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Herz & Kreislauf

Hypertensive Enzephalopathie

Die hypertensive Enzephalopathie ist eine akute, durch einen extrem stark und rasch erhöhten Blutdruck verursachte Funktionsstörung des Gehirns, bei der die normale Regulationsfähigkeit der Hirngefäße überfordert wird und es dadurch zu einer Schwellung des Hirngewebes sowie einer Störung der Blut-Hirn-Schranke kommt. Normalerweise sind die Blutgefäße des Gehirns in der Lage, den Blutfluss innerhalb eines weiten Bereichs des Blutdrucks konstant zu halten, um das empfindliche Hirngewebe vor Schwankungen zu schützen. Übersteigt der Blutdruck jedoch eine bestimmte, individuell unterschiedliche Grenze, versagt dieser Schutzmechanismus, wodurch sich unter dem erhöhten Druck Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in das umliegende Hirngewebe verlagert, was zu einer akuten Hirnschwellung mit entsprechenden neurologischen Symptomen führt und einen dringlichen medizinischen Notfall darstellt.

Ursachen

Die hypertensive Enzephalopathie entsteht durch einen extrem stark und meist rasch ansteigenden Blutdruck, der die normale Fähigkeit der Hirngefäße zur Regulierung eines konstanten Blutflusses überfordert. Diese Situation kann sowohl bei Menschen mit einer seit langem bestehenden, unzureichend behandelten Bluthochdruckerkrankung auftreten, deren Blutdruck sich plötzlich weiter dramatisch verschlechtert, als auch bei zuvor gesunden Menschen mit einem akut auftretenden, extrem hohen Blutdruck, etwa im Rahmen einer schweren Nierenerkrankung, einer bestimmten Schwangerschaftskomplikation oder durch den plötzlichen Konsum bestimmter Drogen. Ein abruptes Absetzen bestimmter blutdrucksenkender Medikamente kann bei manchen Menschen ebenfalls zu einem gefährlichen, raschen Blutdruckanstieg mit nachfolgender hypertensiver Enzephalopathie führen.

Symptome

Die hypertensive Enzephalopathie äußert sich durch eine Kombination aus starken, oft plötzlich einsetzenden Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Sehstörungen, die von verschwommenem Sehen bis zu einem vorübergehenden vollständigen Sehverlust reichen können. Eine zunehmende Verwirrtheit sowie eine Bewusstseinstrübung, die bis zur Bewusstlosigkeit fortschreiten kann, entwickeln sich bei ausgeprägter Erkrankung und weisen auf die zunehmende Schwellung des Hirngewebes hin. Krampfanfälle können sich als weitere, besonders bedrohliche Komplikation entwickeln. Im Unterschied zu einem klassischen Schlaganfall sind die neurologischen Symptome bei der hypertensiven Enzephalopathie meist nicht auf eine bestimmte Körperseite oder ein umschriebenes Hirngebiet begrenzt, sondern betreffen die Hirnfunktion diffus, was einen wichtigen diagnostischen Hinweis darstellt.

Diagnostik

Die Diagnose der hypertensiven Enzephalopathie wird durch die Kombination aus einem extrem hohen, gemessenen Blutdruck sowie den charakteristischen neurologischen Symptomen gestellt, wobei eine umgehende bildgebende Untersuchung des Gehirns, meist mittels Magnetresonanztomographie, zur Bestätigung sowie zum Ausschluss anderer, ähnliche Beschwerden verursachender Erkrankungen wie eines Schlaganfalls oder einer Hirnblutung notwendig ist. In der Magnetresonanztomographie zeigt sich bei der hypertensiven Enzephalopathie ein charakteristisches, meist die hinteren Hirnabschnitte betreffendes Schwellungsmuster, das als posteriores reversibles Enzephalopathiesyndrom bezeichnet wird und sich bei erfolgreicher Blutdrucksenkung in der Regel wieder vollständig zurückbildet. Eine sorgfältige Suche nach der zugrunde liegenden Ursache des extremen Blutdruckanstiegs wird parallel zur Akutbehandlung eingeleitet.

Behandlung

Die Behandlung der hypertensiven Enzephalopathie erfordert eine umgehende, jedoch kontrollierte Senkung des extrem erhöhten Blutdrucks mittels intravenös verabreichter, gut steuerbarer blutdrucksenkender Medikamente unter engmaschiger intensivmedizinischer Überwachung, wobei eine zu rasche oder zu ausgeprägte Blutdrucksenkung sorgfältig vermieden werden muss, da diese selbst eine unzureichende Durchblutung des Gehirns verursachen könnte. Der Blutdruck wird daher innerhalb der ersten Stunden nur um einen bestimmten, begrenzten Prozentsatz gesenkt, bevor eine weitere, schrittweise Normalisierung über die folgenden Tage angestrebt wird. Bei auftretenden Krampfanfällen werden zusätzlich krampflösende Medikamente eingesetzt. Parallel zur akuten Blutdrucksenkung wird die zugrunde liegende Ursache des Blutdruckanstiegs gezielt behandelt, um einen erneuten gefährlichen Anstieg zu verhindern.

Verlauf und Prognose

Die Prognose der hypertensiven Enzephalopathie ist bei rechtzeitiger Diagnosestellung sowie umgehender, kontrollierter Blutdrucksenkung gut, da sich die Hirnschwellung sowie die damit verbundenen neurologischen Beschwerden bei den meisten Betroffenen innerhalb weniger Tage vollständig zurückbilden, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Wird die Erkrankung jedoch nicht rechtzeitig erkannt oder bleibt der extrem hohe Blutdruck über längere Zeit unbehandelt, können sich bleibende neurologische Schäden bis hin zu einem tatsächlichen Schlaganfall oder Hirnblutungen entwickeln, die deutlich schlechter rückbildungsfähig sind als die reversible Hirnschwellung der hypertensiven Enzephalopathie selbst. Nach überstandener Erkrankung ist eine konsequente, langfristige Einstellung des Blutdrucks von entscheidender Bedeutung, um ein erneutes Auftreten zu verhindern, weshalb eine engmaschige hausärztliche sowie kardiologische Nachsorge empfohlen wird.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum ist eine zu rasche Blutdrucksenkung gefährlich?

Weil sie selbst eine unzureichende Durchblutung des Gehirns verursachen könnte, weshalb der Blutdruck kontrolliert und nur in begrenztem Ausmaß innerhalb der ersten Stunden gesenkt wird.

Was ist das posteriore reversible Enzephalopathiesyndrom?

Ein charakteristisches, meist die hinteren Hirnabschnitte betreffendes Schwellungsmuster im MRT, das sich bei erfolgreicher Blutdrucksenkung in der Regel wieder vollständig zurückbildet.

Wie unterscheidet sich die Erkrankung von einem klassischen Schlaganfall?

Die neurologischen Symptome betreffen die Hirnfunktion meist diffus, nicht auf eine bestimmte Körperseite oder ein umschriebenes Hirngebiet begrenzt.

Bleiben nach der Behandlung Schäden zurück?

Bei rechtzeitiger Behandlung in der Regel nicht, die Beschwerden bilden sich meist innerhalb weniger Tage vollständig zurück.

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