Ein Angebot von Personal Paramedic e.K. · DGUV-anerkannte Ausbildungsstätte (8.2018)
Herz & Kreislauf

Krankheiten der Kapillaren

Die Kapillaren sind die feinsten Blutgefäße des Körpers und bilden das Bindeglied zwischen den kleinsten Arterien und Venen; über ihre hauchdünne Wand findet der lebenswichtige Austausch von Sauerstoff, Nährstoffen und Stoffwechselprodukten zwischen Blut und umliegendem Gewebe statt. Krankheiten der Kapillaren umfassen ein breites Spektrum unterschiedlicher Störungen, die entweder die Struktur der Kapillarwände selbst betreffen oder deren Funktion beeinträchtigen, etwa durch eine erhöhte Durchlässigkeit, eine krankhafte Neubildung oder eine Fehlfunktion der feinen Gefäßregulation. Solche Störungen können sich in unterschiedlichster Weise äußern, von punktförmigen Hauteinblutungen über sichtbare Gefäßerweiterungen bis hin zu Schwellungen durch vermehrten Flüssigkeitsaustritt aus den Kapillaren ins umliegende Gewebe. Da Kapillaren praktisch in jedem Organ des Körpers vorkommen, können sich Erkrankungen dieser feinen Gefäße an ganz unterschiedlichen Stellen des Körpers bemerkbar machen.

Ursachen

Krankheiten der Kapillaren können durch eine Vielzahl unterschiedlicher Mechanismen entstehen. Eine erhöhte Brüchigkeit oder Durchlässigkeit der Kapillarwände kann durch einen Mangel an bestimmten Vitaminen, etwa Vitamin C, durch bestimmte Autoimmunerkrankungen mit Entzündung der kleinen Gefäße (Vaskulitis) oder durch eine langjährige Schädigung im Rahmen eines schlecht eingestellten Diabetes mellitus entstehen. Angeborene Gefäßfehlbildungen können zu sichtbaren, dauerhaft erweiterten Kapillaren führen, wie sie etwa bei bestimmten erblichen Gefäßerkrankungen vorkommen. Eine gestörte Kapillarfunktion kann außerdem im Rahmen bestimmter rheumatischer Erkrankungen auftreten, bei denen sich die kleinen Gefäße krampfartig verengen und die Durchblutung der Finger und Zehen beeinträchtigen. Auch eine mechanische Überlastung, etwa durch anhaltend erhöhten Druck in den Kapillaren bei chronischer venöser Stauung, kann zu strukturellen Veränderungen der Kapillarwände führen.

Symptome

Das Beschwerdebild hängt stark von der zugrunde liegenden Störung sowie der betroffenen Körperregion ab. Eine erhöhte Kapillarbrüchigkeit äußert sich häufig durch kleine, punktförmige Hauteinblutungen (Petechien) oder größere, flächige blaue Flecken, die bereits nach geringer mechanischer Belastung auftreten können. Bei bestimmten Erkrankungen mit krampfartiger Verengung der Kapillaren, etwa dem Raynaud-Syndrom, kommt es typischerweise zu einer anfallsartigen Weißfärbung und anschließenden bläulichen bis roten Verfärbung der Finger, verbunden mit Kälte- und Taubheitsgefühl. Eine erhöhte Durchlässigkeit der Kapillaren kann zu Wassereinlagerungen im umliegenden Gewebe führen, während sichtbar erweiterte oberflächliche Kapillaren, sogenannte Teleangiektasien, als feine, netzartige rötliche Äderchen auf der Haut sichtbar werden können. Bei manchen zugrunde liegenden Erkrankungen können zusätzlich innere Organe betroffen sein, was zu organspezifischen Beschwerden führt.

Diagnostik

Die Diagnostik richtet sich nach der vermuteten zugrunde liegenden Ursache. Eine körperliche Untersuchung mit genauer Betrachtung von Haut und sichtbaren Schleimhäuten kann bereits wichtige Hinweise auf Art und Verteilungsmuster der Kapillarveränderungen liefern. Eine spezielle mikroskopische Untersuchung der Kapillaren am Nagelfalz (Kapillarmikroskopie) erlaubt bei bestimmten rheumatischen Erkrankungen eine genauere Beurteilung der Kapillarstruktur und kann helfen, bestimmte Erkrankungen wie die systemische Sklerose frühzeitig zu erkennen. Blutuntersuchungen dienen dem Nachweis eines möglichen Vitaminmangels, entzündlicher Marker oder spezifischer Autoantikörper bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Autoimmunerkrankung. Bei Verdacht auf eine erbliche Gefäßfehlbildung kann eine genetische Untersuchung in Betracht gezogen werden. Je nach vermuteter Beteiligung innerer Organe können weiterführende, organspezifische Untersuchungen notwendig sein.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich vollständig nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einem Vitaminmangel steht der gezielte Ausgleich des fehlenden Vitamins im Vordergrund, wodurch sich die erhöhte Kapillarbrüchigkeit meist deutlich bessert. Bei Autoimmunerkrankungen mit Gefäßentzündung kommen je nach Schweregrad entzündungshemmende oder immunsuppressive Medikamente zum Einsatz. Bei krampfartiger Verengung der Kapillaren, etwa beim Raynaud-Syndrom, stehen Maßnahmen zum Schutz vor Kälte sowie, bei ausgeprägten Beschwerden, gefäßerweiternde Medikamente im Vordergrund. Sichtbar erweiterte oberflächliche Kapillaren können bei kosmetischer Beeinträchtigung mittels Laser- oder Lichtbehandlung veröden werden. Bei einer chronischen venösen Stauung als Ursache der Kapillarschädigung stehen Maßnahmen zur Verbesserung des venösen Rückflusses, etwa Kompressionstherapie und Bewegung, im Vordergrund der Behandlung.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf und die Prognose hängen wesentlich von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Ein Vitaminmangel-bedingte Kapillarschädigung bildet sich nach ausreichender Zufuhr des fehlenden Vitamins in der Regel rasch und vollständig zurück. Autoimmun bedingte Gefäßentzündungen können, je nach Ausprägung und Ansprechen auf die Behandlung, sowohl gut kontrollierbar als auch chronisch-rezidivierend verlaufen. Angeborene Gefäßfehlbildungen bleiben in der Regel lebenslang bestehen, lassen sich jedoch häufig durch gezielte, meist kosmetisch orientierte Maßnahmen gut behandeln. Bei rheumatologisch bedingten Kapillarveränderungen, etwa im Rahmen einer systemischen Sklerose, kann die Kapillarmikroskopie zudem helfen, den Verlauf der Grunderkrankung über die Zeit zu verfolgen. Insgesamt ist eine gezielte Ursachenabklärung entscheidend, um die individuell passende Behandlung einzuleiten und die Prognose bestmöglich zu gestalten.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist die Funktion der Kapillaren?

Kapillaren sind die feinsten Blutgefäße des Körpers und ermöglichen den Austausch von Sauerstoff, Nährstoffen und Stoffwechselprodukten zwischen Blut und umliegendem Gewebe.

Woher kommen kleine blaue Flecken, die schon nach geringer Belastung entstehen?

Sie können auf eine erhöhte Brüchigkeit der Kapillarwände hindeuten, etwa durch einen Vitaminmangel oder eine Gefäßentzündung, und sollten bei häufigem Auftreten ärztlich abgeklärt werden.

Was ist das Raynaud-Syndrom?

Eine Erkrankung mit anfallsartiger, krampfartiger Verengung der kleinen Gefäße in den Fingern, die zu einer charakteristischen Weißfärbung mit anschließendem Farbwechsel sowie Kälte- und Taubheitsgefühl führt.

Können sichtbar erweiterte Äderchen auf der Haut behandelt werden?

Ja, solche Teleangiektasien lassen sich bei Bedarf mittels Laser- oder Lichtbehandlung veröden, wenn sie kosmetisch als störend empfunden werden.

Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen

Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.

Kurs finden Inhouse anfragen