganzen Körper oder große Muskelgruppen betreffen, wie Laufen, Springen, Klettern, Balancieren oder Ballspielen, deutlich verzögert oder auffällig verläuft, ohne dass eine allgemeine Intelligenzminderung, eine neurologische Erkrankung oder eine andere körperliche Ursache dafür vorliegt. Betroffene Kinder zeigen im Vergleich zu Gleichaltrigen eine auffällige Ungeschicklichkeit bei grobmotorischen Bewegungsabläufen, während sie sich in anderen Entwicklungsbereichen, etwa der sprachlichen oder kognitiven Entwicklung, häufig altersgerecht entwickeln. Die frühzeitige Erkennung ist wichtig, da sich unbehandelte grobmotorische Entwicklungsstörungen häufig auf die schulische Leistungsfähigkeit im Sportunterricht sowie auf die soziale Teilhabe an gemeinsamen Bewegungsspielen mit Gleichaltrigen auswirken können.

Ursachen

Die Ursachen der umschriebenen Entwicklungsstörung der Grobmotorik sind vielfältig und nicht abschließend geklärt. Eine bedeutsame Rolle spielen vermutlich genetische Faktoren, da motorische Entwicklungsstörungen familiär gehäuft auftreten können. Neurobiologisch werden feine Besonderheiten in der Verarbeitung und Koordination motorischer Signale im Gehirn diskutiert, die die Planung und Ausführung komplexer Bewegungsabläufe erschweren, ohne dass eine erkennbare strukturelle Schädigung des Nervensystems vorliegt. Auch eine geringere Frühgeburtlichkeit oder Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt werden als mögliche Risikofaktoren diskutiert. Wichtig für die Diagnosestellung ist der Ausschluss anderer möglicher Erklärungen wie einer allgemeinen Intelligenzminderung oder einer neurologischen Erkrankung, da die umschriebene Entwicklungsstörung der Grobmotorik definitionsgemäß isoliert beziehungsweise im Verhältnis zur übrigen Entwicklung überproportional auftritt.

Symptome

Betroffene Kinder zeigen eine auffällige Ungeschicklichkeit bei grobmotorischen Bewegungsabläufen, etwa beim Laufen, Springen, Treppensteigen, Klettern, Fahrradfahren oder Ballspielen, die deutlich hinter dem altersgemäßen Entwicklungsstand zurückbleibt. Häufig fallen eine unsichere Körperhaltung, ein ungeschickter Gang, Schwierigkeiten beim Gleichgewichthalten sowie eine erhöhte Häufigkeit von Stolpern oder Stürzen auf. Viele betroffene Kinder vermeiden aus Unsicherheit körperlich anspruchsvolle Aktivitäten oder Sportspiele mit Gleichaltrigen, was zu sozialem Rückzug und einem verminderten Selbstwertgefühl beitragen kann. Die grobmotorischen Schwierigkeiten führen häufig zu Frustration im Sportunterricht sowie zu Hänseleien durch Gleichaltrige, was die psychosoziale Entwicklung der betroffenen Kinder zusätzlich belasten kann.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch eine ausführliche entwicklungsneurologische und motorische Untersuchung, bei der grobmotorische Fähigkeiten mithilfe standardisierter, altersnormierter Testverfahren erfasst werden. Wesentlicher Bestandteil ist der Ausschluss anderer Ursachen, insbesondere die Einschätzung der allgemeinen kognitiven Entwicklung, um eine umfassende Intelligenzminderung abzugrenzen, sowie eine neurologische Untersuchung zum Ausschluss zugrunde liegender neurologischer Erkrankungen. Entscheidend für die Diagnose ist, dass die grobmotorischen Leistungen deutlich unterhalb dessen liegen, was aufgrund des Alters und der sonstigen Entwicklung des Kindes zu erwarten wäre. Eine interdisziplinäre Abklärung unter Einbeziehung von Kinderärztinnen und -ärzten sowie Physiotherapeutinnen und -therapeuten ist hierbei häufig sinnvoll.

Behandlung

Die Behandlung der umschriebenen Entwicklungsstörung der Grobmotorik stützt sich vor allem auf eine gezielte physiotherapeutische beziehungsweise psychomotorische Förderung, die individuell auf die betroffenen Bewegungsbereiche abgestimmt wird, etwa Gleichgewicht, Koordination oder Kraftdosierung. Je früher die Förderung beginnt, desto günstiger sind in der Regel die Erfolgsaussichten, da sich das kindliche Nervensystem in den ersten Lebensjahren besonders anpassungsfähig zeigt. Spielerische, alltagsnahe Übungsformen, die die Freude an Bewegung fördern, statt Leistungsdruck zu erzeugen, haben sich besonders bewährt. Ergänzend spielt die Einbindung der Eltern eine wichtige Rolle, etwa durch regelmäßige gemeinsame Bewegungsaktivitäten. Bei begleitenden psychosozialen Belastungen durch soziale Ausgrenzung oder vermindertes Selbstwertgefühl kann zusätzlich eine psychologische Begleitung sinnvoll sein.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf ist sehr unterschiedlich und hängt vom Ausmaß der Störung sowie dem Zeitpunkt des Förderbeginns ab. Leichtere Formen bilden sich häufig mit gezielter Frühförderung weitgehend zurück, während ausgeprägtere Störungen auch im Schulalter noch bestehen bleiben und sich auf die schulische Teilhabe im Sportunterricht sowie die soziale Integration auswirken können. Kinder mit umschriebenen grobmotorischen Entwicklungsstörungen haben statistisch ein erhöhtes Risiko, im weiteren Verlauf zusätzliche psychosoziale Anpassungsprobleme zu entwickeln, insbesondere wenn die Förderung spät einsetzt oder ausbleibt. Mit früher, konsequenter und spielerisch gestalteter Förderung sowie einem unterstützenden häuslichen und schulischen Umfeld lässt sich die Prognose jedoch deutlich verbessern.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Woran erkennt man eine grobmotorische Entwicklungsstörung?

Anzeichen sind auffällige Ungeschicklichkeit beim Laufen, Springen, Klettern oder Ballspielen, häufiges Stolpern sowie eine unsichere Körperhaltung, während sich das Kind in anderen Entwicklungsbereichen altersgerecht entwickelt.

Ab wann sollte eine physiotherapeutische Abklärung erfolgen?

Bestehen über einen längeren Zeitraum deutliche grobmotorische Auffälligkeiten, sollte frühzeitig eine kinderärztliche und physiotherapeutische Abklärung erfolgen, da eine frühe Förderung die Erfolgsaussichten deutlich verbessert.

Kann die Störung soziale Folgen haben?

Ja, betroffene Kinder vermeiden aus Unsicherheit häufig körperlich anspruchsvolle Aktivitäten, was zu sozialem Rückzug und Hänseleien durch Gleichaltrige führen kann.

Wachsen sich grobmotorische Entwicklungsstörungen von selbst aus?

Leichtere Formen bilden sich mitunter im Verlauf der Entwicklung zurück, ausgeprägtere Störungen profitieren jedoch deutlich von gezielter physiotherapeutischer Förderung.

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