Spasmodischer Schiefhals (Torticollis spasticus)
Der spasmodische Schiefhals, fachsprachlich Torticollis spasticus oder zervikale Dystonie, ist eine Bewegungsstörung, bei der sich die Muskeln im Nacken- und Halsbereich unwillkürlich und anhaltend verkrampfen. Diese Verkrampfungen ziehen den Kopf in eine gedrehte, geneigte oder nach vorn beziehungsweise hinten gekippte Fehlstellung, die die Betroffenen nicht willentlich beeinflussen können.
Ursachen
Bei den meisten Betroffenen lässt sich keine eindeutige Ursache für die Fehlsteuerung der beteiligten Hirnregionen finden, die die Muskelspannung im Nacken regeln; man spricht dann von einer idiopathischen Dystonie. Seltener entsteht die Erkrankung als Folge bestimmter Medikamente, insbesondere älterer Neuroleptika, einer Kopf- oder Nackenverletzung oder einer erblichen Veranlagung. Psychische Belastung kann bestehende Beschwerden verstärken, ist jedoch nicht die eigentliche Ursache der Erkrankung.
Symptome
Kennzeichnend ist eine unwillkürliche Drehung, Neigung oder Kippung des Kopfes, die von schmerzhaften Muskelverspannungen im Nacken begleitet wird und sich im Tagesverlauf, bei Stress oder Müdigkeit meist verstärkt. Viele Betroffene entwickeln unbewusst kleine Gegenbewegungen oder Berührungstricks, etwa das leichte Anfassen des Kinns, die die Fehlstellung vorübergehend lindern können. Im Verlauf kann sich zusätzlich ein feines Zittern des Kopfes (Tremor) entwickeln.
Diagnostik
Die Diagnose wird in erster Linie anhand des charakteristischen Erscheinungsbildes und der typischen Muskelverkrampfungen bei der körperlichen und neurologischen Untersuchung gestellt. Eine Magnetresonanztomografie des Gehirns kann durchgeführt werden, um seltene strukturelle Ursachen wie einen Tumor oder eine Vorschädigung auszuschließen. Die genaue Beobachtung, welche Muskeln betroffen sind und in welche Richtung der Kopf gezogen wird, ist wichtig für die Planung der Behandlung.
Behandlung
Die wirksamste Behandlung ist die regelmäßige Injektion von Botulinumtoxin direkt in die überaktiven Nackenmuskeln, wodurch sich die Muskelspannung für mehrere Monate deutlich reduzieren lässt und die Injektion danach wiederholt werden muss. Ergänzend können Physiotherapie und gezielte Übungen zur Haltungskorrektur die Beweglichkeit verbessern. Bei Beschwerden, die auf Botulinumtoxin nicht ausreichend ansprechen, kann in ausgewählten, schweren Fällen eine tiefe Hirnstimulation erwogen werden.
Verlauf und Prognose
Der spasmodische Schiefhals verläuft meist chronisch, wobei sich die Beschwerden bei einem Teil der Betroffenen in den ersten Jahren nach Beginn noch verändern oder verstärken können, bevor sie sich auf einem stabilen Niveau einpendeln. Mit regelmäßiger Botulinumtoxin-Behandlung lässt sich bei den meisten Betroffenen eine deutliche und anhaltende Linderung der Beschwerden erreichen. Eine spontane, vollständige Heilung ohne Behandlung ist selten, weshalb eine kontinuierliche fachärztliche Betreuung wichtig ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Spasmodischer Schiefhals: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Kann man den Schiefhals willentlich unterdrücken?
Nein, die Muskelverkrampfungen sind unwillkürlich, auch wenn manche Betroffene durch kleine Berührungstricks die Fehlstellung vorübergehend lindern können.
Wie oft müssen die Botulinumtoxin-Injektionen wiederholt werden?
In der Regel etwa alle drei bis vier Monate, da die Wirkung mit der Zeit nachlässt und die Muskelspannung sonst wieder zunimmt.
Ist der spasmodische Schiefhals psychisch bedingt?
Nein, es handelt sich um eine neurologische Bewegungsstörung; psychische Belastung kann die Beschwerden jedoch verstärken.
Hilft Physiotherapie allein ausreichend?
Physiotherapie kann die Beweglichkeit unterstützend verbessern, ersetzt bei den meisten Betroffenen jedoch nicht die medikamentöse Behandlung mit Botulinumtoxin.
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