Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH)
Die idiopathische intrakranielle Hypertension, früher auch als Pseudotumor cerebri bezeichnet, ist eine Erkrankung, bei der der Druck des Nervenwassers im Gehirn deutlich erhöht ist, ohne dass sich eine erklärende Ursache wie ein Hirntumor, eine Hirnvenenthrombose oder eine Hirnhautentzündung finden lässt. Die Erkrankung betrifft ganz überwiegend übergewichtige Frauen im gebärfähigen Alter, was auf einen bedeutsamen Zusammenhang mit hormonellen sowie stoffwechselbedingten Faktoren hindeutet, wenngleich der genaue Entstehungsmechanismus nicht vollständig verstanden ist. Von besonderer klinischer Bedeutung ist die Erkrankung aufgrund ihres Risikos für eine dauerhafte Schädigung des Sehvermögens durch den anhaltenden Druck auf die Sehnerven, weshalb eine rechtzeitige Diagnosestellung sowie eine konsequente Behandlung von großer Bedeutung für den Erhalt der Sehkraft sind.
Ursachen
Die genaue Ursache der idiopathischen intrakraniellen Hypertension ist trotz intensiver Forschung nicht abschließend geklärt, weshalb sie per Definition als eigenständige, ohne erkennbare zugrunde liegende Ursache auftretende Erkrankung bezeichnet wird. Der mit Abstand bedeutsamste Risikofaktor ist ein deutliches Übergewicht, wobei eine kürzlich erfolgte Gewichtszunahme das Erkrankungsrisiko besonders stark erhöht, was auf eine mögliche Rolle stoffwechselbedingter Veränderungen des Nervenwasserhaushalts bei der Krankheitsentstehung hindeutet. Die weit überwiegende Betroffenheit von Frauen im gebärfähigen Alter lässt zudem einen Zusammenhang mit hormonellen Faktoren vermuten. Bestimmte Medikamente, insbesondere einige Vitamin-A-Präparate sowie bestimmte Antibiotika, können in seltenen Fällen eine der idiopathischen intrakraniellen Hypertension ähnliche Drucksteigerung auslösen und sollten daher bei der Anamnese sorgfältig erfragt werden.
Symptome
Das führende Symptom der idiopathischen intrakraniellen Hypertension sind anhaltende, häufig täglich auftretende Kopfschmerzen, die sich charakteristischerweise beim Husten, Pressen oder Bücken verstärken können. Ein pulssynchrones Ohrgeräusch, bei dem Betroffene ein rhythmisches, mit dem eigenen Herzschlag übereinstimmendes Rauschen im Ohr wahrnehmen, gilt als besonders charakteristisches, wenn auch nicht bei allen Betroffenen vorhandenes Begleitsymptom. Vorübergehende Sehstörungen, bei denen das Sehen für Sekunden grau oder schwarz wird, insbesondere beim Aufstehen oder Bücken, treten bei einem erheblichen Teil der Betroffenen auf und weisen auf die bedeutsamste Komplikation der Erkrankung hin, nämlich eine durch den anhaltend erhöhten Druck bedingte Schädigung der Sehnerven, die unbehandelt zu einer dauerhaften, irreversiblen Sehverschlechterung fortschreiten kann.
Diagnostik
Die Diagnose der idiopathischen intrakraniellen Hypertension erfordert zunächst den sorgfältigen Ausschluss anderer, behandelbarer Ursachen einer Hirndrucksteigerung mittels einer Magnetresonanztomographie des Gehirns einschließlich einer venösen Gefäßdarstellung, um insbesondere einen Hirntumor sowie eine Hirnvenenthrombose auszuschließen. Bei unauffälliger Bildgebung wird der tatsächliche Druck des Nervenwassers durch eine Lumbalpunktion direkt gemessen, wobei ein deutlich erhöhter Druck bei ansonsten normaler Zusammensetzung des Nervenwassers die Diagnose bestätigt. Eine augenärztliche Untersuchung des Augenhintergrunds ist bei jeder Diagnosestellung unverzichtbar, da sich eine Schwellung des Sehnervenkopfes als direktes Zeichen des erhöhten Hirndrucks nachweisen lässt und das Ausmaß einer möglichen bereits eingetretenen Sehnervenschädigung eingeschätzt werden kann.
Behandlung
Die Behandlung der idiopathischen intrakraniellen Hypertension umfasst als zentralen Bestandteil eine gezielte Gewichtsreduktion, da bereits eine moderate Gewichtsabnahme bei vielen Betroffenen zu einer deutlichen Senkung des Hirndrucks sowie einer Besserung der Beschwerden führen kann. Medikamentös wird häufig ein den Nervenwasserhaushalt beeinflussendes Präparat eingesetzt, das die Produktion des Nervenwassers reduziert und dadurch den Druck senkt. Bei drohender oder bereits fortschreitender Sehnervenschädigung trotz medikamentöser Behandlung kann ein operativer Eingriff notwendig werden, bei dem entweder eine Ableitung des überschüssigen Nervenwassers angelegt oder die Sehnervenscheide operativ entlastet wird, um das Sehvermögen zu schützen. Eine engmaschige augenärztliche Verlaufskontrolle ist während der gesamten Behandlung von zentraler Bedeutung, um eine drohende Sehverschlechterung frühzeitig zu erkennen.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der idiopathischen intrakraniellen Hypertension ist bei rechtzeitiger Diagnosestellung und konsequenter Behandlung, insbesondere bei erfolgreicher Gewichtsreduktion, bei den meisten Betroffenen gut, wobei sich die Kopfschmerzen sowie die Sehstörungen bei angemessener Behandlung deutlich bessern können. Bleibt die Erkrankung jedoch unerkannt oder unzureichend behandelt, besteht ein erhebliches Risiko für eine dauerhafte, irreversible Schädigung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung, was die Erkrankung trotz ihres insgesamt gutartigen Charakters zu einer ernstzunehmenden Bedrohung für die Sehkraft macht. Ein Rückfall der Erkrankung nach zunächst erfolgreicher Behandlung ist möglich, insbesondere bei erneuter Gewichtszunahme, weshalb eine langfristige augenärztliche und neurologische Nachsorge sowie die dauerhafte Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts empfohlen werden.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wer ist am häufigsten von dieser Erkrankung betroffen?
Ganz überwiegend übergewichtige Frauen im gebärfähigen Alter, wobei eine kürzlich erfolgte Gewichtszunahme das Risiko besonders erhöht.
Was ist ein charakteristisches Begleitsymptom?
Ein pulssynchrones Ohrgeräusch, das im Rhythmus mit dem eigenen Herzschlag wahrgenommen wird.
Warum ist eine augenärztliche Untersuchung unverzichtbar?
Weil der anhaltend erhöhte Hirndruck die Sehnerven schädigen und unbehandelt zu einer dauerhaften, irreversiblen Sehverschlechterung führen kann.
Welche Maßnahme ist zentral für die Behandlung?
Eine gezielte Gewichtsreduktion, die bereits bei moderater Abnahme zu einer deutlichen Besserung führen kann.
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