Rezidivierender Myokardinfarkt
Ein rezidivierender Myokardinfarkt bezeichnet einen erneuten Herzinfarkt bei einer Person, die bereits zuvor einen Herzinfarkt erlitten hat, wobei sich der neue Infarkt sowohl im ursprünglich betroffenen als auch in einem anderen Versorgungsgebiet der Herzkranzgefäße ereignen kann. Ein solches Ereignis entsteht in der Regel dadurch, dass sich die zugrunde liegende koronare Herzkrankheit, also die Verengung der Herzkranzgefäße durch Ablagerungen in den Gefäßwänden, trotz eines ersten Infarktes weiter fortsetzt oder nicht ausreichend behandelt wurde, sodass es an einer weiteren, verengten Stelle der Herzkranzgefäße zu einem erneuten, plötzlichen Gefäßverschluss kommt. Ein rezidivierender Myokardinfarkt stellt einen ebenso akuten, lebensbedrohlichen Notfall dar wie ein erster Herzinfarkt und erfordert eine ebenso rasche Diagnose und Behandlung.
Ursachen
Die Ursache eines rezidivierenden Myokardinfarktes ist, wie bei einem ersten Herzinfarkt, meist ein plötzlicher Verschluss eines Herzkranzgefäßes durch ein aufgebrochenes Gefäßablagerungsplaque mit nachfolgender Blutgerinnselbildung. Ein erhöhtes Risiko für ein solches erneutes Ereignis besteht insbesondere, wenn die der koronaren Herzkrankheit zugrunde liegenden Risikofaktoren, etwa ein unzureichend behandelter Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes mellitus oder fortgesetztes Rauchen, nach dem ersten Infarkt nicht ausreichend kontrolliert wurden. Auch eine unzureichende Einnahme der nach einem Herzinfarkt verordneten Medikamente, insbesondere der gerinnungshemmenden und cholesterinsenkenden Medikamente, erhöht das Risiko eines erneuten Infarktes deutlich. Bei manchen Betroffenen liegt zudem eine besonders ausgeprägte, mehrere Herzkranzgefäße betreffende koronare Herzkrankheit vor, die das Risiko für weitere Ereignisse grundsätzlich erhöht.
Symptome
Die Symptome eines rezidivierenden Myokardinfarktes ähneln denen eines ersten Herzinfarktes und umfassen typischerweise einen plötzlich einsetzenden, starken, häufig als drückend oder einschnürend beschriebenen Brustschmerz, der in den linken Arm, den Kiefer, den Rücken oder den Oberbauch ausstrahlen kann, begleitet von Atemnot, Kaltschweißigkeit, Übelkeit und einem ausgeprägten Angstgefühl. Manche Betroffene, die bereits einen früheren Infarkt erlebt haben, erkennen die erneuten Beschwerden aufgrund der Ähnlichkeit zum vorangegangenen Ereignis rascher, während bei anderen, insbesondere bei Frauen und älteren Menschen sowie bei Menschen mit Diabetes, die Symptome auch untypischer und weniger eindeutig ausfallen können, etwa als alleinige Atemnot oder ausgeprägte Müdigkeit ohne klassischen Brustschmerz.
Diagnostik
Die Diagnose eines rezidivierenden Myokardinfarktes wird, wie bei einem ersten Infarkt, durch ein Elektrokardiogramm sowie durch die Bestimmung spezifischer Herzenzyme im Blut gestellt, die bei einer Schädigung des Herzmuskelgewebes freigesetzt werden. Da bei rezidivierenden Infarkten bereits Veränderungen im Elektrokardiogramm vom vorangegangenen Ereignis bestehen können, ist ein Vergleich mit früheren Untersuchungsbefunden besonders wichtig, um die neue Veränderung richtig einzuordnen. Eine Herzkatheteruntersuchung mit direkter Darstellung der Herzkranzgefäße dient sowohl der Diagnosesicherung als auch der unmittelbaren Behandlung, indem die verschlossene Gefäßstelle dargestellt und in der Regel im gleichen Eingriff wiedereröffnet wird.
Behandlung
Die Akutbehandlung eines rezidivierenden Myokardinfarktes entspricht der eines ersten Herzinfarktes und umfasst eine schnellstmögliche Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes, in der Regel mittels Herzkatheteruntersuchung mit Ballonaufdehnung und Einsetzen eines Gefäßstützgerüstes (Stent), begleitet von gerinnungshemmenden Medikamenten. Nach der Akutbehandlung wird die medikamentöse Sekundärprävention konsequent überprüft und, falls notwendig, intensiviert, um das Risiko für ein erneutes Ereignis weiter zu senken. Eine besonders sorgfältige Einstellung der zugrunde liegenden Risikofaktoren, gegebenenfalls unterstützt durch eine kardiologische Rehabilitation, ist nach einem rezidivierenden Infarkt von noch größerer Bedeutung als nach einem ersten Ereignis, da sie zeigt, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichend wirksam waren.
Verlauf und Prognose
Ein rezidivierender Myokardinfarkt ist im Allgemeinen mit einer ernsteren Prognose verbunden als ein erster Herzinfarkt, da das wiederholte Auftreten auf eine besonders ausgeprägte oder unzureichend kontrollierte koronare Herzkrankheit hinweist und die Gesamtbelastung des Herzmuskels durch mehrere Infarktereignisse zunimmt. Eine konsequente Umsetzung der medikamentösen Behandlung sowie eine strikte Kontrolle aller beeinflussbaren Risikofaktoren können das Risiko für weitere Ereignisse jedoch deutlich senken und die langfristige Prognose entscheidend verbessern. Die individuelle Prognose hängt zusätzlich vom Ausmaß der bereits eingetretenen Schädigung des Herzmuskels sowie von der verbleibenden Pumpfunktion des Herzens ab, weshalb eine engmaschige kardiologische Nachsorge nach jedem, insbesondere nach einem wiederholten, Herzinfarkt von großer Bedeutung ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Rezidivierender Myokardinfarkt: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum ist die Prognose nach einem zweiten Herzinfarkt oft ernster als nach dem ersten?
Weil das erneute Auftreten auf eine besonders ausgeprägte oder unzureichend kontrollierte koronare Herzkrankheit hinweist und die Gesamtbelastung des Herzmuskels durch mehrere Infarktereignisse zunimmt.
Warum ist die regelmäßige Medikamenteneinnahme nach einem Herzinfarkt so wichtig?
Weil eine unzureichende Einnahme der verordneten gerinnungshemmenden und cholesterinsenkenden Medikamente das Risiko eines erneuten Infarktes deutlich erhöht, indem sie die zugrunde liegende Gefäßerkrankung nicht ausreichend kontrolliert.
Fühlt sich ein zweiter Herzinfarkt immer genauso an wie der erste?
Nicht zwangsläufig, insbesondere bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes können die Beschwerden untypischer ausfallen, etwa als alleinige Atemnot oder ausgeprägte Müdigkeit ohne klassischen Brustschmerz.
Wie wird ein rezidivierender Myokardinfarkt akut behandelt?
In der Regel mittels Herzkatheteruntersuchung mit Ballonaufdehnung und Einsetzen eines Gefäßstützgerüstes, um das verschlossene Herzkranzgefäß möglichst rasch wiederzueröffnen, ergänzt durch gerinnungshemmende Medikamente.
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