Sonstige Krankheiten der Zahnhartsubstanzen
Die Zahnhartsubstanzen umfassen den Zahnschmelz, das darunterliegende Zahnbein (Dentin) sowie den Zahnzement, der die Zahnwurzel bedeckt, und bilden gemeinsam die schützende, widerstandsfähige Hülle des Zahnes. Als sonstige Krankheiten der Zahnhartsubstanzen werden verschiedene Veränderungen dieser Gewebe zusammengefasst, die nicht auf die bakteriell bedingte Karies zurückgehen, sondern andere Ursachen haben. Dazu zählen mechanisch bedingte Abnutzungserscheinungen durch Kauen, Zähneknirschen oder falsche Putztechnik, chemisch bedingte Substanzverluste durch Säureeinwirkung sowie angeborene oder erworbene Strukturstörungen des Zahnschmelzes oder des Zahnbeins. Diese Veränderungen können die Zähne empfindlicher machen, ihre Farbe oder Form verändern und je nach Ausmaß auch die Stabilität des Zahnes beeinträchtigen.
Ursachen
Mechanisch bedingte Abnutzungen der Zahnhartsubstanz entstehen durch eine übermäßige oder falsch ausgeführte Belastung der Zähne, etwa durch nächtliches Zähneknirschen, eine zu kräftige oder falsche Zahnputztechnik mit einer harten Bürste oder durch berufsbedingte Gewohnheiten, bei denen Gegenstände wiederholt zwischen den Zähnen gehalten werden. Chemisch bedingte Substanzverluste entstehen durch eine wiederholte Einwirkung von Säuren auf die Zahnoberfläche, etwa durch häufigen Konsum stark säurehaltiger Getränke und Speisen oder durch wiederholtes Erbrechen im Rahmen bestimmter Erkrankungen, wobei die Magensäure den Zahnschmelz besonders stark angreifen kann. Angeborene Strukturstörungen des Zahnschmelzes oder des Zahnbeins entstehen durch genetisch bedingte Störungen der Zahnentwicklung, während erworbene Strukturstörungen auch durch bestimmte Erkrankungen oder eine übermäßige Fluoridaufnahme während der Zahnentwicklung im Kindesalter verursacht werden können.
Symptome
Betroffene mit einer mechanisch oder chemisch bedingten Abnutzung der Zahnhartsubstanz bemerken häufig eine zunehmende Empfindlichkeit der Zähne gegenüber Kälte, Wärme oder Süßem, da die schützende äußere Schicht des Zahnschmelzes zunehmend dünner wird und tiefere, empfindlichere Zahnschichten freiliegen. Sichtbar wird die Abnutzung häufig durch verkürzte oder abgeflachte Zahnkronen sowie durch kleine Vertiefungen oder Rillen im Bereich des Zahnhalses. Bei angeborenen oder erworbenen Strukturstörungen können die Zähne eine veränderte, oft fleckige oder streifige Farbe aufweisen sowie eine erhöhte Anfälligkeit für Absplitterungen und eine beschleunigte Abnutzung zeigen. In fortgeschrittenen Fällen kann durch den erheblichen Verlust der schützenden Zahnhartsubstanz auch das Risiko für eine begleitende Karies sowie für Entzündungen der darunterliegenden Pulpa zunehmen.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch eine zahnärztliche Untersuchung gestellt, bei der das Ausmaß der Substanzveränderung, deren Verteilungsmuster über die Zahnreihen sowie mögliche zugrunde liegende Ursachen erfasst werden. Eine sorgfältige Anamnese, insbesondere zu Ernährungsgewohnheiten, nächtlichem Zähneknirschen, häufigem Erbrechen sowie der zahnärztlichen und allgemeinen Krankengeschichte während der Kindheit, liefert wichtige Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache. Bei Verdacht auf nächtliches Zähneknirschen kann eine gezielte Befragung zu Kieferschmerzen und Kopfschmerzen am Morgen sowie eine Untersuchung der Kaumuskulatur sinnvoll sein. Bei unklaren, fleckigen Zahnverfärbungen kann eine genaue Untersuchung des Verteilungsmusters helfen, zwischen verschiedenen möglichen Ursachen wie einer übermäßigen Fluoridaufnahme oder einer genetisch bedingten Strukturstörung zu unterscheiden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Ausmaß der Substanzveränderung. Bei nächtlichem Zähneknirschen wird häufig eine individuell angefertigte Aufbissschiene verordnet, die die Zähne vor der übermäßigen Belastung schützt. Bei chemisch bedingten Substanzverlusten steht die Reduktion des auslösenden Säurekontakts im Vordergrund, ergänzt durch eine schonende Mundhygiene sowie gegebenenfalls fluoridhaltige Präparate zur Stärkung der verbliebenen Zahnhartsubstanz. Bereits eingetretene Substanzverluste können je nach Ausmaß durch zahnfarbene Füllungen, spezielle Beschichtungen oder, bei stärkerer Schädigung, durch Kronen ausgeglichen werden. Bei angeborenen Strukturstörungen des Zahnschmelzes oder Zahnbeins richtet sich die Behandlung individuell nach dem Ausmaß der Veränderung und kann von einer rein kosmetischen Behandlung bis zu einer umfassenderen zahnärztlichen Versorgung reichen.
Verlauf und Prognose
Bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung der zugrunde liegenden Ursache, etwa durch das konsequente Tragen einer Aufbissschiene bei Zähneknirschen oder eine Reduktion säurehaltiger Nahrungsmittel, lässt sich das weitere Fortschreiten mechanisch oder chemisch bedingter Substanzverluste meist gut aufhalten, wobei bereits eingetretene Substanzverluste in der Regel nicht von selbst nachwachsen, sondern durch zahnärztliche Maßnahmen ausgeglichen werden müssen. Bleibt die zugrunde liegende Ursache unbehandelt, kann sich die Abnutzung der Zahnhartsubstanz über die Jahre fortsetzen und zunehmend zu Empfindlichkeit, ästhetischen Beeinträchtigungen sowie einem erhöhten Risiko für Karies und Pulpaentzündungen führen. Bei angeborenen Strukturstörungen ist die langfristige Prognose stark von der genauen Art und dem Ausmaß der Störung abhängig, wobei eine frühzeitige zahnärztliche Betreuung wesentlich zum Erhalt der Zähne beitragen kann.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Sonstige Krankheiten der Zahnhartsubstanzen: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum werden Zähne bei Zähneknirschen abgenutzt?
Weil die Zähne beim nächtlichen, unbewussten Aufeinanderpressen und -reiben einer deutlich stärkeren Belastung ausgesetzt sind als beim normalen Kauen, wodurch der Zahnschmelz über die Zeit abgetragen wird.
Kann häufiges Erbrechen die Zähne schädigen?
Ja, die dabei freigesetzte Magensäure kann den Zahnschmelz besonders stark angreifen und zu einem chemisch bedingten Substanzverlust führen, weshalb bei entsprechenden Erkrankungen auch die zahnärztliche Mitbetreuung wichtig ist.
Lässt sich verlorener Zahnschmelz wieder aufbauen?
Nein, natürlicher Zahnschmelz kann sich nicht von selbst regenerieren. Bereits eingetretene Substanzverluste müssen daher durch zahnärztliche Maßnahmen wie Füllungen, Beschichtungen oder Kronen ausgeglichen werden.
Wie hilft eine Aufbissschiene bei Zähneknirschen?
Sie verteilt die beim Knirschen entstehenden Kräfte gleichmäßiger und schützt die natürliche Zahnhartsubstanz vor der übermäßigen, direkten Belastung durch den Kontakt der Zähne.
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