Mallory-Weiss-Syndrom
Das Mallory-Weiss-Syndrom bezeichnet einen oder mehrere längsförmige Einrisse der Schleimhaut im Bereich des Übergangs von der unteren Speiseröhre zum Magen, die durch einen plötzlichen, starken Druckanstieg innerhalb dieses Körperabschnitts entstehen. Dieser Druckanstieg tritt klassischerweise im Rahmen von besonders heftigem, wiederholtem Erbrechen oder starkem Würgen auf, wobei die dabei entstehenden mechanischen Kräfte die Schleimhaut an dieser anatomisch besonders beanspruchten Übergangsstelle einreißen lassen können. Die Einrisse betreffen dabei überwiegend nur die oberflächliche Schleimhautschicht, können jedoch, da diese Region gut durchblutet ist, zu einer mitunter deutlich sichtbaren, jedoch in der überwiegenden Mehrheit der Fälle spontan zum Stillstand kommenden Blutung führen, die sich durch blutiges Erbrechen bemerkbar macht.
Ursachen
Das Mallory-Weiss-Syndrom entsteht durch einen plötzlichen, starken Anstieg des Drucks im Bereich des Magen-Speiseröhren-Übergangs, der klassischerweise im Rahmen heftigen, wiederholten Erbrechens auftritt, wie es etwa bei einem übermäßigen Alkoholkonsum, einer Magen-Darm-Grippe oder im Rahmen einer Schwangerschaft mit ausgeprägter Übelkeit vorkommen kann. Auch starkes Husten, Würgen oder Pressen, etwa bei schwerem Heben oder während der Entbindung, kann in selteneren Fällen einen vergleichbaren Druckanstieg verursachen und zu den charakteristischen Schleimhauteinrissen führen. Ein übermäßiger, chronischer Alkoholkonsum stellt einen bedeutsamen Risikofaktor dar, da er sowohl die Neigung zu heftigem Erbrechen erhöht als auch möglicherweise die Widerstandsfähigkeit der Schleimhaut gegenüber solchen mechanischen Belastungen vermindert.
Symptome
Das führende Symptom des Mallory-Weiss-Syndroms ist ein plötzlich auftretendes blutiges Erbrechen, das typischerweise im unmittelbaren Anschluss an eine oder mehrere Episoden heftigen, zunächst noch nicht blutigen Erbrechens einsetzt, was den charakteristischen zeitlichen Ablauf dieser Erkrankung verdeutlicht. Das erbrochene Blut kann sowohl hellrot und frisch als auch, bei bereits etwas verzögertem Blutaustritt, dunkler und mit dem Mageninhalt vermischt erscheinen. Je nach Ausmaß des Blutverlustes können Betroffene zudem Zeichen einer beginnenden Kreislaufbelastung wie Schwindel, Blässe oder ein beschleunigter Herzschlag entwickeln, wobei die meisten Blutungen im Rahmen dieser Erkrankung gering bis mäßig ausgeprägt bleiben. Bauchschmerzen können begleitend auftreten, stehen jedoch meist nicht im Vordergrund des Beschwerdebildes.
Diagnostik
Die Diagnose des Mallory-Weiss-Syndroms wird durch eine Magenspiegelung gestellt, bei der sich der oder die charakteristischen, längs verlaufenden Schleimhauteinrisse am Übergang von Speiseröhre zu Magen direkt darstellen sowie hinsichtlich einer noch bestehenden Blutungsaktivität beurteilen lassen. Diese endoskopische Untersuchung wird bei entsprechendem klinischem Verdacht auf eine obere Magen-Darm-Blutung zeitnah durchgeführt, um sowohl die Diagnose zu sichern als auch, bei noch aktiver Blutung, unmittelbar eine gezielte Blutstillung vorzunehmen. Eine sorgfältige Anamnese mit Frage nach vorausgegangenem, heftigem Erbrechen oder Würgen sowie nach dem Ausmaß des Alkoholkonsums liefert wichtige ergänzende Hinweise, die die klinische Verdachtsdiagnose bereits vor der endoskopischen Bestätigung stützen können.
Behandlung
Die überwiegende Mehrheit der Blutungen beim Mallory-Weiss-Syndrom kommt spontan, ohne gezielte Behandlung, von selbst zum Stillstand, da die Einrisse meist nur oberflächlich sind und die betroffenen Blutgefäße klein bleiben. Bei anhaltender oder erneut auftretender Blutung wird im Rahmen der diagnostischen Magenspiegelung eine gezielte endoskopische Blutstillung vorgenommen, bei der die blutende Stelle je nach Situation mittels Unterspritzung, Verödung oder dem Aufsetzen kleiner Metallclips versorgt wird. Bei ausgeprägtem Blutverlust wird zusätzlich eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr sowie bei Bedarf eine Bluttransfusion eingeleitet, um die Kreislaufsituation zu stabilisieren. Eine operative Behandlung ist bei dieser Erkrankung nur in äußerst seltenen, mit endoskopischen Mitteln nicht beherrschbaren Fällen notwendig.
Verlauf und Prognose
Die Prognose des Mallory-Weiss-Syndroms ist bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen sehr gut, da die Blutung meist spontan sistiert oder sich durch eine gezielte endoskopische Behandlung zuverlässig beherrschen lässt, und die entstandenen Schleimhauteinrisse innerhalb weniger Tage folgenlos abheilen. Ein erneutes Auftreten der Erkrankung ist möglich, insbesondere wenn die zugrunde liegende Ursache, etwa ein übermäßiger Alkoholkonsum mit wiederkehrendem heftigem Erbrechen, fortbesteht, weshalb eine gezielte Beratung zur Vermeidung auslösender Faktoren einen wichtigen Bestandteil der Nachsorge darstellt. Eine schwere, lebensbedrohliche Blutungskomplikation ist bei dieser Erkrankung insgesamt selten, kann jedoch bei Menschen mit bereits vorbestehenden Gerinnungsstörungen oder anderen schweren Begleiterkrankungen ausgeprägter verlaufen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Mallory-Weiss-Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wodurch entsteht das Mallory-Weiss-Syndrom typischerweise?
Durch einen plötzlichen, starken Druckanstieg am Übergang von Speiseröhre zu Magen, meist im Rahmen heftigen, wiederholten Erbrechens.
Muss jede Blutung endoskopisch behandelt werden?
Nein, die überwiegende Mehrheit der Blutungen kommt spontan von selbst zum Stillstand, nur bei anhaltender Blutung wird gezielt endoskopisch eingegriffen.
Welcher Risikofaktor spielt eine bedeutsame Rolle?
Ein übermäßiger, chronischer Alkoholkonsum, der sowohl die Neigung zu heftigem Erbrechen erhöht als auch möglicherweise die Schleimhaut zusätzlich schwächt.
Heilen die Schleimhauteinrisse folgenlos ab?
Ja, in der Regel innerhalb weniger Tage, sofern kein erneutes heftiges Erbrechen die Heilung stört.
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