Hereditäre Dystrophie der Aderhaut
Die hereditäre Dystrophie der Aderhaut umfasst eine seltene Gruppe erblicher Erkrankungen, bei denen die Aderhaut, die als gefäßreiche mittlere Augenhaut die Netzhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, aufgrund zugrunde liegender genetischer Veränderungen fortschreitend abgebaut wird. Da die Netzhaut auf die Versorgung durch die Aderhaut angewiesen ist, führt dieser fortschreitende Abbau nicht nur zu einer direkten Schädigung der Aderhaut selbst, sondern in der Folge auch zu einer zunehmenden Beeinträchtigung der von ihr versorgten Netzhautregionen, was letztlich die Sehfunktion der betroffenen Personen zunehmend einschränkt.
Ursachen
Der hereditären Dystrophie der Aderhaut liegen Veränderungen in bestimmten Genen zugrunde, die für die Struktur und den Erhalt des Aderhautgewebes von Bedeutung sind. Je nach betroffenem Gen wird die Erkrankung unterschiedlich vererbt, wobei bestimmte Formen bevorzugt bei männlichen Betroffenen auftreten, da das ursächliche Gen auf dem X-Chromosom liegt, während weibliche Anlageträgerinnen meist deutlich mildere oder keine Beschwerden zeigen. Die genetische Veränderung führt zu einem schleichenden, fortschreitenden Abbau der gefäßreichen Aderhautschicht, der sich meist zunächst in bestimmten, charakteristischen Bereichen des Augenhintergrunds bemerkbar macht und sich von dort aus im Laufe der Zeit weiter ausbreitet.
Symptome
Die Symptomatik der hereditären Dystrophie der Aderhaut beginnt meist bereits im Kindes- oder frühen Jugendalter mit einer zunehmenden Nachtblindheit, da die zuerst betroffenen Netzhautbereiche häufig bevorzugt für das Sehen bei Dämmerlicht zuständig sind. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer allmählichen Einengung des äußeren Gesichtsfelds, die sich über Jahre bis Jahrzehnte hinweg fortsetzt, während die zentrale Sehschärfe zunächst oft noch relativ lange erhalten bleibt. In fortgeschrittenen Stadien kann auch die zentrale Sehfunktion zunehmend beeinträchtigt werden, wenn der Abbauprozess der Aderhaut die für das scharfe Sehen entscheidende zentrale Netzhautregion erreicht.
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt durch eine augenärztliche Untersuchung des Augenhintergrunds, bei der die charakteristischen Abbauveränderungen der Aderhaut erkannt werden, sowie durch eine Gesichtsfelduntersuchung, die das Ausmaß der bereits eingetretenen Einengung erfasst. Eine spezialisierte Funktionsuntersuchung der Netzhaut kann das Ausmaß der bereits eingetretenen Beeinträchtigung der Sehzellen objektivieren. Eine molekulargenetische Untersuchung ermöglicht die Bestätigung der Diagnose sowie die Identifikation des zugrunde liegenden Gendefekts, was insbesondere für die Beratung betroffener Familien von großer Bedeutung ist, da hierdurch auch eine Aussage über den Erbgang und das Risiko für weitere Familienmitglieder möglich wird.
Behandlung
Für die hereditäre Dystrophie der Aderhaut existiert bislang keine Behandlung, die den zugrunde liegenden, genetisch bedingten Abbauprozess ursächlich aufhalten kann, auch wenn die Forschung in diesem Bereich fortlaufend Fortschritte macht. Im Vordergrund der Behandlung steht daher eine unterstützende Begleitung, die den Betroffenen hilft, mit der fortschreitenden Einschränkung des Gesichtsfelds und der Nachtblindheit im Alltag umzugehen, etwa durch eine gezielte Beratung zu Hilfsmitteln und Orientierungshilfen sowie eine Anpassung der Lebens- und Arbeitsumgebung an die eingeschränkten Sehbedingungen bei Dämmerlicht.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der hereditären Dystrophie der Aderhaut ist typischerweise langsam, aber stetig fortschreitend und erstreckt sich über viele Jahre bis Jahrzehnte, wobei die zentrale Sehschärfe bei vielen Betroffenen bis in ein fortgeschrittenes Lebensalter zumindest teilweise erhalten bleibt. Das Ausmaß und die Geschwindigkeit des Fortschreitens können jedoch selbst innerhalb derselben Familie unterschiedlich ausgeprägt sein. Eine regelmäßige augenärztliche Verlaufskontrolle ist sinnvoll, um den individuellen Krankheitsverlauf zu dokumentieren und die Betroffenen frühzeitig über sich möglicherweise entwickelnde, spezifische Unterstützungsangebote informieren zu können.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Erkrankungen der Aderhaut und Netzhaut: Ursachen, Diagnostik, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum sind vor allem männliche Betroffene betroffen?
Bestimmte Formen werden über ein Gen auf dem X-Chromosom vererbt, weshalb sie bevorzugt bei männlichen Betroffenen auftreten, während weibliche Anlageträgerinnen meist mildere oder keine Beschwerden zeigen.
Welches Symptom tritt meist zuerst auf?
Eine zunehmende Nachtblindheit ist meist das erste Symptom, da die zuerst betroffenen Netzhautbereiche bevorzugt für das Sehen bei Dämmerlicht zuständig sind.
Bleibt die zentrale Sehschärfe lange erhalten?
Bei vielen Betroffenen bleibt sie zunächst relativ lange erhalten, kann aber in fortgeschrittenen Stadien ebenfalls beeinträchtigt werden.
Warum ist eine genetische Untersuchung wichtig?
Sie bestätigt die Diagnose, identifiziert den zugrunde liegenden Gendefekt und ermöglicht eine Beratung betroffener Familien zum Erbgang und Risiko für weitere Angehörige.
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