Abducensparese
Die Abducensparese ist eine Lähmung oder Schwäche des sechsten Hirnnervs (Nervus abducens), der den äußeren geraden Augenmuskel versorgt und für die Auswärtsbewegung des Auges zuständig ist. Ist dieser Nerv geschädigt, kann das betroffene Auge nicht mehr vollständig zur Seite bewegt werden, wodurch es nach innen abweicht und Doppelbilder entstehen, insbesondere beim Blick zur betroffenen Seite.
Ursachen
Der Nervus abducens hat auf seinem langen Weg vom Hirnstamm bis zum Auge einen empfindlichen, ungeschützten Verlauf, weshalb er besonders anfällig für Schädigungen ist. Häufige Ursachen sind ein erhöhter Hirndruck, etwa durch einen Tumor oder eine Blutung, Durchblutungsstörungen bei Diabetes oder Bluthochdruck, Entzündungen, Kopfverletzungen oder, insbesondere bei Kindern, Infektionen im Bereich des Mittelohrs. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt die genaue Ursache trotz Abklärung unklar.
Symptome
Das Leitsymptom sind Doppelbilder, die nebeneinander wahrgenommen werden und sich beim Blick zur betroffenen Seite verstärken, da hier die Schwäche des äußeren Augenmuskels am deutlichsten zum Tragen kommt. Das betroffene Auge weicht in Ruhestellung leicht nach innen ab (Einwärtsschielen), was besonders bei Blick geradeaus oder zur gesunden Seite auffällt. Um die Doppelbilder zu vermeiden, neigen viele Betroffene den Kopf zur betroffenen Seite.
Diagnostik
Eine augenärztliche Untersuchung der Augenbeweglichkeit zeigt die eingeschränkte Auswärtsbewegung des betroffenen Auges und hilft, die Lähmung von anderen Ursachen für Doppelbilder abzugrenzen. Da eine Abducensparese oft Ausdruck einer zugrunde liegenden Erkrankung ist, schließt sich meist eine weiterführende Untersuchung an, insbesondere eine Magnetresonanztomografie des Gehirns zum Ausschluss eines erhöhten Hirndrucks oder eines Tumors sowie Bluttests, etwa zur Abklärung von Diabetes.
Behandlung
Im Vordergrund steht die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache, etwa die Senkung eines erhöhten Hirndrucks oder die Einstellung eines Diabetes. Bis zur Erholung des Nervs kann ein zeitweiliges Abdecken eines Auges (Okklusion) oder eine Prismenbrille die störenden Doppelbilder lindern. Bleibt die Lähmung über sechs bis zwölf Monate bestehen, ohne sich zurückzubilden, kann eine Schieloperation zur dauerhaften Korrektur der Augenstellung erwogen werden.
Verlauf und Prognose
Ist die zugrunde liegende Ursache behandelbar, etwa eine Durchblutungsstörung bei gut eingestelltem Diabetes, bildet sich die Lähmung bei einem großen Teil der Betroffenen innerhalb von Wochen bis Monaten von selbst zurück. Bei anhaltender oder schwerer Schädigung des Nervs, etwa durch einen Tumor, hängt die Prognose stark von der Behandelbarkeit der Grunderkrankung ab. Eine rasche fachärztliche Abklärung ist wichtig, da hinter der Lähmung mitunter eine ernste, behandlungsbedürftige Erkrankung steht.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Abducensparese: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum verstärken sich die Doppelbilder beim Blick zur Seite?
Weil der gelähmte äußere Augenmuskel gerade für die Auswärtsbewegung zuständig ist, sodass die Fehlstellung und damit die Doppelbilder beim Blick zur betroffenen Seite am deutlichsten werden.
Ist eine Abducensparese immer harmlos?
Nein, sie kann Ausdruck einer ernsten zugrunde liegenden Erkrankung wie erhöhtem Hirndruck oder einem Tumor sein, weshalb eine rasche ärztliche Abklärung wichtig ist.
Wie lange dauert es, bis sich die Lähmung zurückbildet?
Bei behandelbarer Ursache oft innerhalb von Wochen bis Monaten, bei anhaltender Lähmung über sechs bis zwölf Monate wird meist eine Schieloperation erwogen.
Was hilft gegen die Doppelbilder bis zur Erholung?
Ein zeitweiliges Abdecken eines Auges oder eine Prismenbrille können die Doppelbilder in der Zwischenzeit deutlich lindern.
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