Phantomschmerz
Der Phantomschmerz ist ein Schmerzempfinden, das in einem amputierten Körperteil wahrgenommen wird, obwohl dieses nicht mehr vorhanden ist. Er tritt bei einem erheblichen Teil der Menschen nach einer Amputation auf und ist von den ebenfalls häufigen, aber schmerzlosen Phantomempfindungen wie Kribbeln oder dem Gefühl, die Gliedmaße bewege sich noch, zu unterscheiden. Der Schmerz ist für Betroffene real und keine Einbildung, sondern beruht auf tatsächlichen Veränderungen im Nervensystem.
Ursachen
Nach einer Amputation kommt es zu Veränderungen sowohl an den durchtrennten Nervenenden im Stumpf als auch in den für die betroffene Körperregion zuständigen Arealen des Rückenmarks und Gehirns, die sich neu organisieren. Diese Umstrukturierung kann zu einer fehlerhaften Schmerzverarbeitung führen, bei der Signale so interpretiert werden, als kämen sie noch aus dem nicht mehr vorhandenen Körperteil. Bereits vor der Amputation bestehende chronische Schmerzen in der betroffenen Gliedmaße erhöhen das Risiko für spätere Phantomschmerzen.
Symptome
Betroffene beschreiben den Phantomschmerz häufig als brennend, stechend, krampfartig oder wie elektrisierend, lokalisiert in bestimmten Teilen der nicht mehr vorhandenen Gliedmaße, etwa den Fingern einer amputierten Hand. Die Intensität schwankt oft im Tagesverlauf und kann durch Stress, Wetteränderungen oder Berührung des Stumpfes beeinflusst werden. Viele Betroffene erleben zusätzlich schmerzlose Phantomempfindungen wie ein Kribbeln oder das Gefühl, die fehlende Gliedmaße noch in einer bestimmten Position zu spüren.
Diagnostik
Die Diagnose wird klinisch anhand der geschilderten Beschwerden und der vorausgegangenen Amputation gestellt, ein spezifischer Test existiert nicht. Wichtig ist die Unterscheidung vom Stumpfschmerz, der direkt im verbliebenen Körperteil selbst empfunden wird und andere Ursachen wie eine Wundheilungsstörung, eine Nervenverletzung oder eine schlecht sitzende Prothese haben kann und gezielt danach untersucht wird.
Behandlung
Die Behandlung kombiniert häufig mehrere Ansätze: Medikamente, die auch bei anderen Nervenschmerzen eingesetzt werden, können die Beschwerden lindern. Die Spiegeltherapie, bei der die gesunde Gliedmaße in einem Spiegel so betrachtet wird, dass optisch der Eindruck der noch vorhandenen amputierten Gliedmaße entsteht, hat sich bei vielen Betroffenen als wirksam erwiesen. Weitere Ansätze umfassen gezielte Stumpfbehandlung, physiotherapeutische Übungen sowie psychologische Unterstützung zur Bewältigung der oft belastenden, chronischen Schmerzen.
Verlauf und Vorbeugung
Bei einem Teil der Betroffenen lassen die Beschwerden im Laufe der Zeit nach, bei anderen bleibt der Phantomschmerz über Jahre bestehen und erfordert eine dauerhafte Behandlung. Eine gute Schmerzkontrolle bereits vor und unmittelbar nach der Amputation kann das Risiko für die spätere Entwicklung von Phantomschmerzen möglicherweise verringern, weshalb eine frühzeitige, umfassende Schmerztherapie im Rahmen einer geplanten Amputation heute empfohlen wird.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Phantomschmerz: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist Phantomschmerz eingebildet?
Nein, er beruht auf tatsächlichen Veränderungen in Nervensystem und Gehirn nach der Amputation und ist für Betroffene ein reales, oft belastendes Schmerzempfinden.
Was ist der Unterschied zwischen Phantomschmerz und Stumpfschmerz?
Der Phantomschmerz wird in der nicht mehr vorhandenen Gliedmaße empfunden, der Stumpfschmerz dagegen direkt im verbliebenen Körperteil und kann andere, teils behandelbare Ursachen wie eine schlecht sitzende Prothese haben.
Was ist die Spiegeltherapie?
Eine Behandlungsmethode, bei der die gesunde Gliedmaße in einem Spiegel betrachtet wird, sodass optisch der Eindruck der noch vorhandenen amputierten Gliedmaße entsteht, was bei vielen Betroffenen die Schmerzen lindern kann.
Kann man Phantomschmerzen vorbeugen?
Eine gute Schmerzkontrolle bereits vor und unmittelbar nach einer geplanten Amputation kann das Risiko möglicherweise verringern, ein sicherer Schutz besteht jedoch nicht.
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