Ulcus Molle (Weicher Schanker)
Ulcus molle, auch weicher Schanker genannt, ist eine sexuell übertragbare Infektion, verursacht durch das Bakterium Haemophilus ducreyi. Sie ist in Deutschland und den meisten westlichen Ländern selten geworden, kommt jedoch in manchen Weltregionen noch häufiger vor. Kennzeichnend sind schmerzhafte, weiche Geschwüre im Genitalbereich, die im Gegensatz zum harten, meist schmerzlosen Geschwür der Syphilis deutlich empfindlicher sind.
Ursachen
Die Übertragung erfolgt durch direkten sexuellen Kontakt mit einer infizierten Person, wobei das Bakterium über kleine Verletzungen der Haut oder Schleimhaut in den Körper eindringt. Häufig wechselnde Sexualpartner und ungeschützter Geschlechtsverkehr erhöhen das Ansteckungsrisiko. Da offene Geschwüre die Übertragung anderer sexuell übertragbarer Erreger, insbesondere HIV, begünstigen, gilt Ulcus molle als bedeutsamer Kofaktor bei der Ausbreitung von HIV in Regionen mit hoher Krankheitshäufigkeit.
Symptome
Nach einer kurzen Inkubationszeit von wenigen Tagen entwickelt sich an der Eintrittsstelle zunächst ein kleines, gerötetes Knötchen, das sich rasch in ein schmerzhaftes, weiches Geschwür mit unregelmäßigem Rand und eitrigem Belag umwandelt. Häufig treten mehrere Geschwüre gleichzeitig auf. Bei einem erheblichen Teil der Betroffenen schwellen zusätzlich die Lymphknoten in der Leiste schmerzhaft an und können sich zu einem Abszess entwickeln, der aufbrechen kann.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch den direkten Erregernachweis aus einem Abstrich des Geschwürs mittels Kultur oder molekularer Testverfahren gestellt, was jedoch technisch anspruchsvoll ist und nicht überall verfügbar ist. Da das klinische Bild dem anderer Genitalgeschwür-Erkrankungen wie Syphilis oder Herpes genitalis ähneln kann, werden diese im Rahmen der Diagnostik parallel ausgeschlossen. Ein begleitender HIV-Test wird wegen des erhöhten Übertragungsrisikos empfohlen.
Behandlung
Die Behandlung erfolgt mit einer kurzen, gezielten Antibiotikagabe, worunter die Geschwüre innerhalb von ein bis zwei Wochen abheilen. Vergrößerte, eitrig eingeschmolzene Lymphknoten können zusätzlich punktiert werden müssen, um die Beschwerden zu lindern und die Abheilung zu beschleunigen. Sexualpartner der letzten Wochen sollten informiert und mitbehandelt werden, um eine erneute Ansteckung zu verhindern.
Verlauf und Vorbeugung
Mit rechtzeitiger Behandlung heilen die Geschwüre folgenlos ab, unbehandelt können sie über Wochen bestehen bleiben und vernarben. Konsequenter Kondomgebrauch senkt das Übertragungsrisiko deutlich, ersetzt jedoch keinen vollständigen Schutz, da die Erreger auch außerhalb der durch Kondome abgedeckten Bereiche übertragen werden können. Wegen der erhöhten HIV-Übertragungsgefahr bei bestehenden Genitalgeschwüren ist eine rasche Diagnose und Behandlung besonders wichtig.
Quellen & weiterführende Stellen
- Robert Koch-Institut — Ulcus molle: RKI-Ratgeber
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich Ulcus molle von einem Syphilis-Geschwür?
Das Ulcus-molle-Geschwür ist typischerweise schmerzhaft und weich mit unregelmäßigem Rand, während das Syphilis-Geschwür meist schmerzlos und derb ist — eine sichere Unterscheidung erfordert jedoch eine Labordiagnostik.
Warum erhöht Ulcus molle das HIV-Risiko?
Die offenen, schlecht heilenden Geschwüre bieten dem HIV-Virus einen leichteren Eintrittsweg in den Körper, weshalb bestehende Genitalgeschwüre generell die Übertragung von HIV begünstigen.
Muss der Sexualpartner immer mitbehandelt werden?
Ja, Sexualpartner der letzten Wochen sollten informiert und untersucht beziehungsweise mitbehandelt werden, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden.
Ist Ulcus molle in Deutschland noch häufig?
Nein, die Erkrankung ist in Deutschland und den meisten westlichen Ländern selten geworden und tritt überwiegend im Zusammenhang mit Reisen in Regionen mit höherer Krankheitshäufigkeit auf.
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