Ein Angebot von Personal Paramedic e.K. · DGUV-anerkannte Ausbildungsstätte (8.2018)
Blutungen & Wunden

Skalpierungsverletzung

Die Skalpierungsverletzung bezeichnet eine schwere Verletzung, bei der die Kopfhaut gemeinsam mit den darunterliegenden Bindegewebsschichten vollständig oder teilweise vom darunterliegenden Schädelknochen abgerissen wird, wobei diese Verletzung typischerweise durch ein Erfassen sowie kraftvolles Einziehen der Haare in rotierende Maschinenteile entsteht. Da die Kopfhaut außerordentlich reich durchblutet ist, geht eine Skalpierungsverletzung mit einer sehr starken, mitunter lebensbedrohlichen Blutung einher, während die abgelöste Kopfhaut selbst bei rechtzeitiger, fachgerechter Versorgung unter günstigen Umständen erfolgreich wieder angenäht werden kann. Die Skalpierungsverletzung stellt aufgrund der massiven Blutung sowie des Risikos einer bleibenden Entstellung sowie eines Haarverlusts einen dringlichen chirurgischen Notfall dar, der eine unverzügliche, spezialisierte Behandlung erfordert.

Ursachen

Die Skalpierungsverletzung entsteht am häufigsten durch ein versehentliches Erfassen langer Haare in rotierenden Maschinenteilen, etwa bei landwirtschaftlichen Geräten, industriellen Maschinen oder bestimmten Freizeitfahrzeugen, wobei die kraftvolle Rotationsbewegung die Kopfhaut gemeinsam mit den Haaren vom darunterliegenden Schädel abreißt. Seltener entsteht eine Skalpierungsverletzung durch einen schweren Verkehrsunfall oder durch eine direkte, massive Gewalteinwirkung auf den Kopf. Lange, offen getragene Haare sowie das Fehlen geeigneter Schutzvorrichtungen an rotierenden Maschinenteilen stellen die wichtigsten, weitgehend vermeidbaren Risikofaktoren für die Entstehung dieser schweren Verletzung dar.

Symptome

Die Skalpierungsverletzung äußert sich durch eine plötzliche, sehr starke Blutung aus dem betroffenen Bereich der Kopfhaut, die aufgrund der außerordentlich reichen Durchblutung dieser Körperregion rasch ein bedeutsames Ausmaß annehmen sowie unbehandelt zu einem lebensbedrohlichen Blutverlust führen kann. Die betroffene Kopfhaut kann je nach Ausmaß der Verletzung teilweise oder vollständig vom darunterliegenden Schädelknochen abgelöst sein, wobei der freiliegende Schädelknochen sichtbar werden kann. Begleitend bestehen bei den meisten Betroffenen erhebliche Schmerzen sowie, insbesondere bei begleitendem starkem Blutverlust, Zeichen eines beginnenden Kreislaufschocks mit Blässe, Schwäche sowie einem beschleunigten Puls.

Anzeige

Diagnostik

Die Diagnose der Skalpierungsverletzung wird anhand des unmittelbar erkennbaren, äußeren Erscheinungsbildes der Verletzung gestellt, wobei angesichts der akuten Lebensbedrohung durch den massiven Blutverlust zunächst die Stabilisierung der betroffenen Person sowie die Blutstillung im Vordergrund stehen, bevor eine detailliertere Beurteilung des genauen Verletzungsausmaßes erfolgt. Eine sorgfältige Untersuchung des freigelegten Schädelknochens sowie eine Bildgebung mittels Computertomografie werden zum Ausschluss einer begleitenden Schädelfraktur oder einer zusätzlichen Hirnverletzung durchgeführt. Das abgelöste Hautstück wird, sofern verfügbar, sorgfältig geborgen sowie fachgerecht gekühlt, um die Chancen einer erfolgreichen operativen Replantation zu erhöhen.

Behandlung

Die Behandlung der Skalpierungsverletzung erfordert zunächst eine unverzügliche Blutstillung durch festen Druckverband sowie eine rasche Stabilisierung des Kreislaufs, häufig einschließlich einer Bluttransfusion, um den lebensbedrohlichen Blutverlust auszugleichen. Bei zeitnaher Bergung sowie fachgerechter Kühlung des abgelösten Kopfhautstücks kann in spezialisierten Zentren eine mikrochirurgische Replantation versucht werden, bei der die abgelöste Kopfhaut unter dem Operationsmikroskop wieder an ihrem ursprünglichen Ort angenäht sowie die durchtrennten Blutgefäße wiederhergestellt werden. Ist eine erfolgreiche Replantation nicht möglich, wird die betroffene Wundfläche durch alternative rekonstruktive Verfahren, etwa eine Hauttransplantation, gedeckt.

Verlauf und Prognose

Die Prognose der Skalpierungsverletzung hängt entscheidend von der Geschwindigkeit der eingeleiteten Blutstillung sowie, bei geplanter Replantation, von der Zeitspanne zwischen der Verletzung sowie der operativen Wiederanknüpfung ab, wobei eine rasche, fachgerechte Kühlung des abgelösten Gewebes die Erfolgsaussichten einer Replantation deutlich verbessert. Bei erfolgreicher mikrochirurgischer Replantation kann bei einem erheblichen Teil der Betroffenen ein weitgehend zufriedenstellendes kosmetisches sowie funktionelles Ergebnis mit teilweisem Erhalt des Haarwuchses erreicht werden. Bei nicht möglicher Replantation bleibt trotz erfolgreicher rekonstruktiver Deckung häufig eine bleibende Entstellung sowie ein dauerhafter Haarverlust der betroffenen Region bestehen, weshalb eine psychologische Begleitung der Betroffenen von großer Bedeutung ist.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Anzeige
FAQ

Häufige Fragen

Wodurch entsteht eine Skalpierungsverletzung meist?

Durch ein versehentliches Erfassen langer Haare in rotierenden Maschinenteilen.

Warum ist die Blutung bei dieser Verletzung besonders stark?

Weil die Kopfhaut außerordentlich reich durchblutet ist.

Was verbessert die Erfolgsaussichten einer Wiederanknüpfung?

Eine rasche Bergung sowie fachgerechte Kühlung des abgelösten Kopfhautstücks.

Was geschieht, wenn eine Replantation nicht möglich ist?

Die Wundfläche wird durch alternative rekonstruktive Verfahren, etwa eine Hauttransplantation, gedeckt.

Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen

Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.

Kurs finden Inhouse anfragen