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Allergie & Stoffwechsel

Lesch-Nyhan-Syndrom

Das Lesch-Nyhan-Syndrom ist eine seltene, X-chromosomal vererbte Stoffwechselstörung, die durch einen weitgehenden Ausfall des Enzyms Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyltransferase entsteht, das für den Abbau bestimmter Zellbausteine notwendig ist. Die Erkrankung betrifft fast ausschließlich Jungen und führt zu einer Kombination aus stark erhöhter Harnsäure, neurologischen Bewegungsstörungen, geistiger Beeinträchtigung und einem charakteristischen, zwanghaften Selbstverletzungsverhalten.

Ursachen

Ursächlich ist eine Veränderung im Gen für das Enzym Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyltransferase, das auf dem X-Chromosom liegt. Da Jungen nur ein X-Chromosom besitzen, führt eine Genveränderung bei ihnen zum vollständigen Ausfall der Enzymfunktion, während Mädchen mit einer veränderten und einer gesunden Genkopie in der Regel nicht selbst erkranken, aber Überträgerinnen sein können. Der Enzymausfall führt zu einer massiven Überproduktion von Harnsäure sowie zu einer Störung des Gehirnstoffwechsels.

Symptome

Betroffene Jungen entwickeln sich in den ersten Lebensmonaten meist noch unauffällig, bevor sich im weiteren Verlauf eine zunehmende Bewegungsstörung mit unwillkürlichen Bewegungen und erhöhter Muskelspannung sowie eine geistige Entwicklungsverzögerung zeigen. Charakteristisch und namensgebend für das Vollbild der Erkrankung ist ein zwanghaftes, selbstverletzendes Verhalten, bei dem sich Betroffene unwillkürlich in Lippen, Zunge oder Finger beißen, was oft schon im Kleinkindalter beginnt. Die stark erhöhte Harnsäure kann zusätzlich Nierensteine und eine Gicht-ähnliche Gelenkentzündung verursachen.

Diagnostik

Ein deutlich erhöhter Harnsäurespiegel im Blut und Urin bei einem Jungen mit den beschriebenen neurologischen und Verhaltensauffälligkeiten liefert wichtige Hinweise. Die Messung der Enzymaktivität in Blutzellen sowie eine genetische Untersuchung des betroffenen Gens sichern die Diagnose. Bei bekannter familiärer Genveränderung kann eine pränatale Diagnostik oder die Untersuchung möglicher weiblicher Überträgerinnen angeboten werden.

Behandlung

Eine ursächliche Heilung existiert nicht. Medikamente, die die Harnsäureproduktion hemmen, können die durch die erhöhte Harnsäure verursachten Komplikationen wie Nierensteine und Gelenkbeschwerden wirksam vorbeugen, beeinflussen die neurologischen Symptome jedoch nicht. Zum Schutz vor Selbstverletzungen werden oft Schutzvorrichtungen wie spezielle Zahnschienen oder Handschuhe eingesetzt. Physiotherapie und eine individuell angepasste, spezialisierte Betreuung unterstützen die Bewältigung der Bewegungsstörung und der Verhaltensauffälligkeiten.

Verlauf und Prognose

Die Erkrankung verläuft chronisch über das gesamte Leben mit bleibender geistiger und motorischer Beeinträchtigung sowie dem belastenden Selbstverletzungsverhalten. Mit konsequenter Behandlung der Harnsäureüberproduktion lassen sich körperliche Komplikationen wie Nierenschäden gut vorbeugen. Die neurologischen und Verhaltenssymptome erfordern eine lebenslange, intensive, spezialisierte Betreuung und stellen für Betroffene und ihre Familien eine erhebliche Belastung dar.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum sind fast nur Jungen betroffen?

Weil das verantwortliche Gen auf dem X-Chromosom liegt und Jungen nur ein X-Chromosom besitzen, wodurch eine einzelne Genveränderung bereits zum vollständigen Enzymausfall führt, während Mädchen durch ihr zweites, meist gesundes X-Chromosom geschützt sind.

Kann man das Selbstverletzungsverhalten kontrollieren?

Nicht ursächlich, aber Schutzvorrichtungen wie Zahnschienen oder Handschuhe können die Folgen begrenzen; das Verhalten selbst ist ein zwanghafter, nicht willentlich steuerbarer Teil der Erkrankung.

Hilft die Behandlung der erhöhten Harnsäure auch gegen die neurologischen Symptome?

Nein, sie beugt körperlichen Komplikationen wie Nierensteinen wirksam vor, beeinflusst jedoch die Bewegungsstörung und geistige Beeinträchtigung nicht.

Können Mütter von betroffenen Jungen selbst Trägerinnen sein?

Ja, Frauen mit einer veränderten und einer gesunden Genkopie sind meist selbst nicht erkrankt, können die Veranlagung aber an ihre Kinder weitergeben.

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