Kieferluxation
Die Kieferluxation bezeichnet ein Auskugeln des Kiefergelenks, bei dem der Gelenkkopf des Unterkiefers seine normale Position innerhalb der Gelenkgrube am Schädel verlässt sowie sich nach vorne verlagert, wodurch die betroffene Person den Mund nicht mehr eigenständig schließen kann. Diese Verletzung entsteht typischerweise bei einer übermäßig weiten Öffnung des Mundes, etwa beim herzhaften Gähnen, kräftigem Lachen oder beim zahnärztlichen Eingriff, wobei die den Unterkiefer normalerweise stabilisierenden Bandstrukturen bei bereits bestehender Bänderschwäche oder wiederholter Vorbelastung diesem Öffnungswinkel nicht mehr ausreichend entgegenwirken können. Während eine Kieferluxation für die betroffene Person zunächst beunruhigend sowie unangenehm ist, lässt sie sich durch eine gezielte manuelle Reposition in aller Regel rasch sowie folgenlos beheben.
Ursachen
Die Kieferluxation entsteht durch eine übermäßig weite Öffnung des Mundes, die über das normale Bewegungsausmaß des Kiefergelenks hinausgeht, wobei alltägliche Auslöser wie herzhaftes Gähnen, kräftiges Lachen, lautes Singen sowie das weite Öffnen des Mundes bei einer zahnärztlichen Behandlung zu den häufigsten Ursachen zählen. Eine bereits bestehende Überbeweglichkeit der das Kiefergelenk stabilisierenden Bandstrukturen, wie sie bei bestimmten Bindegewebserkrankungen oder einer allgemeinen konstitutionellen Gelenküberbeweglichkeit vorliegen kann, begünstigt die Entstehung einer Kieferluxation zusätzlich. Bei Betroffenen mit bereits einmal aufgetretener Kieferluxation besteht zudem ein deutlich erhöhtes Risiko für ein wiederholtes Auftreten der Verletzung.
Symptome
Die Kieferluxation äußert sich durch eine plötzliche Unfähigkeit, den Mund wieder eigenständig zu schließen, wobei der Unterkiefer in einer charakteristischen, nach vorne verlagerten Fehlstellung verharrt sowie die betroffene Person aufgrund der bestehenden Fehlstellung erhebliche Schwierigkeiten beim Sprechen sowie Schlucken hat. Begleitend bestehen häufig deutliche Schmerzen im Bereich des betroffenen Kiefergelenks sowie ein ausgeprägtes Gefühl der Anspannung der umliegenden Kaumuskulatur, die reflexartig auf die ungewohnte Gelenkposition reagiert. Bei einer einseitigen Kieferluxation zeigt sich zusätzlich eine sichtbare Abweichung des Unterkiefers zur nicht betroffenen Seite.
Diagnostik
Die Diagnose der Kieferluxation wird überwiegend klinisch anhand des charakteristischen Erscheinungsbildes mit der unfähigen, in Fehlstellung verharrenden Mundöffnung gestellt, wobei eine gezielte Tastuntersuchung des Kiefergelenks die leere Gelenkgrube sowie den nach vorne verlagerten Gelenkkopf direkt bestätigen kann. Eine Bildgebung mittels Röntgenaufnahme wird insbesondere bei erstmaligem Auftreten der Verletzung sowie bei Verdacht auf eine begleitende Fraktur des Kiefergelenks empfohlen, um eine solche Begleitverletzung sicher auszuschließen. Bei wiederholt auftretender Kieferluxation kann eine weiterführende Untersuchung der Kiefergelenksstabilität zur Klärung einer möglicherweise zugrunde liegenden Bänderschwäche beitragen.
Behandlung
Die Behandlung der Kieferluxation besteht in einer unverzüglichen, manuellen Reposition, bei der die behandelnde Person mit gezieltem Druck auf die unteren Backenzähne sowie einer gleichzeitigen Bewegung des Unterkiefers nach unten sowie hinten den Gelenkkopf wieder in seine normale Position innerhalb der Gelenkgrube zurückführt, wonach sich der Mund der betroffenen Person umgehend wieder schließen lässt. Diese Reposition wird idealerweise von geschultem medizinischem oder zahnärztlichem Fachpersonal durchgeführt, kann jedoch bei entsprechender Erfahrung auch außerhalb einer medizinischen Einrichtung gelingen. Nach erfolgreicher Reposition wird eine vorübergehende Schonung mit Vermeidung einer übermäßig weiten Mundöffnung sowie gegebenenfalls eine unterstützende Bandage empfohlen, um ein unmittelbares erneutes Auftreten zu verhindern.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Kieferluxation ist nach erfolgreicher manueller Reposition sehr gut, wobei sich die Beschwerden bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen unmittelbar nach der Reposition deutlich bessern sowie innerhalb weniger Tage vollständig zurückbilden. Bei Betroffenen mit einer bereits bestehenden Überbeweglichkeit der Kiefergelenksbänder besteht jedoch ein deutlich erhöhtes Risiko für ein wiederholtes Auftreten der Verletzung, weshalb eine gezielte Vermeidung einer übermäßig weiten Mundöffnung sowie bei häufig wiederkehrender Luxation eine weiterführende, gegebenenfalls operative Behandlung der zugrunde liegenden Bänderschwäche erwogen werden kann. Eine bleibende Beeinträchtigung der Kiefergelenksfunktion nach erfolgreicher Behandlung ist selten.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Kieferluxation: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wodurch wird eine Kieferluxation meist ausgelöst?
Durch eine übermäßig weite Öffnung des Mundes, etwa beim Gähnen, Lachen oder bei einer zahnärztlichen Behandlung.
Wie wird die Kieferluxation behandelt?
Durch eine unverzügliche, manuelle Reposition, bei der der Gelenkkopf wieder in seine normale Position zurückgeführt wird.
Besteht ein Risiko für ein erneutes Auftreten?
Ja, insbesondere bei bereits bestehender Überbeweglichkeit der Kiefergelenksbänder.
Ist die Prognose nach erfolgreicher Behandlung gut?
Ja, die Beschwerden bilden sich bei den meisten Betroffenen innerhalb weniger Tage vollständig zurück.
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