Juvenile Osteochondrose der Hüfte und des Beckens (Morbus Perthes)
Die juvenile Osteochondrose der Hüfte und des Beckens, im deutschen Sprachraum meist als Morbus Perthes bezeichnet, ist eine Erkrankung des Kindesalters, bei der es zu einer vorübergehenden, nicht durch eine Infektion bedingten Durchblutungsstörung des Hüftkopfes kommt. Da der kindliche Hüftkopf zu diesem Zeitpunkt noch stark wächst und einen hohen Bedarf an Durchblutung hat, führt die Durchblutungsstörung zu einem Absterben eines Teils des Knochengewebes im Hüftkopf, der daraufhin über einen längeren Zeitraum von mehreren Jahren allmählich wieder abgebaut, neu aufgebaut und umgeformt wird. Betroffen sind vor allem Kinder im Alter zwischen etwa vier und zehn Jahren, wobei Jungen deutlich häufiger betroffen sind als Mädchen. Die genaue Ursache der Durchblutungsstörung ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Ursachen
Die genaue Ursache der Durchblutungsstörung, die dem Morbus Perthes zugrunde liegt, ist trotz intensiver Forschung nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden verschiedene Faktoren, die die Blutversorgung des kindlichen Hüftkopfes vorübergehend beeinträchtigen können, unter anderem eine erhöhte Neigung zur Blutgerinnung, hormonelle Einflüsse während einer bestimmten Wachstumsphase sowie eine mögliche genetische Veranlagung, die in manchen Familien gehäuft beobachtet wird. Ein Zusammenhang mit einem verzögerten Knochenalter sowie mit Passivrauchen in der Umgebung des Kindes wird ebenfalls diskutiert. Eine einzelne, eindeutig ursächliche Erklärung, die alle Fälle erklärt, konnte bislang nicht gefunden werden, weshalb vermutlich ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zur Entstehung der Erkrankung beiträgt.
Symptome
Kinder mit einem Morbus Perthes zeigen typischerweise einen allmählich zunehmenden Schmerz in der Hüfte, der häufig, für Eltern zunächst verwirrend, in die Leiste, den Oberschenkel oder sogar bis zum Knie ausstrahlen kann, weshalb die Erkrankung mitunter zunächst fälschlicherweise als Knieproblem eingeordnet wird. Begleitend entwickelt sich häufig ein zunehmendes Hinken, das sich insbesondere nach körperlicher Belastung verstärkt. Die Beweglichkeit des betroffenen Hüftgelenks ist häufig eingeschränkt, insbesondere die Innendrehung und das Abspreizen des Beines sind oft erschwert. Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend über Wochen, können jedoch auch in Phasen unterschiedlich stark ausgeprägt sein, mit Zeiten geringerer und stärkerer Schmerzen im Wechsel.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch eine körperliche Untersuchung mit Prüfung der Hüftbeweglichkeit sowie durch eine Röntgenuntersuchung des Beckens gestellt, die je nach Krankheitsstadium charakteristische Veränderungen der Hüftkopfform und -struktur zeigen kann. In frühen Krankheitsstadien kann das Röntgenbild jedoch noch unauffällig sein, weshalb bei fortbestehendem Verdacht eine Magnetresonanztomographie der Hüfte eingesetzt wird, die eine beginnende Durchblutungsstörung deutlich früher sichtbar machen kann als die Röntgenuntersuchung. Eine regelmäßige bildgebende Verlaufskontrolle über die gesamte Behandlungsdauer ist wichtig, um den Fortschritt des Um- und Wiederaufbaus des Hüftkopfes sowie das Ansprechen auf die Behandlung zu beurteilen und die Behandlungsstrategie bei Bedarf anzupassen.
Behandlung
Die Behandlung des Morbus Perthes richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung, dem Alter des Kindes sowie dem Krankheitsstadium und reicht von einer rein beobachtenden, symptomlindernden Vorgehensweise bei jüngeren Kindern mit geringem Befund bis zu einer intensiveren, teils operativen Behandlung bei älteren Kindern mit ausgeprägterem Befund. Ziel jeder Behandlung ist es, den Hüftkopf während der empfindlichen Phase des Um- und Wiederaufbaus möglichst gut in der Hüftpfanne zu zentrieren, um eine spätere Verformung zu minimieren, wofür physiotherapeutische Übungen zur Erhaltung der Beweglichkeit sowie gegebenenfalls entlastende Hilfsmittel eingesetzt werden. Bei ausgeprägteren Befunden, insbesondere bei älteren Kindern, kann eine operative Korrektur der Hüftgelenksposition notwendig werden, um eine bestmögliche Ausheilung zu ermöglichen.
Verlauf und Prognose
Der Morbus Perthes durchläuft typischerweise über einen Zeitraum von zwei bis vier Jahren mehrere Krankheitsstadien, in denen der geschädigte Knochen zunächst abgebaut und anschließend allmählich wieder neu aufgebaut wird. Die langfristige Prognose hängt wesentlich vom Alter des Kindes bei Krankheitsbeginn, vom Ausmaß der Hüftkopfschädigung sowie vom Erfolg der Zentrierung des Hüftkopfes während der Umbauphase ab, wobei jüngere Kinder in der Regel eine bessere Prognose haben als ältere, da bei ihnen noch mehr Wachstumspotenzial für eine natürliche Nachformung des Hüftkopfes zur Verfügung steht. Bei einem erheblichen Teil der betroffenen Kinder heilt die Erkrankung mit einem gut geformten Hüftkopf und normaler Hüftfunktion aus, bei anderen kann eine bleibende Verformung zurückbleiben, die das Risiko für eine spätere, im Erwachsenenalter auftretende Hüftarthrose erhöhen kann.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Juvenile Osteochondrose der Hüfte und des Beckens (Morbus Perthes): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum wird ein Morbus Perthes manchmal zunächst für ein Knieproblem gehalten?
Weil der von der Hüfte ausgehende Schmerz häufig in den Oberschenkel oder bis zum Knie ausstrahlen kann, ohne dass das Kind den Schmerz eindeutig der Hüfte zuordnet, was die Diagnose zunächst erschweren kann.
Ist die Ursache des Morbus Perthes bekannt?
Nein, die genaue Ursache der zugrunde liegenden Durchblutungsstörung ist trotz intensiver Forschung nicht abschließend geklärt. Vermutlich tragen mehrere Faktoren gemeinsam zur Entstehung bei.
Warum haben jüngere Kinder eine bessere Prognose als ältere?
Weil bei jüngeren Kindern noch mehr Wachstumspotenzial für eine natürliche Nachformung des Hüftkopfes während des mehrjährigen Um- und Wiederaufbauprozesses zur Verfügung steht.
Kann ein Morbus Perthes im Erwachsenenalter noch Folgen haben?
Ja, bleibt nach der Ausheilung eine Verformung des Hüftkopfes bestehen, kann dies das Risiko für eine spätere, im Erwachsenenalter auftretende Hüftarthrose erhöhen.
Weiterlesen
Sonstige degenerative Krankheiten der Basalganglien
Verschiedene, weniger häufige fortschreitende Erkrankungen tief im Gehirn gelegener Nervenzellgruppen, die neben dem Parkinson-Syndrom zu Bewegungsstörungen führen können.
Weiterlesen →Nervensystem & GehirnSonstige demyelinisierende Krankheiten des Zentralnervensystems
Verschiedene, weniger häufige Erkrankungen, bei denen die schützende Isolierschicht der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark geschädigt wird, ohne dass die Kriterien der bekannteren Multiplen Sklerose erfüllt sind.
Weiterlesen →Nervensystem & GehirnIntrakranielle und intraspinale Abszesse und Granulome
Ansammlungen von Eiter oder entzündlichem Gewebe innerhalb des Schädels oder des Wirbelkanals, die als seltene, aber schwerwiegende Infektionen rasches Handeln erfordern.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.