Protrusio acetabuli
Die Protrusio acetabuli bezeichnet eine übermäßige Vertiefung der Hüftgelenkspfanne, bei der die innere Wand der Pfanne zunehmend nachgibt sowie sich der Hüftkopf gemeinsam mit der Pfanne zunehmend weiter in Richtung des Beckeninneren verlagert, als dies bei einer normal ausgeformten Hüftgelenkspfanne der Fall ist. Diese übermäßige Vertiefung der Pfanne schränkt die normale Beweglichkeit des Hüftgelenks, insbesondere die Beugung sowie die nach innen gerichtete Drehbewegung, zunehmend ein und begünstigt durch die veränderte Druckverteilung innerhalb des Gelenks langfristig die Entstehung einer vorzeitigen Hüftgelenksarthrose. Die Protrusio acetabuli kann sowohl als eigenständige, meist beidseitig auftretende Erkrankung ohne erkennbare zugrunde liegende Ursache als auch als Folge verschiedener anderer Grunderkrankungen des Skeletts entstehen.
Ursachen
Die eigenständige, sogenannte primäre Protrusio acetabuli tritt überwiegend bei Frauen auf und entsteht ohne erkennbare zugrunde liegende Ursache, wobei eine erbliche Veranlagung zu einer strukturellen Schwäche der inneren Pfannenwand als möglicher zugrunde liegender Mechanismus diskutiert wird. Häufiger entsteht die Protrusio acetabuli sekundär, als Folge einer anderen, die Knochenstruktur schwächenden Grunderkrankung, insbesondere einer Osteoporose, einer rheumatoiden Arthritis mit Beteiligung des Hüftgelenks, bestimmter erblicher Bindegewebserkrankungen oder eines vorausgegangenen Traumas der Hüftgelenkspfanne. Bei sekundären Formen steht die zugrunde liegende Grunderkrankung im Vordergrund, wobei die Protrusio acetabuli selbst eine Folgeerscheinung der geschwächten Knochenstruktur der Pfanne darstellt.
Symptome
Die Protrusio acetabuli äußert sich zunächst durch eine zunehmende, belastungsabhängige Einschränkung der Hüftgelenksbeweglichkeit, insbesondere der Beugung sowie der nach innen gerichteten Drehbewegung des Hüftgelenks, die im Alltag beispielsweise das Binden der Schuhe oder das Sitzen mit übergeschlagenen Beinen zunehmend erschwert. Im weiteren Verlauf entwickeln viele Betroffene einen belastungsabhängigen Hüftschmerz, der durch die zunehmend gestörte Druckverteilung innerhalb des Gelenks sowie eine sich allmählich entwickelnde Hüftgelenksarthrose verursacht wird. Bei ausgeprägter Protrusio acetabuli kann zudem eine spürbare Verkürzung des betroffenen Beins auftreten, die durch das zunehmende Einsinken des Hüftkopfs in das Becken bedingt ist.
Diagnostik
Die Diagnose der Protrusio acetabuli wird durch eine Röntgenaufnahme des Beckens gestellt, bei der sich die charakteristische, übermäßige Vertiefung der Hüftgelenkspfanne sowie die Verlagerung des Hüftkopfs in Richtung des Beckeninneren anhand standardisierter röntgenologischer Messwerte objektiv nachweisen lässt. Eine sorgfältige weiterführende Abklärung möglicher zugrunde liegender Grunderkrankungen, insbesondere eine Knochendichtemessung zum Ausschluss einer Osteoporose sowie eine Blutuntersuchung bei Verdacht auf eine zugrunde liegende rheumatoide Arthritis, wird bei entsprechendem klinischem Verdacht empfohlen. Eine Magnetresonanztomografie kann zusätzliche Informationen über das Ausmaß einer bereits bestehenden Knorpelschädigung des Hüftgelenks liefern.
Behandlung
Die Behandlung der Protrusio acetabuli richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden sowie der zugrunde liegenden Ursache, wobei bei geringgradiger Ausprägung sowie geringen Beschwerden zunächst eine konservative Behandlung mit schmerzlindernden Medikamenten sowie einer gezielten physiotherapeutischen Behandlung zum Erhalt der verbliebenen Hüftgelenksbeweglichkeit ausreichend sein kann. Bei einer zugrunde liegenden sekundären Ursache wird zusätzlich eine gezielte Behandlung dieser Grunderkrankung, etwa eine konsequente Osteoporosebehandlung, durchgeführt, um ein weiteres Fortschreiten der Pfannenvertiefung zu verlangsamen. Bei ausgeprägten Beschwerden sowie bereits eingetretener, fortgeschrittener Hüftgelenksarthrose stellt der operative Ersatz des Hüftgelenks durch eine künstliche Hüftgelenksprothese die wirksamste Behandlungsoption dar.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der Protrusio acetabuli ist bei der primären, eigenständigen Form meist langsam über viele Jahre fortschreitend, wobei sich die Beweglichkeitseinschränkung sowie ein möglicherweise auftretender Hüftschmerz allmählich verstärken können. Bei der sekundären Form hängt der weitere Verlauf maßgeblich vom Erfolg der Behandlung der zugrunde liegenden Grunderkrankung ab, wobei eine konsequente Behandlung dieser Grunderkrankung das weitere Fortschreiten der Pfannenvertiefung deutlich verlangsamen kann. Bei bereits eingetretener, fortgeschrittener Hüftgelenksarthrose führt eine operative Versorgung mit einer künstlichen Hüftgelenksprothese bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen zu einer deutlichen Besserung sowohl der Beweglichkeit als auch der Schmerzsymptomatik.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Protrusio acetabuli: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wer ist von der eigenständigen Form überwiegend betroffen?
Überwiegend Frauen, wobei die genaue Ursache in diesem Fall nicht bekannt ist.
Welche Grunderkrankungen können die sekundäre Form verursachen?
Insbesondere Osteoporose, rheumatoide Arthritis sowie bestimmte erbliche Bindegewebserkrankungen.
Welche Bewegungen sind zuerst eingeschränkt?
Die Beugung sowie die nach innen gerichtete Drehbewegung des Hüftgelenks.
Wie wird eine bereits fortgeschrittene Arthrose behandelt?
Durch den operativen Ersatz des Hüftgelenks mit einer künstlichen Hüftgelenksprothese.
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