Refsum-Krankheit
Die Refsum-Krankheit ist eine seltene, erblich bedingte Stoffwechselerkrankung, bei der ein bestimmtes Enzym, das für den Abbau einer speziellen, mit der Nahrung aufgenommenen Fettsäure namens Phytansäure zuständig ist, in seiner Funktion gestört ist. Dadurch reichert sich diese Fettsäure im Körper, insbesondere im Nervengewebe sowie in weiteren Organen, allmählich an und verursacht im Laufe der Zeit eine charakteristische Kombination aus Symptomen, die vor allem das Nervensystem, die Augen sowie die Haut betreffen. Da die Erkrankung mit einer bestimmten Ernährung, die reich an dieser Fettsäure ist, in Zusammenhang steht, spielt eine gezielte diätetische Behandlung eine zentrale Rolle in der Therapie dieser seltenen Erkrankung.
Ursachen
Die Refsum-Krankheit wird durch eine erbliche, autosomal-rezessiv vererbte Veränderung eines Gens verursacht, das für ein Enzym kodiert, das für den Abbau der Phytansäure innerhalb bestimmter Zellstrukturen, der sogenannten Peroxisomen, notwendig ist. Phytansäure wird nicht vom Körper selbst hergestellt, sondern ausschließlich über die Nahrung aufgenommen, insbesondere über bestimmte tierische Fette sowie über pflanzliche Nahrungsmittel, die aus Wiederkäuern stammende Bestandteile enthalten. Bei einer Funktionsstörung des abbauenden Enzyms reichert sich die aufgenommene Phytansäure zunehmend im Körpergewebe an, wobei das Ausmaß der Anreicherung und damit auch der Beschwerden wesentlich von der Menge der über die Nahrung aufgenommenen Fettsäure beeinflusst wird.
Symptome
Die Refsum-Krankheit äußert sich durch eine charakteristische Kombination verschiedener Symptome, die sich meist schleichend über Jahre entwickeln. Eine fortschreitende Nachtblindheit sowie eine allmähliche Einengung des Gesichtsfeldes durch eine Netzhautdegeneration gehören zu den frühesten und häufigsten Symptomen. Begleitend entwickelt sich häufig eine periphere Nervenschädigung mit Taubheitsgefühl, Kribbeln sowie einer zunehmenden Schwäche vor allem der Beine. Ein vermindertes Hörvermögen, Gleichgewichtsstörungen durch eine Beteiligung des Kleinhirns sowie trockene, schuppende Hautveränderungen können ebenfalls auftreten. Bei manchen Betroffenen bestehen zusätzlich Herzrhythmusstörungen sowie eine Verkürzung einzelner Fingerknochen, die auf eine Beteiligung des Skelettsystems hinweisen.
Diagnostik
Die Diagnose der Refsum-Krankheit wird durch eine Blutuntersuchung gestellt, die einen deutlich erhöhten Spiegel der Phytansäure im Blut nachweist. Eine augenärztliche Untersuchung zeigt die charakteristischen Veränderungen der Netzhaut, die für die fortschreitende Nachtblindheit sowie die Gesichtsfeldeinengung verantwortlich sind. Eine elektrophysiologische Untersuchung der Nerven kann das Ausmaß der peripheren Nervenschädigung objektivieren. Zur endgültigen Diagnosesicherung sowie zur Bestätigung des zugrunde liegenden Enzymdefekts wird eine humangenetische Untersuchung durchgeführt. Da die Erkrankung sehr selten ist und ihre Symptome sich schleichend entwickeln, vergehen bis zur endgültigen Diagnosestellung häufig mehrere Jahre nach dem ersten Auftreten von Beschwerden.
Behandlung
Die wichtigste Behandlungsmaßnahme bei der Refsum-Krankheit ist eine konsequente, lebenslange Ernährungsumstellung mit einer deutlichen Reduktion der über die Nahrung aufgenommenen Phytansäure, insbesondere durch die Vermeidung bestimmter tierischer Fette sowie von Milchprodukten aus Wiederkäuern. Diese diätetische Behandlung kann das weitere Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamen und bei einem Teil der Betroffenen sogar zu einer teilweisen Besserung bereits bestehender Beschwerden führen. Bei akuten, sehr hohen Anstiegen des Phytansäurespiegels, etwa im Rahmen einer Gewichtsabnahme, bei der körpereigenes Fettgewebe mit gespeicherter Phytansäure abgebaut wird, kann in schweren Fällen eine Blutwäsche zur raschen Senkung des Spiegels notwendig werden. Eine begleitende, symptomorientierte Behandlung der Nerven-, Augen- und Hautbeschwerden ergänzt die diätetische Therapie.
Verlauf und Prognose
Bei rechtzeitiger Diagnose und konsequenter, lebenslanger Einhaltung der phytansäurearmen Diät kann das Fortschreiten der Refsum-Krankheit bei einem erheblichen Teil der Betroffenen deutlich verlangsamt werden, wobei manche bereits bestehende Beschwerden, insbesondere die periphere Nervenschädigung, sich unter der diätetischen Behandlung teilweise zurückbilden können. Bereits eingetretene, ausgeprägte Netzhautveränderungen bilden sich hingegen in der Regel nicht mehr vollständig zurück. Wird die Diät nicht eingehalten oder kommt es zu einem plötzlichen Anstieg des Phytansäurespiegels, etwa im Rahmen einer raschen Gewichtsabnahme, kann sich die Erkrankung akut deutlich verschlechtern. Eine lebenslange, konsequente Einhaltung der Ernährungsempfehlungen sowie regelmäßige Verlaufskontrollen sind daher von entscheidender Bedeutung für die langfristige Prognose.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Refsum-Krankheit: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum ist bei der Refsum-Krankheit die Ernährung so entscheidend?
Weil die Phytansäure, die sich bei dieser Erkrankung im Körper anreichert, ausschließlich über die Nahrung aufgenommen wird und nicht vom Körper selbst hergestellt wird, weshalb eine konsequente Reduktion der Zufuhr das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamen kann.
Können sich bereits eingetretene Beschwerden durch die Diät zurückbilden?
Bei der peripheren Nervenschädigung ist bei konsequenter diätetischer Behandlung teilweise eine Besserung möglich, während bereits ausgeprägte Netzhautveränderungen in der Regel nicht mehr vollständig rückgängig gemacht werden können.
Warum kann eine rasche Gewichtsabnahme gefährlich sein?
Weil beim Abbau von körpereigenem Fettgewebe die darin gespeicherte Phytansäure freigesetzt wird, was zu einem plötzlichen Anstieg des Blutspiegels und einer akuten Verschlechterung der Erkrankung führen kann.
Welche Organe sind bei der Refsum-Krankheit typischerweise betroffen?
Vor allem die Netzhaut der Augen, die peripheren Nerven, das Gehör, das Kleinhirn sowie die Haut, wobei sich die charakteristische Kombination dieser Beschwerden meist schleichend über Jahre entwickelt.
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