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Frauengesundheit

Herpes gestationis

Der Herpes gestationis, heute in der Fachwelt zunehmend als Pemphigoid gestationis bezeichnet, ist eine seltene, autoimmun bedingte Hauterkrankung, die ausschließlich während der Schwangerschaft oder unmittelbar im Wochenbett auftritt und durch einen ausgeprägten, quälenden Juckreiz sowie die Bildung von Hautblasen gekennzeichnet ist. Der historisch gewachsene, irreführende Name der Erkrankung hat trotz seiner Bezeichnung nichts mit einer Infektion durch das Herpesvirus zu tun, sondern bezog sich ursprünglich lediglich auf das äußere, an eine Herpesinfektion erinnernde Erscheinungsbild der gruppiert angeordneten Hautblasen. Der Erkrankung liegt vielmehr eine fehlgeleitete Immunreaktion zugrunde, bei der der mütterliche Körper Antikörper gegen ein Eiweiß der eigenen Haut bildet, das zufällig eine strukturelle Ähnlichkeit mit einem entsprechenden Eiweiß der Plazenta aufweist.

Ursachen

Dem Herpes gestationis liegt eine autoimmune Reaktion zugrunde, bei der der mütterliche Körper Antikörper gegen ein bestimmtes Strukturprotein bildet, das die oberste Hautschicht mit der darunterliegenden Bindegewebsschicht verbindet, wobei dieses Protein in seiner Struktur einem entsprechenden Eiweiß in der Plazenta ähnelt. Es wird angenommen, dass die während der Schwangerschaft gebildeten mütterlichen Antikörper ursprünglich gegen dieses plazentare Eiweiß gerichtet sind, aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit jedoch auch die eigene Haut der Mutter angreifen, wodurch die charakteristische Blasenbildung entsteht. Eine genetische Veranlagung, insbesondere bestimmte Merkmale des körpereigenen Gewebeverträglichkeitssystems, erhöht das Risiko für die Entwicklung dieser Erkrankung während einer Schwangerschaft. Bei einem Teil der betroffenen Frauen tritt die Erkrankung bei jeder weiteren Schwangerschaft erneut, häufig sogar in einer noch ausgeprägteren Form, auf.

Symptome

Der Herpes gestationis beginnt typischerweise im zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittel mit einem ausgeprägten, sehr quälenden Juckreiz, der sich meist zuerst im Bereich des Bauchnabels bemerkbar macht, wo sich zunächst stark juckende, erhabene Hautrötungen entwickeln. Im weiteren Verlauf, meist innerhalb weniger Tage bis Wochen, entstehen aus diesen Hautveränderungen charakteristische, mit klarer Flüssigkeit gefüllte Blasen, die sich vom Bauchnabelbereich aus auf den übrigen Bauch sowie die Extremitäten ausbreiten können, während das Gesicht sowie die Schleimhäute typischerweise ausgespart bleiben. Nach der Entbindung kommt es bei einem erheblichen Teil der Betroffenen zu einer vorübergehenden, deutlichen Verschlechterung der Beschwerden, bevor sich die Erkrankung im weiteren Wochenbett allmählich zurückbildet.

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Diagnostik

Die Diagnose des Herpes gestationis wird durch eine Gewebeprobe der betroffenen Haut gestellt, bei der eine spezielle immunologische Untersuchungstechnik die für die Erkrankung charakteristische Ablagerung von Antikörpern entlang der Verbindungszone zwischen oberer und tieferer Hautschicht nachweist. Eine Blutuntersuchung kann ergänzend die im Blut zirkulierenden, für die Erkrankung spezifischen Antikörper nachweisen, was die Diagnose zusätzlich absichert. Eine sorgfältige klinische Abgrenzung von anderen, deutlich häufigeren juckenden Hauterkrankungen der Schwangerschaft, die keine autoimmune Ursache haben und daher grundlegend anders eingeordnet werden, ist von großer Bedeutung, da sich diese in ihrem äußeren Erscheinungsbild teilweise ähneln können, jedoch in ihrer Behandlung sowie ihren möglichen Auswirkungen auf das Kind deutlich unterscheiden.

Behandlung

Die Behandlung des Herpes gestationis richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden, wobei bei milderen Verläufen zunächst örtlich aufgetragene Kortisonpräparate sowie juckreizlindernde Medikamente eingesetzt werden, um die Beschwerden zu kontrollieren. Bei stärker ausgeprägter, den Alltag erheblich beeinträchtigender Erkrankung wird häufig eine systemische, also über den gesamten Körper wirkende Kortisonbehandlung eingeleitet, die sorgfältig gegen mögliche Auswirkungen auf Mutter und Kind abgewogen wird und in der Schwangerschaft unter fachärztlicher Begleitung als vertretbar gilt. Eine engmaschige geburtshilfliche Überwachung der Schwangerschaft wird empfohlen, da die Erkrankung mit einem geringfügig erhöhten Risiko für eine Frühgeburt sowie ein niedrigeres Geburtsgewicht des Kindes assoziiert ist.

Verlauf und Prognose

Die Prognose des Herpes gestationis für die Mutter ist insgesamt gut, wobei sich die Hautveränderungen nach der oft vorübergehenden Verschlechterung im unmittelbaren Wochenbett im weiteren Verlauf mehrerer Wochen bis Monate vollständig zurückbilden. Bei einem erheblichen Teil der betroffenen Frauen tritt die Erkrankung bei jeder weiteren Schwangerschaft erneut auf, häufig mit einem früheren Beginn sowie einem ausgeprägteren Verlauf als bei der vorausgegangenen Schwangerschaft. Bei einem kleinen Teil der Neugeborenen können sich durch den plazentaren Übertritt mütterlicher Antikörper vorübergehende, milde Hautblasen zeigen, die sich jedoch innerhalb weniger Wochen nach der Geburt von selbst zurückbilden, da die mütterlichen Antikörper im kindlichen Kreislauf allmählich abgebaut werden. Eine engmaschige Überwachung künftiger Schwangerschaften wird bei betroffenen Frauen empfohlen.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Hat der Herpes gestationis etwas mit dem Herpesvirus zu tun?

Nein, trotz des irreführenden Namens handelt es sich um eine autoimmune Hauterkrankung ohne jeden Zusammenhang mit einer Herpesvirus-Infektion.

Wo beginnen die Hautveränderungen typischerweise?

Meist zuerst im Bereich des Bauchnabels, von wo aus sie sich auf den übrigen Bauch sowie die Extremitäten ausbreiten können.

Kann die Erkrankung das Kind betreffen?

Ein kleiner Teil der Neugeborenen kann vorübergehende, milde Hautblasen durch übertragene mütterliche Antikörper zeigen, die sich jedoch von selbst zurückbilden.

Tritt die Erkrankung bei einer erneuten Schwangerschaft wieder auf?

Bei einem erheblichen Teil der betroffenen Frauen ja, häufig sogar mit früherem Beginn und ausgeprägterem Verlauf.

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