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Innere Medizin

Inversio uteri

Die Inversio uteri bezeichnet eine seltene, aber äußerst ernste Umstülpung der Gebärmutter, bei der sich die Gebärmutterwand nach innen stülpt, sodass sich die innere Gebärmutterhöhle nach außen kehrt, teils bis in die Scheide oder sogar bis vor den Scheideneingang. Diese Umstülpung tritt am häufigsten unmittelbar nach einer Entbindung auf, wenn die Gebärmutter noch weich und dehnbar ist, insbesondere im Zusammenhang mit einer unsachgemäßen Nachgeburtsperiode. Aufgrund der massiven Blutungsneigung sowie des durch die Umstülpung ausgelösten heftigen Kreislaufreizes stellt die Inversio uteri einen akuten geburtshilflichen Notfall dar, der ein rasches, gezieltes Handeln erfordert, um lebensbedrohliche Komplikationen für die betroffene Frau zu verhindern.

Ursachen

Die Inversio uteri entsteht in den allermeisten Fällen unmittelbar nach einer Entbindung, wenn ein unsachgemäßer, zu kräftiger Zug an der noch nicht vollständig gelösten Nachgeburt ausgeübt wird, während sich die Gebärmutter noch in einem weichen, dehnbaren Zustand befindet. Ein ungünstig, insbesondere im oberen Bereich der Gebärmutter angehefteter Mutterkuchen erhöht das Risiko zusätzlich, da beim Versuch der Lösung ein stärkerer Zug auf die Gebärmutterwand ausgeübt werden kann. Auch ein ungewöhnlich schwacher Spannungszustand der Gebärmuttermuskulatur nach der Geburt sowie ein zu frühzeitiges, kräftiges Ausüben von Druck auf den Gebärmutterfundus können zur Entstehung einer Umstülpung beitragen. Sehr selten kann eine Inversio uteri auch außerhalb des geburtshilflichen Zusammenhangs auftreten, etwa im Rahmen eines großen, im Gebärmutterfundus gelegenen gutartigen Tumors, der die Gebärmutterwand beim Herauswachsen durch den Muttermund nach außen zieht.

Symptome

Die Inversio uteri äußert sich unmittelbar durch starke, plötzlich einsetzende Unterbauchschmerzen sowie eine massive vaginale Blutung, die aufgrund der gestörten Gebärmuttermuskelkontraktion nach der Umstülpung besonders ausgeprägt ausfällt. Charakteristisch ist zudem ein heftiger, oft unverhältnismäßig zur sichtbaren Blutmenge erscheinender Kreislaufschock mit rapide abfallendem Blutdruck sowie raschem Herzschlag, der durch einen ausgeprägten, über die Bauchhöhle vermittelten nervalen Reiz der Umstülpung entsteht. Bei der körperlichen Untersuchung ist die umgestülpte Gebärmutter je nach Ausprägungsgrad in der Scheide oder sogar vor dem Scheideneingang als weiche, gerötete Masse tastbar oder sichtbar, während sich im Bauchraum an der erwarteten Stelle keine Gebärmutter mehr tasten lässt. Ohne umgehende Behandlung kann sich innerhalb kurzer Zeit ein lebensbedrohlicher Zustand entwickeln.

Diagnostik

Die Diagnose der Inversio uteri wird aufgrund ihrer akuten Lebensbedrohlichkeit primär klinisch anhand des charakteristischen Erscheinungsbildes mit der sichtbaren oder tastbaren umgestülpten Gebärmutter in Kombination mit der massiven Blutung und dem ausgeprägten Kreislaufschock gestellt, ohne dass zeitraubende bildgebende Untersuchungen abgewartet werden dürfen. Die körperliche Untersuchung, bei der sich im Bauchraum keine Gebärmutter an ihrer erwarteten Position mehr tasten lässt, während gleichzeitig eine umgestülpte Struktur in der Scheide sichtbar ist, sichert die Diagnose in der Regel eindeutig. Eine Ultraschalluntersuchung kann bei unklarem klinischem Bild ergänzend zur Bestätigung eingesetzt werden, darf jedoch die notfallmäßige Behandlung keinesfalls verzögern.

Behandlung

Die Behandlung der Inversio uteri stellt einen absoluten geburtshilflichen Notfall dar, bei dem umgehend versucht wird, die umgestülpte Gebärmutter durch einen gezielten, manuellen Repositionsversuch wieder in ihre normale Position zurückzubringen, was umso erfolgversprechender ist, je rascher nach dem Auftreten der Umstülpung dieser Versuch unternommen wird. Parallel dazu werden umgehend Maßnahmen zur Kreislaufstabilisierung eingeleitet, einschließlich einer intravenösen Flüssigkeitsgabe sowie, bei erheblichem Blutverlust, einer Bluttransfusion. Gelingt der manuelle Repositionsversuch nicht, kann eine operative Zurückverlagerung der Gebärmutter notwendig werden. Nach erfolgreicher Reposition wird die Gabe wehenfördernder Medikamente eingeleitet, um eine erneute Umstülpung durch eine anhaltend gute Kontraktion der Gebärmuttermuskulatur zu verhindern.

Verlauf und Prognose

Bei rascher Erkennung und umgehender, sachgerechter Behandlung ist die Prognose der Inversio uteri heute gut, wobei die meisten betroffenen Frauen nach erfolgreicher Reposition der Gebärmutter vollständig genesen. Eine verzögerte Diagnosestellung oder Behandlung erhöht das Risiko für einen schweren, lebensbedrohlichen Kreislaufschock durch den massiven Blutverlust sowie den ausgeprägten nervalen Reiz erheblich. Nach erfolgreicher Behandlung besteht bei den meisten Frauen kein erhöhtes Risiko für spätere Schwangerschaften, wobei bei einer erneuten Entbindung besondere Vorsicht bei der Nachgeburtsperiode geboten ist, um ein erneutes Auftreten zu verhindern. Eine sorgfältige, fachgerechte Vorgehensweise bei der Lösung der Nachgeburt gilt als wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen diese seltene, aber gefährliche Komplikation.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Wann tritt eine Inversio uteri am häufigsten auf?

Am häufigsten unmittelbar nach einer Entbindung, meist im Zusammenhang mit einem unsachgemäßen, zu kräftigen Zug an der noch nicht vollständig gelösten Nachgeburt.

Warum ist der Kreislaufschock oft unverhältnismäßig stark ausgeprägt?

Weil neben dem Blutverlust ein ausgeprägter, über die Bauchhöhle vermittelter nervaler Reiz der Umstülpung selbst zum Kreislaufschock beiträgt.

Wie wird die Gebärmutter wieder in ihre normale Position zurückgebracht?

Durch einen gezielten, manuellen Repositionsversuch, der umso erfolgversprechender ist, je rascher er nach dem Auftreten der Umstülpung unternommen wird.

Kann nach einer Inversio uteri eine erneute Schwangerschaft eintreten?

Ja, bei den meisten Frauen besteht kein erhöhtes Risiko, wobei bei einer erneuten Entbindung besondere Vorsicht bei der Nachgeburtsperiode geboten ist.

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