Rett-Syndrom
Das Rett-Syndrom bezeichnet eine seltene, fast ausschließlich Mädchen betreffende erbliche Entwicklungsstörung, bei der sich die betroffenen Kinder nach einer zunächst weitgehend unauffälligen frühkindlichen Entwicklung im Verlauf der ersten Lebensjahre in ihrer weiteren Entwicklung deutlich verlangsamen sowie im Anschluss bereits erworbene Fähigkeiten, insbesondere gezielte Handbewegungen sowie erste sprachliche Fertigkeiten, zunehmend wieder verlieren. Diese charakteristische Entwicklung, bei der einer zunächst unauffälligen Phase ein deutlicher, oft rascher Entwicklungsrückschritt folgt, unterscheidet das Rett-Syndrom von vielen anderen, bereits von Geburt an bestehenden Entwicklungsstörungen. Charakteristisch für die Erkrankung sind zudem stereotype, sich wiederholende Handbewegungen, insbesondere ein charakteristisches Händereiben oder -waschen, die im weiteren Krankheitsverlauf hinzutreten.
Ursachen
Das Rett-Syndrom wird bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen durch eine Veränderung eines bestimmten, auf dem X-Chromosom gelegenen Gens verursacht, das für ein Protein kodiert, welches für die normale Reifung sowie Funktion der Nervenzellen im Gehirn von zentraler Bedeutung ist. Da das betroffene Gen auf dem X-Chromosom liegt sowie eine entsprechende Veränderung bei männlichen Feten meist bereits vor der Geburt zum Tod führt, sind fast ausschließlich Mädchen von der Erkrankung betroffen. Die zugrunde liegende genetische Veränderung entsteht bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen spontan, neu während der frühen Embryonalentwicklung, ohne dass bei den Eltern selbst eine entsprechende genetische Veranlagung vorliegt.
Symptome
Das Rett-Syndrom äußert sich durch eine charakteristische, mehrphasige Entwicklung, bei der sich das betroffene Kind zunächst über die ersten sechs bis achtzehn Lebensmonate weitgehend unauffällig entwickelt, bevor sich das Wachstum des Kopfumfangs verlangsamt sowie im Anschluss ein rascher Verlust bereits erworbener Fähigkeiten, insbesondere gezielter Handbewegungen sowie erster sprachlicher Fertigkeiten, eintritt. Charakteristisch für die Erkrankung sind zudem stereotype, sich wiederholende Handbewegungen, insbesondere ein typisches Händereiben, -waschen oder -knet, die anstelle der zuvor erlernten gezielten Handfunktionen hinzutreten. Im weiteren Verlauf entwickeln viele betroffene Mädchen zusätzlich eine ausgeprägte Bewegungsstörung mit zunehmender Muskelsteifigkeit, Krampfanfälle sowie Störungen der Atmung sowie des Herzrhythmus.
Diagnostik
Die Diagnose des Rett-Syndroms wird zunächst anhand des charakteristischen klinischen Verlaufs mit einer zunächst unauffälligen frühkindlichen Entwicklung, gefolgt von einem deutlichen Entwicklungsrückschritt sowie den typischen stereotypen Handbewegungen, nahegelegt. Eine gezielte genetische Untersuchung ermöglicht bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen die endgültige Bestätigung der Diagnose durch den Nachweis der zugrunde liegenden genetischen Veränderung. Eine umfassende weiterführende Untersuchung, einschließlich einer Bildgebung des Gehirns sowie einer Ableitung der Hirnströme, wird zum Ausschluss anderer, ähnlich erscheinender Entwicklungsstörungen sowie zur genaueren Charakterisierung der bestehenden Krampfanfallsneigung empfohlen.
Behandlung
Eine ursächliche Behandlung, die die zugrunde liegende genetische Störung beim Rett-Syndrom vollständig beheben könnte, existiert bislang nicht, weshalb sich die Behandlung auf eine umfassende, multidisziplinäre unterstützende Betreuung konzentriert, die Physiotherapie, Ergotherapie sowie Logopädie zur bestmöglichen Förderung sowie zum Erhalt der noch vorhandenen Fähigkeiten umfasst. Bestehende Krampfanfälle werden gezielt medikamentös behandelt, während eine spezielle, hochkalorische Ernährungsbegleitung dem häufig bestehenden Risiko einer unzureichenden Gewichtszunahme entgegenwirkt. Eine engmaschige kardiologische sowie orthopädische Überwachung ist von Bedeutung, um mögliche Komplikationen, insbesondere Herzrhythmusstörungen sowie eine fortschreitende Wirbelsäulenverkrümmung, frühzeitig zu erkennen sowie zu behandeln.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf des Rett-Syndroms ist chronisch, wobei sich die betroffenen Mädchen nach der akuten Phase des Entwicklungsrückschritts über die Zeit häufig in einer relativ stabilen Phase befinden, in der sich das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamt. Die Lebenserwartung ist bei den meisten Betroffenen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich verkürzt, wobei ein erheblicher Teil der Betroffenen dennoch das Erwachsenenalter erreicht. Eine umfassende, multidisziplinäre unterstützende Betreuung sowie eine intensive psychosoziale Begleitung der betroffenen Familien sind angesichts des schweren, lebenslangen Krankheitsverlaufs von großer Bedeutung für die bestmögliche Lebensqualität der betroffenen Mädchen sowie ihrer Angehörigen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Rett-Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum sind fast ausschließlich Mädchen betroffen?
Weil das betroffene Gen auf dem X-Chromosom liegt und eine entsprechende Veränderung bei männlichen Feten meist bereits vor der Geburt zum Tod führt.
Was ist charakteristisch für den Krankheitsverlauf?
Eine zunächst unauffällige frühkindliche Entwicklung, gefolgt von einem deutlichen Verlust bereits erworbener Fähigkeiten.
Welche charakteristische Handbewegung tritt im Verlauf auf?
Ein typisches Händereiben, -waschen oder -kneten.
Gibt es eine ursächliche Behandlung?
Nein, die Behandlung konzentriert sich auf eine umfassende, multidisziplinäre unterstützende Betreuung.
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