Sexuelle Beziehungsstörung
Die sexuelle Beziehungsstörung bezeichnet eine Beeinträchtigung des sexuellen Erlebens oder Verhaltens, die ursächlich eng mit Problemen in der partnerschaftlichen Beziehung verknüpft ist, etwa mit ungelösten Konflikten, mangelndem Vertrauen, Kommunikationsschwierigkeiten oder einer emotionalen Entfremdung zwischen den Partnerinnen und Partnern. Charakteristisch ist, dass die sexuelle Funktionsstörung nicht auf eine allgemeine sexuelle Störung der betroffenen Person zurückzuführen ist, sondern spezifisch im Kontext dieser bestimmten partnerschaftlichen Beziehung auftritt, während die sexuelle Funktion außerhalb dieser Beziehung, etwa in früheren oder späteren Partnerschaften, unbeeinträchtigt sein kann. Diese enge Verknüpfung mit der Beziehungsdynamik unterscheidet die sexuelle Beziehungsstörung von anderen sexuellen Funktionsstörungen, deren Ursachen eher in individuellen körperlichen oder psychischen Faktoren liegen.
Ursachen
Die sexuelle Beziehungsstörung entsteht im Zusammenhang mit spezifischen Problemen innerhalb einer partnerschaftlichen Beziehung, etwa anhaltenden ungelösten Konflikten, einem Mangel an emotionaler Nähe und Vertrauen, unausgesprochenen Kränkungen oder einer schleichenden Entfremdung der Partnerinnen und Partner voneinander. Auch unterschiedliche Erwartungen an die sexuelle Beziehung, Machtungleichgewichte innerhalb der Partnerschaft oder belastende äußere Umstände, die die Beziehung insgesamt unter Druck setzen, etwa berufliche Belastung oder familiäre Konflikte, können zur Entstehung beitragen. Charakteristisch ist, dass die sexuelle Beeinträchtigung eng an die spezifische Dynamik dieser Beziehung gekoppelt ist und sich verbessert oder verschwindet, wenn die zugrunde liegenden Beziehungsprobleme gelöst werden oder die Beziehung endet.
Symptome
Betroffene erleben eine Beeinträchtigung ihres sexuellen Verlangens, ihrer Erregungsfähigkeit oder ihrer Fähigkeit zur sexuellen Befriedigung, die spezifisch innerhalb der betroffenen Partnerschaft auftritt. Häufig bestehen begleitend deutliche partnerschaftliche Spannungen, etwa häufige Konflikte, ein Gefühl der emotionalen Distanz oder ein Mangel an offener Kommunikation über Bedürfnisse und Erwartungen. Die sexuelle Beeinträchtigung wird von beiden oder einer der beiden beteiligten Personen häufig als besonders belastend erlebt, da sie sowohl als Symptom als auch als weiterer Belastungsfaktor für die ohnehin angespannte Beziehung wahrgenommen wird. Charakteristisch ist, dass außerhalb dieser spezifischen Beziehung, etwa bei früheren Partnerschaften, keine vergleichbaren sexuellen Schwierigkeiten bestanden.
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt durch ein einfühlsames klinisches Gespräch, idealerweise unter Einbeziehung beider Partnerinnen und Partner, in dem sowohl die sexuelle Symptomatik als auch die partnerschaftliche Beziehungsdynamik sorgfältig erfasst werden. Entscheidend für die Diagnose ist der Nachweis eines engen ursächlichen Zusammenhangs zwischen den partnerschaftlichen Problemen und der sexuellen Beeinträchtigung, sowie die Abgrenzung zu einer allgemeinen, von der spezifischen Beziehung unabhängigen sexuellen Funktionsstörung. Die Erfassung der Beziehungsgeschichte, aktueller Konflikte sowie der individuellen sexuellen Vorgeschichte außerhalb dieser Beziehung ist wichtiger Bestandteil der umfassenden diagnostischen Abklärung.
Behandlung
Die Behandlung der sexuellen Beziehungsstörung stützt sich vor allem auf eine Paartherapie, die auf die Bearbeitung der zugrunde liegenden partnerschaftlichen Konflikte, die Verbesserung der Kommunikation sowie den Wiederaufbau von emotionaler Nähe und Vertrauen abzielt. Sexualtherapeutische Elemente können ergänzend eingesetzt werden, um den Umgang mit der sexuellen Symptomatik konkret zu bearbeiten. Da die sexuelle Beeinträchtigung eng mit der Beziehungsdynamik verknüpft ist, ist die gemeinsame Einbindung beider Partnerinnen und Partner in die Behandlung in der Regel deutlich wirksamer als eine ausschließlich individuell ausgerichtete Behandlung. Eine offene, wertschätzende Gesprächsatmosphäre, die beiden Seiten Raum für ihre Perspektive gibt, ist für den Behandlungserfolg von zentraler Bedeutung.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der sexuellen Beziehungsstörung hängt eng mit dem Verlauf der zugrunde liegenden partnerschaftlichen Problematik zusammen. Gelingt es dem Paar, mit therapeutischer Unterstützung die zugrunde liegenden Konflikte zu bearbeiten und die emotionale Nähe wiederherzustellen, bessert sich die sexuelle Symptomatik bei vielen Paaren deutlich. Bleiben die partnerschaftlichen Probleme unbearbeitet, kann die sexuelle Beeinträchtigung bestehen bleiben und die Beziehung zusätzlich belasten. Eine frühzeitige, gemeinsame Inanspruchnahme einer Paartherapie verbessert die Prognose erheblich, wobei die Bereitschaft beider Partnerinnen und Partner, sich aktiv auf den therapeutischen Prozess einzulassen, ein entscheidender Erfolgsfaktor ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Sexuelle Funktionsstörungen: Ursachen, Diagnostik, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Worin unterscheidet sich die sexuelle Beziehungsstörung von anderen sexuellen Funktionsstörungen?
Bei der sexuellen Beziehungsstörung ist die Beeinträchtigung eng an die spezifische partnerschaftliche Beziehung gekoppelt, während andere sexuelle Funktionsstörungen eher in individuellen körperlichen oder psychischen Faktoren begründet sind, unabhängig von der jeweiligen Partnerschaft.
Ist eine Paartherapie immer notwendig?
Da die Störung eng mit der Beziehungsdynamik verknüpft ist, ist die gemeinsame Einbindung beider Partnerinnen und Partner in der Regel deutlich wirksamer als eine rein individuelle Behandlung.
Kann sich die sexuelle Funktion in einer neuen Beziehung wieder normalisieren?
Da die Beeinträchtigung spezifisch an die betroffene Beziehung gebunden ist, kann die sexuelle Funktion in einer anderen Partnerschaft unbeeinträchtigt sein, sofern keine zugrunde liegende individuelle Störung vorliegt.
Welche Themen werden in der Paartherapie bearbeitet?
Im Vordergrund stehen die Bearbeitung zugrunde liegender Konflikte, die Verbesserung der Kommunikation sowie der Wiederaufbau von emotionaler Nähe und Vertrauen zwischen den Partnerinnen und Partnern.
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