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Psyche & Nervensystem

Ticstörungen

Ticstörungen sind gekennzeichnet durch plötzliche, schnelle, wiederholte, nicht-rhythmische Bewegungen (motorische Tics) oder Lautäußerungen (vokale Tics), die unwillkürlich auftreten, jedoch für kurze Zeit willentlich unterdrückt werden können. Sie beginnen meist im Kindes- oder frühen Jugendalter und reichen von vorübergehenden, leichten Formen bis zum chronischen Tourette-Syndrom, bei dem mehrere motorische und mindestens ein vokaler Tic über mindestens ein Jahr bestehen.

Ursachen

Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, angenommen wird eine Veränderung bestimmter Nervenschaltkreise im Gehirn, die die Bewegungssteuerung betreffen, mit einer erblichen Veranlagung als wichtigem Faktor. Ticstörungen treten gehäuft gemeinsam mit anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen wie ADHS oder Zwangsstörungen auf. Stress, Aufregung oder Müdigkeit können die Häufigkeit und Ausprägung bestehender Tics vorübergehend verstärken, sind jedoch nicht die eigentliche Ursache.

Symptome

Motorische Tics reichen von einfachen Formen wie Blinzeln, Grimassieren oder Schulterzucken bis zu komplexeren Bewegungsabläufen. Vokale Tics äußern sich als Räuspern, Grunzen oder, seltener, als das Aussprechen von Wörtern oder Wortteilen. Viele Betroffene verspüren vor einem Tic ein charakteristisches Vorgefühl, einen Drang, der sich durch die Ausführung des Tics vorübergehend löst. Die Ausprägung kann im Tagesverlauf und über Wochen und Monate stark schwanken.

Diagnostik

Die Diagnose wird überwiegend klinisch anhand der Beobachtung und Beschreibung der Tics sowie ihres zeitlichen Verlaufs gestellt. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer vorübergehenden Ticstörung, die weniger als ein Jahr anhält, und einer chronischen Form oder dem Tourette-Syndrom. Begleitende Erkrankungen wie ADHS, Zwangsstörungen oder Angststörungen werden im Rahmen der Diagnostik gezielt mit erfasst, da sie die Behandlung mitbestimmen können.

Behandlung

Bei milden, wenig beeinträchtigenden Tics ist häufig keine spezifische Behandlung notwendig, Aufklärung von Kind, Familie und Schule über das Krankheitsbild kann bereits entlastend wirken. Bei stärker beeinträchtigenden Tics kommt eine spezielle Verhaltenstherapie zum Einsatz, die Betroffenen hilft, das Vorgefühl frühzeitig zu erkennen und alternative, unauffälligere Bewegungen einzusetzen. Bei ausgeprägten, den Alltag erheblich störenden Tics können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden, die die Tic-Häufigkeit reduzieren können.

Verlauf und Prognose

Bei einem großen Teil der Kinder mit Ticstörungen bessern sich die Beschwerden bis zum Ende der Jugend oder frühen Erwachsenenalter deutlich oder verschwinden ganz. Ein Teil, insbesondere bei Tourette-Syndrom, behält Tics unterschiedlicher Ausprägung auch im Erwachsenenalter, wobei diese häufig weniger beeinträchtigend werden als in der Kindheit. Ein Unterstützendes, informiertes Umfeld in Familie und Schule trägt entscheidend dazu bei, wie gut Betroffene mit ihrer Erkrankung zurechtkommen.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Können Tics willentlich unterdrückt werden?

Für eine begrenzte Zeit ja, dies erfordert jedoch Anstrengung und führt häufig danach zu einer vorübergehend verstärkten Tic-Häufigkeit, weshalb ein vollständiges Unterdrücken über lange Zeit nicht empfohlen wird.

Ist jede Ticstörung ein Tourette-Syndrom?

Nein, das Tourette-Syndrom ist nur eine, wenn auch bekannteste, Form der Ticstörungen und erfordert das gemeinsame Bestehen mehrerer motorischer und mindestens eines vokalen Tics über mindestens ein Jahr.

Verschwinden Tics von selbst?

Bei einem großen Teil der Kinder bessern sich die Beschwerden bis zum jungen Erwachsenenalter deutlich, auch wenn ein Teil der Betroffenen Tics unterschiedlicher Ausprägung dauerhaft behält.

Verschlimmert Stress die Tics?

Ja, Stress, Aufregung oder Müdigkeit können bestehende Tics vorübergehend verstärken, sind aber nicht die eigentliche Ursache der Erkrankung.

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