Polyp im Mittelohr
Ein Polyp im Mittelohr ist eine gutartige, meist rötliche Gewebewucherung, die von der entzündlich veränderten Schleimhaut der Paukenhöhle ausgeht und sich durch eine bestehende Öffnung im Trommelfell in den äußeren Gehörgang vorwölben kann. Er entsteht als Folge einer lang anhaltenden Reizung der Mittelohrschleimhaut, meist im Rahmen einer chronischen Mittelohrentzündung, bei der die Schleimhaut über längere Zeit entzündlich verändert bleibt und dabei ein überschießendes, wucherndes Gewebe bilden kann. Ein Mittelohrpolyp ist selbst gutartig und nicht bösartig, kann jedoch, wenn er länger unbehandelt bleibt, Beschwerden verursachen und die zugrunde liegende chronische Entzündung sowie deren mögliche Komplikationen begünstigen, weshalb eine fachärztliche Abklärung und Behandlung wichtig ist.
Ursachen
Die häufigste Ursache eines Mittelohrpolypen ist eine chronische, über längere Zeit bestehende Entzündung des Mittelohres, bei der die anhaltend gereizte Schleimhaut zu einer überschießenden, gutartigen Gewebewucherung neigt. Eine bereits bestehende Perforation des Trommelfells, durch die die entzündete Schleimhaut nach außen wachsen kann, begünstigt die Entstehung eines sichtbaren Polypen im äußeren Gehörgang zusätzlich. Auch ein länger liegendes Paukenröhrchen kann in selteneren Fällen zur Bildung eines kleinen Polypen an der Einsatzstelle führen. Seltener liegt einem Mittelohrpolyp eine tiefergehende Erkrankung, etwa ein sogenanntes Cholesteatom, eine gutartige, aber knochenzerstörende Gewebeneubildung im Mittelohr, zugrunde, weshalb bei jedem Mittelohrpolyp eine sorgfältige Abklärung der zugrunde liegenden Ursache notwendig ist.
Symptome
Das häufigste Symptom eines Mittelohrpolypen ist ein anhaltender, oft übelriechender Ausfluss aus dem betroffenen Ohr, der auf die chronische Entzündung der Mittelohrschleimhaut zurückzuführen ist. Viele Betroffene bemerken zudem eine zunehmende Hörminderung, die durch die den Gehörgang teilweise verlegende Gewebewucherung sowie durch die zugrunde liegende chronische Mittelohrentzündung selbst bedingt sein kann. Schmerzen sind bei einem unkomplizierten Mittelohrpolyp meist nur gering ausgeprägt, da es sich um einen chronischen, meist wenig schmerzhaften Prozess handelt; stärkere Schmerzen können jedoch auf eine zusätzliche akute Entzündungskomponente hinweisen. Bei manchen Betroffenen kommt es zu einer leichten Blutungsneigung des Polypen, insbesondere bei Berührung oder Reinigungsversuchen des Gehörgangs.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch die Untersuchung des Ohres mit dem Ohrmikroskop gestellt, bei der sich der Polyp typischerweise als weiche, rötliche, leicht blutende Gewebewucherung im äußeren Gehörgang zeigt, die von einer Perforation des Trommelfells ausgeht. Zur Abklärung der zugrunde liegenden Ursache und zum Ausschluss eines Cholesteatoms wird häufig eine bildgebende Untersuchung des Mittelohres und des Warzenfortsatzes mittels Computertomographie durchgeführt, insbesondere wenn der Verlauf untypisch erscheint oder die chronische Entzündung trotz Behandlung fortbesteht. Eine Hörprüfung erfasst das Ausmaß einer begleitenden Hörminderung. In manchen Fällen wird eine kleine Gewebeprobe des Polypen feingeweblich untersucht, um eine gutartige Natur der Wucherung zu bestätigen.
Behandlung
Die Behandlung eines Mittelohrpolypen umfasst in der Regel dessen operative Entfernung, häufig im Rahmen einer umfassenderen operativen Sanierung der zugrunde liegenden chronischen Mittelohrentzündung, bei der auch das entzündlich veränderte Gewebe im Mittelohr behandelt und die Trommelfellperforation nach Möglichkeit verschlossen wird. Vor einer geplanten Operation wird die akute Entzündungskomponente häufig zunächst durch antibiotische Ohrentropfen sowie eine sorgfältige Reinigung des Gehörgangs behandelt, um die Ausgangssituation für den Eingriff zu verbessern. Wird bei der Abklärung ein zugrunde liegendes Cholesteatom festgestellt, richtet sich die weitere operative Behandlung nach den spezifischen Erfordernissen dieser Erkrankung, da hierbei eine vollständige Entfernung des knochenzerstörenden Gewebes von besonderer Bedeutung ist.
Verlauf und Prognose
Nach vollständiger operativer Entfernung des Polypen sowie einer angemessenen Behandlung der zugrunde liegenden chronischen Mittelohrentzündung ist die Prognose bei den meisten Betroffenen gut, wobei sich sowohl der Ausfluss aus dem Ohr als auch eine begleitende Hörminderung in der Regel deutlich bessern. Bleibt die zugrunde liegende chronische Entzündung unbehandelt oder wird der Polyp nicht vollständig entfernt, kann es zu einem erneuten Wachstum kommen. Liegt dem Polypen ein Cholesteatom zugrunde, ist eine konsequente, meist auch operative Behandlung besonders wichtig, da diese Gewebeneubildung unbehandelt fortschreiten und benachbarte Knochenstrukturen sowie in seltenen Fällen auch das Innenohr oder angrenzende Strukturen schädigen kann. Regelmäßige fachärztliche Kontrollen nach der Behandlung werden empfohlen, um ein erneutes Auftreten frühzeitig zu erkennen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Polyp im Mittelohr: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist ein Mittelohrpolyp bösartig?
Nein, ein Mittelohrpolyp ist eine gutartige Gewebewucherung. Er sollte dennoch fachärztlich abgeklärt und behandelt werden, da er Beschwerden verursachen und auf eine behandlungsbedürftige zugrunde liegende Erkrankung, etwa eine chronische Mittelohrentzündung, hinweisen kann.
Warum ist eine Abklärung auf ein Cholesteatom wichtig?
Weil ein Cholesteatom, eine gutartige, aber knochenzerstörende Gewebeneubildung im Mittelohr, gelegentlich einem Mittelohrpolypen zugrunde liegen kann und unbehandelt fortschreiten sowie benachbarte Strukturen schädigen kann, weshalb es sicher ausgeschlossen oder gezielt behandelt werden muss.
Warum riecht der Ausfluss bei einem Mittelohrpolyp oft unangenehm?
Weil der Ausfluss aus einer chronischen, bakteriell besiedelten Entzündung der Mittelohrschleimhaut stammt, die den charakteristischen, oft als unangenehm empfundenen Geruch verursacht.
Kann sich ein Mittelohrpolyp nach der Entfernung erneut bilden?
Ja, insbesondere wenn die zugrunde liegende chronische Mittelohrentzündung nicht ausreichend mitbehandelt wird, weshalb eine umfassende Sanierung sowie regelmäßige Nachkontrollen empfohlen werden.
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