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Psyche & Nervensystem

Phobische Störung des Kindesalters

Die phobische Störung des Kindesalters bezeichnet eine ausgeprägte, unangemessene Furcht vor bestimmten Objekten oder Situationen, die für eine bestimmte Entwicklungsphase des Kindes charakteristisch ist und deutlich über das altersübliche Maß an entwicklungsbedingten Ängsten hinausgeht. Viele Kinder durchlaufen in bestimmten Entwicklungsphasen typische, vorübergehende Ängste, etwa vor Dunkelheit, bestimmten Tieren oder fremden Personen, die als normaler Bestandteil der Entwicklung gelten. Bei der phobischen Störung des Kindesalters ist die Furcht jedoch deutlich stärker ausgeprägt, hält länger an und führt zu erheblichem Leidensdruck oder Vermeidungsverhalten, das den Alltag des Kindes spürbar beeinträchtigt, ohne dass die Furcht in ihrem Ausmaß der tatsächlichen Bedrohung durch das gefürchtete Objekt oder die Situation entspricht.

Ursachen

Die Entstehung der phobischen Störung des Kindesalters wird als Zusammenspiel aus kindlichem Temperament, genetischer Veranlagung zu Ängstlichkeit sowie konkreten Lernerfahrungen verstanden. Ein von früh an ängstliches, zurückhaltendes Temperament kann die Entwicklung ausgeprägter Ängste begünstigen. Häufig entsteht die spezifische Furcht im Zusammenhang mit einer konkreten belastenden Erfahrung mit dem gefürchteten Objekt oder der Situation, etwa einem beängstigenden Erlebnis mit einem bestimmten Tier. Auch das Beobachten ängstlicher Reaktionen bei wichtigen Bezugspersonen sowie eine überbehütende Erziehung, die dem Kind wenig Gelegenheit gibt, eigene Bewältigungserfahrungen mit herausfordernden Situationen zu sammeln, können zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Furcht beitragen. Bei einem Teil der Kinder lässt sich kein konkretes auslösendes Ereignis identifizieren.

Symptome

Betroffene Kinder zeigen eine ausgeprägte, deutlich über das altersübliche Maß hinausgehende Furcht vor einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Situation, die bei Konfrontation zu starker Angst, Weinen, Wutausbrüchen, Anklammern oder dem Versuch, sich der Situation zu entziehen, führen kann. Viele Kinder entwickeln ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten gegenüber dem gefürchteten Objekt oder der Situation, das den Alltag erheblich einschränken kann, etwa wenn die Furcht Aktivitäten in Kindergarten, Schule oder im sozialen Umfeld betrifft. Begleitend können körperliche Symptome wie Herzklopfen, Schwitzen oder Übelkeit bei Konfrontation mit dem gefürchteten Reiz auftreten. Charakteristisch ist, dass die Furcht in ihrem Ausmaß nicht der tatsächlichen Gefährlichkeit des gefürchteten Objekts oder der Situation entspricht.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch eine ausführliche kinderpsychiatrische oder entwicklungspsychologische Untersuchung, in der die spezifische Furcht, ihre Auslöser sowie das Ausmaß des Vermeidungsverhaltens und der Beeinträchtigung im Alltag sorgfältig erfasst werden. Wichtig ist die Einbeziehung von Eltern sowie gegebenenfalls weiterer Bezugspersonen, um die Symptomatik in unterschiedlichen Lebensbereichen zu erfassen. Entscheidend für die Diagnose ist, dass die Furcht deutlich über das für das jeweilige Alter und die jeweilige Entwicklungsphase übliche Maß hinausgeht, über einen bedeutsamen Zeitraum anhält und zu erheblichem Leidensdruck oder Beeinträchtigungen führt. Die Abgrenzung zu vorübergehenden, entwicklungstypischen Ängsten, die keinen Krankheitswert besitzen, ist wesentlicher Bestandteil der diagnostischen Einordnung.

Behandlung

Die Behandlung der phobischen Störung des Kindesalters stützt sich vor allem auf verhaltenstherapeutische Ansätze, insbesondere eine schrittweise, kindgerecht gestaltete und behutsame Konfrontation mit dem gefürchteten Objekt oder der Situation, die dem Kind hilft, korrigierende Erfahrungen zu sammeln und die Furcht schrittweise abzubauen. Spielerische, altersgerechte Herangehensweisen sowie die aktive Einbindung der Eltern als unterstützende Begleitung während der Konfrontationsübungen haben sich bewährt. Auch die Vermittlung altersgerechter Entspannungstechniken kann hilfreich sein. Wichtig ist, dass Eltern vermeidendes Verhalten des Kindes nicht unbeabsichtigt verstärken, sondern das Kind ermutigen, sich der gefürchteten Situation in kleinen, bewältigbaren Schritten zu stellen.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der phobischen Störung des Kindesalters ist bei gezielter verhaltenstherapeutischer Behandlung insgesamt sehr günstig, viele Kinder erreichen innerhalb weniger Wochen bis Monate eine deutliche Reduktion ihrer Furcht. Ohne Behandlung bilden sich manche entwicklungstypischen Ängste zwar von selbst zurück, bei ausgeprägteren, den Alltag deutlich beeinträchtigenden Phobien besteht jedoch das Risiko, dass die Furcht über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt oder sich auf weitere Situationen ausweitet. Eine frühzeitige, kindgerechte Behandlung sowie eine unterstützende, nicht überbehütende Begleitung durch die Familie verbessern die langfristige Prognose deutlich.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Sind Ängste bei Kindern immer krankhaft?

Nein, viele Ängste sind ein normaler Bestandteil bestimmter Entwicklungsphasen; eine Störung liegt erst vor, wenn die Furcht deutlich über das altersübliche Maß hinausgeht und den Alltag erheblich beeinträchtigt.

Wie hilft eine schrittweise Konfrontation?

Eine behutsame, kindgerecht gestaltete Annäherung an das gefürchtete Objekt oder die Situation ermöglicht dem Kind korrigierende Erfahrungen und hilft, die Furcht schrittweise abzubauen.

Sollten Eltern das gefürchtete Objekt oder die Situation konsequent vermeiden?

Nein, dauerhaftes Vermeiden verstärkt die Furcht in der Regel eher, weshalb eine behutsame, unterstützte Annäherung dem Kind langfristig mehr hilft.

Wie schnell zeigt die Behandlung Wirkung?

Viele Kinder erreichen mit gezielter verhaltenstherapeutischer Behandlung bereits innerhalb weniger Wochen bis Monate eine deutliche Verbesserung.

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